Tierschutz nimmt Zoos ins Visier
Der Schweizer Tierschutz (STS) beschuldigt Kleinzoos, exotische Wildtiere als "Lockvögel" fürs Geschäft zu missbrauchen - und stösst auf heftigen Widerspruch.
In den meisten Kleinzoos fehle es nicht am guten Willen, aber an Geld, Platz und Kenntnissen über eine artgerechte Wildtier-Haltung, sagte der Zoologe Peter Schlup von der STS-Fachstelle Wildtiere an einer Medien-Konferenz am Donnerstag in Zürich. Es fehle an Visionen, wie die Lage der Wildtiere verbessert werden könnte.
Freizeit-Attraktion für Restaurants
Tiere wie Löwen, Tiger, Affen oder Bären würden als «Publikums-Magneten» eingesetzt, jedoch «inakzeptabel» gehalten. In rund 80% der Schweizer Kleinzoos gibt es laut Schlup Beispiele von nicht artgerechter Tierhaltung.
Viele Kleinzoos seien ursprünglich Restaurants oder Gärtnereien gewesen, die «zur Ankurbelung des Geschäfts» exotische Tiere angeschafft hätten, sagte der Tierschützer und Filmer Mark Rissi. Die Leidtragenden seien die Tiere.
Frustriert und neurotisch langweilten sie sich in zu kleinen, verbetonierten Gehegen. Statt naturgerechter Umgebung habe er in Gehegen gekachelte Wände und Böden angetroffen, sagte Rissi.
Oft seien die Wasserstellen ungenügend. Grotesk sei die Diskrepanz zwischen den auf Schautafeln beschriebenen Lebensräumen der Wildtiere und deren Lebensrealität in den Kleinzoos.
Auch Grosszoos haben noch «Altlasten»
Auch in Grosszoos wie in Zürich gebe es noch «Altlasten» nicht artgerechter Tierhaltung, räumte Ewald Isenbügel, Haltungsexperte und Tierarzt des Zürcher Zoos, an der Medien-Konferenz ein.
Das Wissen über artgerechte Haltung könne jedoch dank der finanziellen Möglichkeiten laufend umgesetzt werden. Wildtiere in Zoos als «Lockvögel» seien inakzeptabel.
Keine gesetzliche Handhabe
Als völlig ungenügend erachtet der STS die gesetzlichen Bestimmungen. Deshalb habe man keine rechtliche Handhabe, um Missstände zu verhindern.
Die 2001 in Kraft getretene Revision der Tierschutzverordnung sei ungenügend. Die neuen Standards für die Wildtierhaltung sind laut Schlup nach wie vor nicht artgerecht.
Heftige Reaktionen der Kleinzoo-Besitzer
Dem Tierschutz gehe es darum, die Kleintierzoos kaputtzumachen, sagte Willi Friedli, Pächter des Zoo Hasel im Kanton Aargau. Er wies jede Kritik von sich. Die Gehege entsprächen den Tierschutzbestimmungen, und wo notwendig würden Anpassungen gemacht.
Das Problem werde sich von selber lösen, meinte Jerry Wegmann, Besitzer der Siky Ranch in Crémines im Berner Jura ironisch. Kleinere, nicht rentable Zoos würden langsam verschwinden. Es sei jedoch inakzeptabel, den Kleinen das Halten exotischer Tiere zu verbieten. «Das wäre, wie wenn ich meinem Nachbarn befehlen würde, statt eines Mercedes einen VW zu fahren.»
Er werde sicher nicht auf die beliebten Raubkatzen verzichten, sagte Walter Mauerhofer vom Plättli Zoo in der Thurgauer Hauptstadt Frauenfeld. Der Kleintierpark sei im Zusammenhang mit seinem Restaurant von wirtschaftlicher Bedeutung.
Der Vorwurf, Kleinzoos investierten nicht in artgerechte Gehege, treffe ihn nicht, sagte Mauerhofer. Er baue für seine Löwen und Tiger je ein neues Gehege.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch