Vier Stunden Streik in Genf-Cointrin
Rund 150 Angestellte der Swissair Group in Genf-Cointrin haben gestreikt. Sie protestierten gegen die fehlenden Sozialpläne. Von der Crossair kam Kritik.
Die streikenden Angestellten hatten sich am Dienstag-Morgen unter der Regie der Gewerkschaft VPOD in der Abflughalle des Flughafens Cointrin versammelt. Der Entscheid zum vierstündigen Ausstand war am Montag bei einer Personal-Versammlung gefallen.
Die Streikenden blockierten in Genf die Ein- und Ausgänge zu den Rollpisten. Nachdem sie bemerkten, dass die Flughafen-Direktion die Passagiere auf anderen Wegen zu den Maschinen führte, störten sie den Flugbetrieb auch direkt auf der Piste.
Crossair-Maschinen blockiert
Eine Crossair-Maschine, die um 10.00 Uhr nach Stuttgart hätte fliegen sollen, wurde am Abflug gehindert. Die Polizei war kurzfristig auf den Plan getreten, zu einer Eskalation kam es jedoch nicht. Neben der Stuttgart-Maschine wurden weitere Crossair-Flugzeuge am rechtzeitigen Start gehindert.
Streikende Angestellte fuhren zudem mit Lieferwagen vor die Flugzeuge, um das Ausladen von Gepäck zu verhindern. Auch hinderte das protestierende Personal Passagiere an der Gepäckaufgabe.
Rund 100 Passagiere betroffen
Von den Protest-Aktionen waren nach Angaben des Flughafen-Sprechers rund 100 Passagiere betroffen. Sie mussten sich in Flugzeugen oder im Flughafen gedulden.
Drei Flüge, die kurz nach 08.00 Uhr hätten starten sollen, wurde von der Crossair etwas vorverschoben, um dem Streik zu entgehen. Während des Ausstands landete keine Crossair-Maschine in der Rhonestadt. Gegen zehn Crossair-Flüge mussten Verspätungen von 20 bis 90 Minuten hinnehmen.
Anders als die Westschweizer hatte das Personal in Zürich am Montag noch auf die Ausrufung eines Streiks verzichtet. Von den Kapitalgebern erwarten die Gewerkschaften aber bis Ende November eine Zusage zur Finanzierung der Sozialpläne. Ansonsten steht auch hier eine Streikdrohung im Raum.
Crossair: «Schlecht für Phoenix»
Die Crossair verurteilte den Genfer Streik in einer Stellungnahme und lehnte eine Beteiligung an der Finanzierung der Sozialpläne erneut ab. Mit solchen Aktionen werde das Kundenvertrauen erschüttert und der Aufbau des Projektes Phoenix gefährdet, teilte die Fluggesellschaft mit.
Sie habe volles Verständnis für die Anliegen der betroffenen Arbeitnehmer. Crossair sei aber für den Niedergang der Swissair Group nicht verantwortlich. Sie lehne daher auch eine Beteiligung an der Finanzierung der Sozialpläne ab. Die Erweiterung der Crossair im Rahmen des Projektes Phoenix sei keine Betriebs-Übernahme, sondern der Ausbau eines bestehenden Unternehmens.
In Genf wolle man die Verkaufs-Abteilung ausbauen. Den Swissair-Group-Gesellschaften SR Technics, Swisscargo, Cargologic und Gate Gourmet sei eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit unterbreitet worden.
Derweil gab die Swissair bekannt, dass sie ihre Flugzeuge wieder besser fülle. Seit dem Tief vom Oktober, als die Maschinen fast leer blieben, stieg die Sitzauslastung wieder auf mehr als 45%. Auch bei der Crossair zeigt die Kurve nach oben.
Die Swissair zeigte sich zuversichtlich, dass sie die vom Bund gesteckten Ziele – garantierte Ticket-Einnahmen von 750 Mio. Franken bis Ende März – erfüllen kann. «Das Geschäft belebt sich, die Kunden glauben wieder an uns», erklärte der für die Swissair-Preispolitik zuständige Guido Ruther vor den Medien.
Falls die Swissair die Forderungen des Bundes nicht erreichen kann, dürfte die Milliarden-Spritze des Bundes nicht ausreichen, um das Überleben der Swissair bis zur Integration der Langstrecken-Flüge in die «neue Crossair» zu sichern.
Zur positiven Auslastung beitragen dürfte auch der Umstand, dass der Schweizerische Reisebüro-Verband die Reisebüros aufgefordert hat, Swissair-Tickets ab sofort wieder uneingeschränkt und ohne die so genannte Enthaftungs-Erklärung zu verkaufen.
Auf reges Interesse stösst nach Crossair-Angaben die Internetseite zum Projekt Phoenix. Sie habe sich als gut genutztes Hilfsmittel für die Koordination zwischen Swissair und Crossair etabliert. Besonders beliebt seien Online-Chats mit Crossair-Chef André Dosé.
swissinfo und Agenturen
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