Wenn Deutschlands Wirtschaft niest…
...hat die Schweiz Fieber! Das deutsche Brutto-Inlandprodukt wuchs 2001 nur noch um 0,6%. Und die Arbeitslosen-Quote Deutschlands erreicht bald 10%.
Das Brutto-Inlandprodukt (BIP) Deutschlands ist im vergangenen Jahr so langsam gewachsen wie seit 1993 nicht mehr. Im Vergleich zum Vorjahr legte das BIP gemäss den neuesten Schätzungen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden nur um 0,6% zu. Im Vorjahr hatte die Wachstumsrate noch 3% betragen.
Weniger Wachstum, mehr Arbeitslose
Auch der Staat verschuldet sich in Deutschland immer mehr, und die Arbeitslosen-Rate tendiert gegen 10%. In der Schweiz wurde im vergangenen Dezember nicht zuletzt wegen der Swissair eine erhöhte Arbeitslosenquote von 2,4% ausgewiesen.
Doch in Deutschland erklomm sie am Jahresende 9,6%. Und in Frankreich hilft auch die 35-Stunden-Woche nicht, die Arbeitslosen-Quote zu drücken. In Deutschland erwartet man wegen der schwachen Konjunktur, dass die Zahl der Arbeitslosen diesen Monat die 4-Mio-Grenze durchbricht.
Grösster Handelspartner der Schweiz
Die ersten Wachstums-Schätzungen des deutschen BIP fürs laufende Jahr sind auch für die Schweiz bedeutungsvoll. Ist doch Deutschland der grösste Handels- und Dienstleistungspartner der Schweiz. Im Jahr 2000 exportierte die Schweiz Waren für rund 28 Mrd. Franken nach Deutschland, der Konjunktur-Lokomotive Europas.
Aus Deutschland führten wir Waren für rund 40 Mrd. Franken aus Deutschland ein. Zum Vergleich: Nach Frankreich, ebenfalls einem dominanten Handelspartner, führt die Schweiz mit etwa 11 Mrd. Franken Exporten nicht einmal die Hälfte soviel Waren aus.
Im Export liegen die Hoffnungen
Meistens sind die ersten Erholungen an der schweizerischen Konjunkturfront in den Exporten auszumachen. Ein robuster Inlandkonsum mag jeweils die Konjunktur noch so stützen – doch der eigentlich (Wieder-)Aufschwung kommt traditionell von aussen – über die Zunahme der Ausfuhren. Dieses Szenario wird nun durch die schwachen Aussichten in Deutschland vorderhand in Frage gestellt.
Seit Mitte des letzten Jahres – also noch vor dem New Yorker Terroranschlag – waren in der Schweiz die Exporte erstmals wieder zurückgegangen. Noch befindet sich die Schweiz nicht in einer Rezession, da die Wachstumsraten stagnieren, aber nicht negativ sind.
Die Prognosen einer leichten Erholung für den zweiten Teil des laufenden Jahres könnten sich als verfrüht entpuppen, wenn die deutsche Konjunkturmaschine nun stottert statt wieder anspringt.
Kanzlerwahlen stehen an
Bis zu den Bundeskanzler-Wahlen sind es noch 8 Monate, und der jetzige Amtsinhaber Gerhard Schröder wird vom CSU-CDU-Kandidaten Edmund Stoiber gehörig unter Druck gesetzt. Die durchschnittliche EU-Arbeitslosenquote betrug im vergangenen Jahr 8,2%, die schweizerische 1,9%.
Alexander P. Künzle und Agenturen
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