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UBS-Präsident Ospel kritisiert die EU

Marcel Ospel, Verwaltungsrats-Präsident der Grossbank UBS, hat in einem Interview die Steuerpolitik der Europäischen Union (EU) kritisiert.

In Bezug auf die Entwicklung der schweizerischen Wirtschaft ging er mit dem «Wirtschafts-Establishment» ins Gericht. Eine konjunkturelle Erholung sieht Ospel erst im übernächsten Jahr.

«Ich bin entrüstet, wie die EU mit ihren kleineren Mitgliedern umspringt», sagte Ospel zum Thema Steuerpolitik in einem vorab veröffentlichten Interview der Wirtschaftszeitung «Cash».

Die Kleinen würden von den zwei, drei Grossen ständig an die Wand gedrückt. Dabei seien die meisten europäischen Politiker vom schweizerischen Konzept überzeugt.

«Nur zwei, drei grosse EU-Länder verfolgen andere Ziele. Sie wollen ein Steuerkartell auf möglichst hohem Niveau und haben Appetit auf ein Stück des Finanzplatzes Schweiz», sagte Ospel.

Schweiz soll Beitrittsgesuch zurückziehen

«Trotz viel Herzblut für ein gemeinsames Europa» sprach er sich dafür aus, dass die Schweiz ihr EU-Beitrittsgesuch zurückziehe.

Ein Kränzchen wand der UBS-Präsident Bundespräsident Kaspar Villiger, der mit der EU sehr gut verhandelt habe.

Weniger Lob erhielten jene Schweizer Wirtschaftsführer, die im Laufe dieses Jahres für einige Skandale gesorgt haben.

Verfilzte Schweiz

Die Schweiz sei ein kleines Land mit einer hohen Dichte an multinationalen Konzernen. Das Rekrutierungsfeld für Spitzenkräfte sei entsprechend klein, wenn man sich nur auf Schweizer Nachwuchskräfte konzentriere. «Man kann in diesem Zusammenhang durchaus von Filz sprechen», sagte Ospel.

Es habe ein Wirtschafts-Establishment geherrscht mit gegenseitigen VR-Verflechtungen. «Das Resultat war Mittelmässigkeit in manchen Führungsetagen. Dafür haben wir jetzt den Preis bezahlt», sagte er.

Schlechte Wachstumsprognose

Pessimistisch zeigte sich Ospel beim konjunkturellen Ausblick auf das nächste Jahr. Er glaube nicht, dass die Schweiz rasch zu solidem Wachstum zurückkehren werde, sagte er.

Stichworte dazu seien unter anderem Überkapazitäten in vielen Branchen, die Vernetzung des Schweizer Aussenhandels mit Deutschland, aber auch die Kriegsgefahr im Mittleren Osten. «Und so rechne ich frühestens per 2004 mit neuen Nachfrageschüben und erhöhter Produktivität, sprich wichtigen Wachstumsvoraussetzungen», erklärte er.

Auf die BAK Konjunkturforschung Basel AG (BAK) angesprochen, welche die BIP-Wachstumsprognose für 2003 von 1,6 Prozent auf 1,2 Prozent gesenkt hat, sagte Ospel: «Intuitiv glaube ich, dass dies immer noch zu hoch ist.»

swissinfo und Agenturen

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