UBS: Weniger Gewinn
Bei der grössten Schweizer Bank ist im letzten Jahr der Gewinn um über einen Drittel eingebrochen. Die UBS steht aber besser da als ihre Konkurrenz.
Der Gewinn für das Geschäftsjahr 2001 beträgt 4,97 Mrd. Franken. Das sind 36% weniger als im Vorjahr. Dies gab die UBS am Donnerstag bekannt.
Das Flaggschiff der Schweizer Banken führt diesen Einbruch auf das ungünstige Marktumfeld zurück. Aber auch die Refinanzierung der Übernahme der amerikanischen Investmentbank PaineWebber würden wesentlich zum schlechteren Resultat beitagen, gab das Unternehmen bekannt.
Das Ergebnis des vierten Quartals betrug 1,1 Mrd. Franken. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahres-Quartal sank der Gewinn um 24%, verglichen zum schlechten dritten Quartal stieg es aber um 22%.
Zum Erfolg beigetragen hat das Schweizer Privat- und Firmenkundengeschäft, welches ein Rekordergebnis erzielte. Dieser Gewinn lag am oberen Rand der Schätzungen von Analysten.
Sturm besänftigen
Die präsentierten Zahlen werden von Analysten als besser als erwartet bezeichnet. Sie dürften die Probleme der letzten Monate in der UBS-Chefetage besänftigen.
Erst im Dezember war der damalige Präsident der Konzernleitung, Luqman Arnold, nach nur acht Monaten an der Spitze der Bank durch Peter Wuffli ersetzt worden. Analysten vermuteten einen Machtkampf zwischen Luqman und Verwaltungsrats-Mitglied Marcel Ospel und bezeichneten den Wechsel als «Erdbeben».
Wuffli trotz Swissair-Debakel zuversichtlich
Bank-Manager Ospel war im Oktober in den Medien für das Swissair-Grounding verantwortlich gemacht worden.
Das Debakel um die Airline hat denn auch der Bank geschadet: Mit der Swissair habe die Bank einen grossen institutionellen Kunden verloren, sagte Konzernchef Peter Wuffli. Er habe Gelder im Umfang von 300 Mio. Franken von UBS-Konten abgezogen. Zudem habe eine Reihe von kleinen Kunden ihre Konten bei UBS geschlossen. Der Umfang betrage knapp eine halbe Milliarde Franken.
Besser als die Konkurrenz
Trotz Einbruch präsentiert sich der UBS-Abschluss deutlich höher als die Zahlen der Konkurrenz.
Die Credit Suisse Group (CSG) musste Ende Januar einen Gewinn-Einbruch von über 70% melden und rechnet noch mit einem Gewinn von 1,6 Mrd. Franken. Verantwortlich dafür ist vor allem der 1,6 Mrd. Franken Reinverlust der krisengeschüttelten Investment-Bank CSFB, welcher das Mutterhaus verkraften musste.
Auch die Deutsche Bank, grösstes Finanzhaus in Deutschland, musste ihren Gewinn zurückschrauben: von 6,9 Mrd. Euro im Jahr 2000 auf 1,8 Mrd. Euro im vergangenen Jahr.
Nettozufluss an Neugeldern
Vor Goodwill-Abschreibungen und bereinigt um finanzielle Sonderfaktoren des Vorjahrs nahm der Reingewinn um 28% auf 6,29 Mrd. Franken ab. Im Jahr 2001 betrugen die Wertberichtigungen für Kreditrisiken 498 Mio. Franken. Im Vorjahr war noch eine Auflösung in Höhe von 130 Mio. Franken vorgenommen worden.
Der Nettozufluss an Neugeldern beträgt 102 Mrd. Franken. Das verwaltete Gesamt-Vermögen betrug zum Jahresende 2’457 Mrd. Franken. Das ist praktisch gleich viel wie Ende 2000.
Trübe Aussichten
Die Aussichten werden von der UBS zurückhaltend beurteilt. Die starke Unsicherheit an den Märkten und die damit verbundene Zurückhaltung der Investoren dürften die Geschäfts-Aktivitäten weiter beeinträchtigen.
Mit einer konjunkturellen Erholung sei erst im späteren Verlauf dieses Jahres zu rechnen, teilte die UBS weiter mit. Damit sei das Potenzial für eine Ergebnissteigerung im Jahr 2002 begrenzt.
Börse reagiert erfreut
Bei der Finanzgemeinde stiessen die Resultate auf Anklang. Der Aktienkurs stieg zeitweise um über fünf Prozent und kletterte über die 80-Franken-Marke.
Die UBS kündigte weiter die Fortsetzung ihrer Aktienrückkäufe an. Es sollen Titel im Gesamtwert von bis zu 5 Mrd. Franken zurückgekauft werden.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch