Vom Angestellten zum Unternehmer
Bei kaufmännischen Angestellten rückt reines Fachwissen in den Hintergrund. Eigen-Verantwortung und Teamgeist sind vermehrt gefordert.
Das Berufsbild im kaufmännischen Bereich hat sich vom Büro-Angestellten zum Unternehmer in eigener Sache gewandelt, wie die am Mittwoch vorgestellte Studie des Schweizerischen Instituts für Betriebsökonomie Zürich-Stettbach (SIB) zeigt.
Gefragt seien heute Leute mit fachlich breiter Ausbildung, mit Eigen-Verantwortung und Teamfähigkeit, sagte Michèle Rosenheck vom SIB an einer Medien-Orientierung in Zürich.
Leute, die lange im gleichen Betrieb die gleiche Arbeit erledigt haben, hätten auf dem Arbeitsmarkt mehr Mühe, als jene, die in der Berufswelt breitere Erfahrungen und Fähigkeiten auszuweisen haben.
Veränderung in der Berufswelt
Das Wettbewerbs-Umfeld der Unternehmen habe sich in den vergangenen Jahre markant verändert, begründet Rosenheck die Veränderung. Durch Rationalisierungen gibt es weniger Routinearbeit, die Auslagerung von Geschäfts-Bereichen erhöht den Kommunikations-Bedarf, die internationale Ausrichtung erfordert weitergehende Sprach-Kenntnisse und den Umgang mit modernen Kommunikations-Mitteln.
Fortwährende Weiterbildung und Neuorientierung würden deshalb für die Arbeitnehmer immer wichtiger, folgerte Wolfram Meierhöfer vom SIB. Die Anforderungen an kaufmännische Angestelle würden zurückgeführt zu den ursprünglichen Fähigkeiten eines Kaufmanns, einer Kauffrau.
SKV fordert Weiterbildung
Die Arbeitgeberseite lege das Schwergewicht bei der Aus- und Weiterbildung der Beschäftigten auf die Betriebs-Tauglichkeit. Die Arbeitnehmerseite sollte eine Berufsbildung zur Verbesserung der Arbeitsmarkt-Fähigkeit anstreben, heisst es. Aktivitäten seien auf beiden Seiten gefordert.
Die härtere Wettbewerbs-Situation auf dem Arbeitsmarkt und der Wandel in der Wirtschaft führten dazu, dass Arbeitsplätze noch weniger garantiert sein werden als bisher, sagte Edi Class, Generalsekretär des Schweizerischen Kaufmännischen Verbandes (SKV), der die Studie in Auftrag gegeben hat. Der Ausbildungsstand des Arbeitnehmers werde entscheidend sein.
Für die Weiterbildung brauche es einerseits die Initiative der Beschäftigten, andererseits müsse der Arbeitgeber den zeitlichen, organisatorischen und finanziellen Spielraum ermöglichen, hiess es.
Ziel sei es, durch Gesamtarbeits-Verträge die Arbeitgeber zu verpflichten, für ihre Arbeitnehmer die Arbeitsmarkt-Fähigkeit sicher zu stellen, sagte Class.
Die Studie und die daraus entwickelten Instrumente dienen dem SKV zur Standort-Bestimmung der Beschäftigten sowie dem Verband als Wegweiser über die Ausbildungs-Erfordernisse. Der Wandel und die zukünftig gefragten Qualifikationen seien schlecht voraussehbar. Der Forschungs-Auftrag wird auch in Zukunft weitergeführt.
swissinfo und Agenturen
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