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Forscher entwickeln neue Waffe gegen HIV

Indische Lastwagen-Fahrer schauen sich eine Dia-Schau an, die auf die Aids-Gefahren aufmerksam macht. Keystone

Forscher in Genf haben ein neues Molekül entwickelt, das die Übertragung des HI-Virus beim Geschlechtsverkehr verhindern soll.

Dieser Inhalt wurde am 14. Oktober 2004 - 21:13 publiziert

Das Molekül zeigte sich bei Affentests als wirksames Mikrobizid. Tests mit Menschen sollen nächstes Jahr beginnen.

Forscher der medizinischen Fakultät der Universität Genf haben ein neues Molekül entdeckt, das ähnlich wie ein Präservativ eine Ansteckung mit dem HI-Virus - und damit die Gefahr von Aids - verhüten soll. Das synthetische Protein muss in Form von Salbe oder Schaum auf die Schleimhaut der Geschlechtsorgane aufgetragen werden.

Die neuen Erkenntnisse der Genfer Forscher wurden am Freitag vom US-amerikanischen Wissenschaftsmagazin "Science" veröffentlicht.

Molekül als Mikrobizid einsetzbar

Das Molekül mit der Bezeichnung PSC-Rantes ist in Genf über einen Zeitraum von sieben Jahren entwickelt worden. Was PSC-Rantes für den medizinischen Einsatz beim Menschen so brauchbar macht, ist der Umstand, dass es als Mikrobizid eingesetzt werden kann.

Die Bezeichnung Mikrobizid bezieht sich auf eine weite Palette von Produkten, die in der Vagina aufgetragen werden und deren allgemeine Funktion es ist, die Infektion mit HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten zu verhindern.

Die verschiedenen Mikrobizide arbeiten mit sehr unterschiedlichen Mechanismen. Erreger von HIV und anderen Geschlechtskrankheiten greifen den Körper auf viele verschiedene Arten an.

Erstmals Verhütung durch ein biologisches Mittel

Ein wirkungsvolles Mikrobizid bekämpft Infektionen, indem es diese Angriffe in einem oder mehreren Schritten im Prozess stoppt.

Bisher haben die Forscher das Mikrobizid in einem Labor in Louisiana in den Vereinigten Staaten an Affen getestet. "Meines Wissens ist es das erste Mal, dass ein biologisches Mittel in einem Experiment mit Affen alle am Test beteiligten vor der Virus-Infektion geschützt hat", sagt der Projektverantwortliche Robin Offord.

Laut Offord wäre nun der nächste Schritt, dieses Molekül oder eine verbesserte Form davon auf die Verträglichkeit mit Menschen zu testen.

Eignung für die Dritte Welt

Anders als beim Präservativ können Frauen über den Einsatz des neuartigen Schutzmittels selbst entscheiden und es auch selbst anwenden. Deshalb sind sich laut Angaben der Universität Genf immer mehr Spezialisten einig, dass die Mikrobizide vor allem in der Dritten Welt entscheidend zur Verminderung der Aids-Ausbreitung beitragen können.

Das Team um Offord hofft auf eine solche Verminderung, denn 95% aller Ansteckungen geschehen in der Dritten Welt. Einer der Hauptgründe dafür liege in der Weigerung der Männer, Kondome zu benutzen, so Offord.

Am besten: Kondom und Mikrobizid



Ein wirksames Mikrobizid könnte es Frauen erlauben, sich gegen HIV-Ansteckungen abzusichern, auch wenn ihre Partner kein Kondom benutzen. "Das Mikrobizid hat die Frau besser unter Kontrolle als den Mann", konstatiert Offord gegenüber swissinfo.

"Ob das Kondom zum Einsatz kommt oder nicht, wird unter Partnern oft erst ausgehandelt. Doch bleiben diese Verhandlungen gerade in der Dritten Welt vielfach erfolglos, da die Frauen dort ohnehin nicht viel über ihre eigene Sexualität zu entscheiden haben," sagt der Professor.

Der beste Schutz, so Offord, bestünde im kombinierten Gebrauch von Kondom und Mikrobizid.

Vielversprechender Forschungsansatz

Laut Giuseppe Pantaleo ist die Forschung um das PSC-Rantes-Molekül vielversprechend. Pantaleo, Direktor der Immunologie-Abteilung des Lausanner Universitäts-Spitals, gehört in der Schweiz zu den Spitzenforschern in Sachen Aids-Impfung. Er sagt auch, dass auf diesem Forschungsgebiet viel Arbeit geleistet worden sei, und dass es schnell wachse.

"Das Produkt verdient wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit in der klinischen Entwicklung", so Pantaleo. "In dieser Richtung muss man weiterforschen."

Herausforderung betreffend Dosierung und Kosten



Laut Offord könnten die Tests mit Menschen in einem Jahr beginnen. Das Team werde auch darauf achten, die Kosten zu reduzieren und die Dosierung der Substanz gering zu halten.

Ursprünglich wollte man ein sehr wirksames Produkt, aber kleine Dosierungen. Diese Kombination hätte das Mittel in der Dritten Welt günstiger werden lassen. Doch in den Tests bisher mussten höhere Mengen verwendet werden.

Man werde sich deshalb daran machen, die Sicherheit des Produkts zu testen, und gleichzeitig die Dosierung und damit auch die Kosten zu senken, so Offord.

Das brauche jedoch seine Zeit. Der Projektverantwortliche rechnet mit "etlichen Jahren", bevor eine erste Mikrobizid-Version auf den Markt komme.

swissinfo, Isobel Leybold-Johnson
(Adaptiert aus dem Englischen von Alexander Künzle)

Fakten

Weltweit leben rund 38 Millionen mit dem HI-Virus.
Zwei Drittel davon leben in Afrika, südlich der Sahara.
Südafrika hat mit rund 5 Millionen die weltweit grösste Zahl von Infizierten.
Botswana und Swaziland haben den höchsten Anteil an HIV-positiver Bevölkerung.

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