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Nur wenige Prostituierte in NRW melden sich an.

Heute in der Schweiz

Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland

Prostituierte, Bauarbeiter, Hausangestellte: Diese Frauen und Männer bleiben oft unsichtbar. Doch jedes Jahr werden in der Schweiz Hunderte Menschen ausgebeutet und zur Prostitution, zur Arbeit oder zum Betteln gezwungen.

Hinter den heute veröffentlichten Zahlen verbergen sich tragische Schicksale. Dennoch tut sich die reiche Schweiz schwer damit, Opfer zu identifizieren und die Verantwortlichen dieser Form moderner Sklaverei zur Rechenschaft zu ziehen.

Gute Lektüre

Plakat gegen Menschenhandel
Im vergangenen Jahr wurden 532 Opfer von Menschenhandel von Hilfsorganisationen betreut. Keystone

Die Schweiz tut sich nach wie vor schwer damit, Täter:innen von Menschenhandel zu verurteilen. Anlässlich des Internationalen Tages gegen Menschenhandel warnen mehrere Hilfsorganisationen vor dem anhaltenden Ausmass des Problems in der Schweiz.

Sexuelle Ausbeutung und Arbeitsausbeutung fordern weiterhin zahlreiche Opfer. 2025 wurden 532 Betroffene, mehrheitlich Frauen, von Hilfsorganisationen betreut. Die Opfer stammen aus 79 Ländern, besonders viele aus Kolumbien, Nigeria und Brasilien.

Trotz dieser Realität bleiben Verurteilungen selten. Während 2025 87 Strafverfahren liefen, fällt die Schweiz seit Einführung des Straftatbestands vor zwanzig Jahren im Schnitt nur rund zehn rechtskräftige Urteile pro Jahr wegen Menschenhandels.

Die Schweizer Plattform gegen Menschenhandel, ein Zusammenschluss mehrerer Schweizer NGOs, beklagt, dass viele Opfer nie Gerechtigkeit erfahren und zahlreiche Täter:innen straffrei bleiben. Sie kritisiert zudem mangelnde Sensibilisierung der Strafjustizbehörden und bemängelt, dass Artikel 182 des Strafgesetzbuchs die Tatbestandsmerkmale unzureichend definiert. Daher begrüsst sie den Willen des Bundesrats, diesen zu revidieren.

Zur Tatzeit war sie minderjährig: Paula L. und ihre Mutter Iwona L. vor dem Gemeindehaus Untersiggenthal.
Paula L. war zum Zeitpunkt der Taten minderjährig. Tages-Anzeiger via RTS

Die Aargauer Behörden vollziehen eine Kehrtwende im Fall von Iwona L. und ihrer Tochter Paula. Der Kanton ist der Ansicht, dass die beiden Opfer von sexuellem Missbrauch durch einen ehemaligen SVP-Grossrat von ihrer Gemeinde finanziell stärker hätten unterstützt werden müssen und nicht aus der Schweiz ausgewiesen werden sollten.

Ohne Lebensunterhalt nach der Verhaftung des ehemaligen Aargauer Grossrats, der sie unter Drogen gesetzt und missbraucht haben soll, hätten Iwona und Paula L. Anspruch auf ordentliche Sozialhilfe gehabt – nicht nur auf minimale Nothilfe. Das hat das kantonale Departement Gesundheit und Soziales wenige Tage nach der medialen Berichterstattung entschieden, wie Der Bund berichtet. Die beiden Frauen erhalten nun rückwirkend die ihnen zustehenden Zahlungen.

Auch das kantonale Migrationsamt hat seine Meinung zum Aufenthaltsrecht der beiden Opfer geändert. Nachdem es zunächst beschlossen hatte, sie des Landes zu verweisen, ist es nun bereit, ihnen eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen – mit Verweis auf einen «schwerwiegenden persönlichen Härtefall». Die Frage ist allerdings noch nicht abschliessend geklärt: Das Aargauer Verwaltungsgericht muss sich dazu äussern, danach landet der Fall beim Staatssekretariat für Migration.

Hat die Veröffentlichung der Leidensgeschichte der beiden Frauen die Wende gebracht? Das kantonale Migrationsamt weist das zurück. Es versichert, sein Vorgehen «richtet sich nach den rechtlichen und tatsächlichen Grundlagen des Falls, medialer Druck war und ist nicht handlungsweisend». Allerdings fiel der Entscheid zwei Stunden nach der Publikation der Artikel.

Frankreich Flagge
Angesichts der anhaltend steigenden Immobilienpreise und Mieten sind immer mehr Westschweizer:innen bereit, nach Frankreich zu ziehen. Keystone / Jean-Christophe Bott

Immer mehr Westschweizer:innen sind bereit, ihre Koffer für Frankreich zu packen, um den hohen Wohnkosten zu entkommen. Das zeigt eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage des Vergleichsdiensts Comparis.

Laut der Umfrage suchen mehr als 92’000 Personen aktiv nach einer Wohnung im benachbarten Frankreich. Bei der letzten Umfrage vor gut einem Jahr waren es noch rund 50’000. Hauptgrund für das Interesse bleiben die deutlich niedrigeren Wohnkosten jenseits der Grenze.

Das Umzugsprojekt stösst allerdings auf mehrere Hindernisse. Die Befragten nennen vor allem die Entfernung zu Familie und Freunden. Auch die Pendelzeiten stellen eine wichtige Hürde dar: Vier von zehn Personen geben an, nicht bereit zu sein, ihren Arbeitsweg zu verlängern.

Die wachsende Attraktivität des benachbarten Frankreichs fällt in eine Zeit, in der der Schweizer Wohnungsmarkt erste Anzeichen einer Entspannung zeigt. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Studie von Wüest Partner dürfte der Rückgang der Leerwohnungen, der in den letzten fünf Jahren zu beobachten war, 2025 zum Stillstand kommen. Die Immobilienpreise steigen jedoch weiter: Im zweiten Quartal legten sie laut den ebenfalls am Donnerstag vom Bundesamt für Statistik veröffentlichten Zahlen um 0,7 Prozent zu.

Studio
Die Podcast-Hosts Camille Kündig und Claire Micallef sprechen mit ihren Gästen Heike Geiling und Katja Aegerter über das Leben als mitziehende:r Partner:in im Ausland. Swissinfo

Hören Sie die neue Podcast-Folge von «Ade merci, Schweiz»: Auswandern mit der Liebe – wenn eine Karriere den Weg vorgibt.

Wenn der Partner oder die Partnerin einen Job im Ausland annimmt, wandert oft die ganze Familie mit aus. Doch was bedeutet das für jene Person, die mitzieht – und dafür das eigene Leben in der Schweiz zurücklässt? 

In der neusten Folge unseres zweisprachigen Video-Podcasts «Ade merci, Schweiz» sprechen unsere Hosts mit ihren Gästen über Karrierebrüche, finanzielle Abhängigkeit und die Kunst, sich immer wieder neu zu erfinden.

Katja Aegerter schildert ihr Leben als mitreisende Partnerin eines EDA-Mitarbeiters. Ihre Stationen führten sie und ihre Familie nach Washington, Kirgistan und Nordmazedonien. Dabei musste sie ihre berufliche Laufbahn immer wieder neu denken – und wurde von der Übersetzerin zur Psychologin. Wo eine Erwerbstätigkeit nicht möglich war, nutzte sie die Zeit für Weiterbildungen, ehrenamtliche Arbeit und schliesslich ein Doktorat.

Zu Gast im Swissinfo-Studio ist zudem die interkulturelle Trainerin und Coach Heike Geiling. Als ehemalige «Trailing Spouse» kennt auch sie die Herausforderungen eines Lebens im Ausland. Sie erklärt, weshalb eine gute Vorbereitung entscheidend ist: von der Frage nach Arbeitsmöglichkeiten und sogenannten Spouse Packages der Arbeitgeber über Weiterbildungen bis hin zur finanziellen Absicherung. Dazu gehört auch, die Auswirkungen eines Auslandaufenthalts auf die Altersvorsorge frühzeitig zu klären. 

Die Folge zeigt, dass ein Auslandaufenthalt für mitreisende Partner:innen nicht zwingend Verzicht bedeuten muss. Wer die Zeit aktiv gestaltet, kann neue Perspektiven entwickeln, sich beruflich weiterentwickeln und gestärkt in die Schweiz zurückkehren.

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