«Wir wollen Arbeit!»
Bundesrat Pascal Couchepin hat am Freitag in Gossau Behördenvertreter und eine Delegation der dortigen Swiss Dairy Food getroffen, die vor der Schliessung steht.
Rund 300 Personen demonstrierten gegen die Massenentlassungen in der Ostschweiz.
Angestellte von Swiss Dairy Food (SDF), NAW Nutzfahrzeug AG und Landwirte empfingen Couchepin vor dem Gossauer Rathaus. «Wir wollen Arbeit!», skandierten sie.
Gewerkschafter und Bauernvertreter kritisierten die Wirtschaftspolitik des Bundesrats und überreichten ihm einen symbolischen Kaktus.
«Schlechtwetterlage»
Der Wirtschaftsminister ergriff danach selbst das Megafon und verteidigte die Schweizer Wirtschaftspolitik, die im europäischen Vergleich erfolgreich sei – auch in der gegenwärtigen «Schlechtwetterlage».
Er nehme die gegenwärtigen Probleme der Ostschweiz ernst, sagte Couchepin. «Jeder Arbeitslose ist zu viel.»
In Gossau führte Couchepin Gespräche mit dem St. Galler Regierungsrat Josef Keller, Vertretern des kantonalen Arbeitsamts, Mitgliedern der Personalkommission von SDF und dem Gossauer Stadtpräsidenten Alex Brühwiler.
150 Personen betroffen
Die auseinander fallende Swiss Dairy Food (SDF) schliesst auf Ende November ihre Milchabfüllung in Gossau. 120 Angestellte haben die Kündigung erhalten. Insgesamt sind laut SDF 150 Personen von der Schliessung der Milchabfüllung betroffen. Weitergeführt wird die Käse-Vorverpackung in Gossau.
Der Zusammenbruch von SDF bedeutet für 700 Bauern in St. Gallen und den beiden Appenzell, dass sie neue Abnehmer für jährlich gegen 70 Millionen Kilogramm Milch finden müssen.
An einer Medienkonferenz warb Couchepin anschliessend für die geplante Revision des Arbeitslosenversicherungsgesetzes, die am 24. November zur Abstimmung kommt.
Treffen mit Thurgauer Regierungsrat Koch
Danach reiste Couchepin nach Arbon weiter. Dort sprach er mit dem Thurgauer Regierungsrat Bernhard Koch über die angekündigte Schliessung des Nutzfahrzeugherstellers NAW (Nachfolgerin der Saurer) und die drohende Entlassung von bis zu 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Laut einer Mitteilung der NAW-Arbeitnehmervertretung vom Donnerstag haben der NAW-Verwaltungsrat und die Gesellschafter Vorschläge der Gewerkschaften zur Weiterführung des Betriebs in Arbon abgelehnt.
Einziges positives Signal sei, dass die NAW-Geschäftsleitung ein mögliches Nachfolgeunternehmen mit 70 Beschäftigten in Aussicht gestellt habe, heisst es. Eine Petition gegen die Schliessung des Betriebs in Arbon wurde innert weniger Tage von 10 000 Personen aus der Region unterzeichnet.
Die Gewerkschaften kritisierten, ihre Vorschläge seien zu wenig geprüft worden. Sie wollen weiter für den Erhalt des Werkes kämpfen.
NAW bleibt teilweise erhalten
Zwei Teile des Unternehmens sollen allerdings weitergeführt werden. Dies betreffe einerseits das Engineering, andererseits die eigenständigen Produktbereiche. Als Beispiel nannte der Verwaltungsrat den serienmässigen Umbau von Standard-Personenwagen zur behindertengerechten Nutzung.
Die Weiterführung der beiden Bereiche werde von einer Arbeitsgruppe, der auch NAW-Mitarbeiter angehörten, geprüft und konkretisiert. Die Chancen für einen erfolgreichen Neustart mit rund 70 Mitarbeitern seien als intakt zu beurteilen.
Der Verwaltungsrat versicherte weiter, dass die restlichen Mitarbeiter so gut wie möglich unterstützt würden. Es seien bereits Erfolg versprechende Gespräche mit der lokalen Industrie geführt worden. Zudem stünde Geld für einen Sozialplan zur Verfügung.
Die NAW-Mehrheitsaktionärin Sachsenring Automobiltechnik AG war vor gut einem halben Jahr Konkurs gegangen. Die Firma hatte im Februar 2000 vom DaimlerChrysler-Konzern die Mehrheit an NAW übernommen.
swissinfo und Agenturen
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