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Weg mit dem Doppelmandat

Lukas Mühlemann will ab nächstem Jahr nur noch als CEO amtieren. Keystone Archive

Lukas Mühlemann tritt als Verwaltungsrats-Präsident der Credit Suisse Group ab und konzentriert sich auf die Konzernleitung. Börse und Analysten reagierten skeptisch.

Weder die strategischen noch die Ertragsprobleme seien dadurch gelöst, lautete der Tenor der Analysten am Tag nach der Ankündigung der Bank. In einem starken Gesamtmarkt blieb CSG-Aktie am Donnerstag nur leicht im Plus.

Der Rücktritt Mühlemanns als Verwaltungsrats-Präsident soll auf die Generalversammlung 2003 erfolgen. Die Credit Suisse Group (CSG) geht in ihrem am Mittwochabend veröffentlichten Communiqué nicht auf das angeschlagene Image von Mühlemann ein.

Der bei vielen Börsianern in Ungnade gefallene Mühlemann habe vielmehr dem Verwaltungsrat selbst vorgeschlagen, «das Doppelmandat von Verwaltungsrats-Präsident und CEO zu trennen, da das weiterhin anspruchsvolle Umfeld seine volle Aufmerksamkeit als CSG-Geschäftsführer erfordere.»

Nach Agenturberichten soll die nötig gewordene Kapitalspritze von 1,7 Mrd. Franken für die CSG-Versicherungstochter Winterthur das Fass möglicherweise zum Überlaufen gebracht haben.

Das Comeback von Grübel

Zur Suche eines Nachfolgers als Verwaltungsrats-Präsident habe das Aufsichtsgremium ein Komitee unter der Leitung von Novartis-Chef Daniel Vasella eingesetzt, heisst es im offiziellen Communiqué.

Auf der Teppich-Etage des zweitgrössten Schweizer Finanzdienstleisters kommt es zu einem weiteren Sesselrücken: Thomas Wellauer, Chef der Credit Suisse Financial Services, zu der auch die Winterthur gehört, verlässt per Ende September die Gruppe.

Damit verlieren die beiden früheren Manager des Beratungs-Unternehmens McKinsey beim CSG-Konzern deutlich an Macht. Wellauer, der früher auch Chef der Winterthur war, habe sich selbst zum Abgang entschieden, hiess es seitens der CSG.

An die Stelle von Wellauer tritt der 59 Jahre alte Oswald J. Grübel. Damit feiert ein Mann ein Comeback, der letzten Herbst die Credit Suisse verlassen hatte, weil der nach einer Restrukturierung Wellauer unterstellt worden wäre.

Der gebürtige Deutsche war 1988 von der Deutschen Bank zur damaligen SKA gekommen. Grübel hatte das Private Banking, das Vermögensverwaltungs-Geschäft, überaus erfolgreich geleitet und war bei seinen Mitarbeitern beliebt. Die Sparte Financial Services erwirtschaftet mehr als die Hälfte des Konzerngewinns und beschäftigt rund 50’000 Personen.

Verlustwarnung

Zusätzliche Wertminderungen auf Kapitalanlagen im Versicherungsbereich hätten die CSG ausserdem dazu gedrängt, für das erste Halbjahr 2002 eine Verlustwarnung abzugeben. Die Gruppe erwarte auch auf Grund weiterer Wertminderungen auf der Beteiligung an der Rentenanstalt/Swiss Life «einen geringen Reinverlust oder ein knapp ausgeglichenes Resultat».

Da die CSG im ersten Quartal 2002 einen Reingewinn von 368 Mio. Franken auswies, bedeutet diese Prognose , dass für das zweite Quartal mit einem Reinverlust von mindestens 350 Mio. Franken zu rechnen ist.

Die CSG will nach eigenen Angaben bis zur GV Ende April des nächsten Jahres einen neuen Präsidenten gefunden haben. Dem dreiköpfigen Such-Komitee gehören Novartis-Chef Daniel Vasella, Swiss Re-Chef Walter Kielholz und Marc-Henri Chaudet an. Damit ist das Gerücht, Kielholz könnte VR-Präsident der CSG werden, gegenstandslos geworden.

Zahlreiche Flecken im Reinheft

Mühlemann war von der Spitze von McKinsey (Schweiz) auf den Chefsessel der Schweizer Rück (Swiss Re) gewechselt und nahm dann 1997 die Fäden bei der CSG in die Hand. Nach nur acht Monaten brachte er die Winterthur in die CSG. Seit 2000 hat er das Doppelmandat inne, das unter anderem von den Aktionären an der GV Ende Mai heftig kritisiert worden war.

Der ehemalige «Top shot» steht aber auch wegen der sinkenden Aktienkurse des Finanzdienstleistungs-Konzerns unter Druck. Die CSG- Papiere sind seit Anfang Januar um rund ein Drittel eingebrochen. Der Reingewinn der CSG sank 2001 um 73 Prozent auf 1,59 Mrd. Franken.

Zu wenig Freude Anlass geben auch die mageren Resultate der Credit Suisse First Boston (CSFB). Die Investmentbank wird restrukturiert – begleitet von einem massiven Stellenabbau.

Tief in den Geldbeutel greifen musste die CSG auch im Zusammenhang mit dem Bankrott des US-Energiegiganten Enron. Missbilligt wurde zudem Mühlemanns Engagement als Verwaltungsrat bei der in die Schlagzeilen geratenen argentinischen Banco General de Negocios (BGN).

Vor wenigen Tagen waren auch seine Büros wegen seiner Rolle als Verwaltungsrat der bankrotten SAirGroup durchsucht worden.

swissinfo und Agenturen

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