Wachstumsimpulse durch Sturmschäden – negative Folgen für Tourismus
Die Behebung der Milliardenschäden des Weihnachtsorkans "Lothar" gibt Teilen der Wirtschaft einen zusätzlichen Wachstumsimpuls. Profitieren dürften vor allem Bau- und Holzwirtschaft, wie eine Umfrage zeigte.
Die Behebung der Milliardenschäden des Weihnachtsorkans «Lothar» gibt Teilen der Wirtschaft einen zusätzlichen Wachstumsimpuls. Profitieren dürften vor allem Bau- und Holzwirtschaft, wie eine Umfrage zeigte.Wegen negativer Folgen für den Tourismus wird aber ein geringer Impuls fürs BIP erwartet.
Für den Konjunkturexperten Andreas Höfert von UBS Warburg ist ein kleiner positiver Effekt für das Wirtschaftswachstum wahrscheinlich. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) habe letztes Jahr wegen der Beseitigung der Lawinenschäden auf ein Quartal um 0,1 bis 0,2 Prozent zugenommen, sagte er. Auch der Ökonom Joachim Schütz von der Credit Suisse Group geht von Einflüssen der Orkanschäden auf das BIP aus. Wie weit sich die positiven und negativen Wirkungen allerdings aufhöben, sei noch nicht klar, sagte er unter Verweis darauf, dass die Baubranche zwar profitiere, der Tourismus aber zur umsatzstärksten Jahreszeit offenbar Einbussen erlitten habe.
«Lothar» könnte mittelfristig insofern positiv wirken, als in der Gesellschaft die Bereitschaft zu einer vorausschauenden Diskussion über die Folgen der globalen Erwärmung steigen könnte, sagte Schütz.
Andere Ökonomen teilten zwar die Meinung, dass die Beseitigung der Orkanschäden für einzelne Wirtschaftszweige ziemlich positive Auswirkungen haben könnte. Wie stark die Impulse letztlich seien, werde aber wohl erst in ein paar Monaten ersichtlich. Einig waren sich die Befragten darin, dass die Reparatuarbeiten kaum einen Einfluss auf die Beschäftigungslage hätten. Allenfalls gebe es örtlich und zeitlich beschränkt mehr Arbeit, hiess es.
Beim Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) wird nicht erwartet, dass das Bauhauptgewerbe besonders stark von den Orkanschäden profitieren wird. «Die Sturmschäden lösen nicht besonders viel Baumeisterarbeiten aus», sagte SBV-Sprecher Rene P. Müller auf Anfrage. Er verwies darauf, dass nur einzelne Wohnhäuser und andere Gebäude durch umstürzende Bäume und Kranen zerstört oder beschädigt worden seien. Hingegen wird laut Müller das Baunebengewerbe stark von «Lothar» profitieren können: Dachdecker und Glaser haben alle Hände voll zu tun mit der Reparatur beschädigter Dächer und eingedrückter Fenster. Auch die Holz verarbeitende Wirtschaft dürfte laut Müller mehr Arbeit erhalten: «Zahlreiche Scheunen und Ställe sowie viele Dachstöcke müssen beispielsweise von den Zimmerleuten wieder aufgerichtet werden», sagte er.
Festtagsgeschäft der Bergbahnen vermasselt
Im Tourismus litten vor allem die Bergbahnen unter den Folgen des Orkans. Eine Umfrage des Bündner Tourismusverbands Graubünden Ferien hatte für die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage einen Umsatzrückgang um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bei den Bergbahnen ergeben. Bei den Frequenzen machte der Einbruch sogar 27 Prozent aus. Viele Tagesausflügler seien zu Hause geblieben, hiess es. Die Hotellerie meldete umgekehrt gute Geschäfte über die Festtage. Im Tourismus hofft man angesichts der guten Schneeverhältnisse zudem, dass das Januarloch weniger gross wird als in früheren Jahren.
SRI und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch