Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Als ich letztes Wochenende mit dem Zug zum Ausgangspunkt meiner Wanderung fuhr, wurde in mehreren Gesprächen der Zustand der Wälder thematisiert. «Es sieht schon wie Herbst aus», bemerkte jemand. Die Bäume haben trübe Braun- und gedämpfte Grüntöne angenommen. In den Nachbarländern der Schweiz kämpfen die Menschen gegen Waldbrände – Folge der Hitze und Dürre, die weite Teile Europas im Griff haben.
Doch letztes Jahr kürzte Umweltminister Albert Rösti die Mittel für Massnahmen zum Schutz der Schweizer Wälder vor Hitze und Dürre. Die Situation sei damals eine andere gewesen, sagt er.
Sonnige Grüsse aus Bern
Wie reagiert das Schweizer Umweltdepartement auf den sich rasch verändernden Klimawandel? In einer heute veröffentlichten Interviewserie antwortete Umweltminister Albert Rösti auf Kritik an den Kürzungen beim Waldschutz, der Unterstützung für die Landwirtschaft und den Chancen der Schweiz, ihre Klimaziele für 2030 zu erreichen.
Im Jahr 2020 stellte das Parlament für einen Zeitraum von vier Jahren 100 Millionen Franken bereit, unter anderem um hitze- und dürreresistente Baumarten zu pflanzen. Am Wochenende berichtete die NZZ am Sonntag, dass Rösti die für das Bundesamt für Umwelt (Bafu) vorgesehenen Mittel ab 2027 aus dem Finanzplan des Bundes gestrichen habe.
Nun sagt Rösti in einem Interview mit Le Temps, er könne diesen Entscheid inhaltlich nicht mehr rechtfertigen und die Mittel seien weiterhin notwendig. «Man muss heute nur durch den Wald gehen, um die Folgen des Klimawandels zu sehen», sagte er. Er erklärte, die Kürzungen seien letztes Jahr im Rahmen schwieriger Budgetverhandlungen im Parlament vorgenommen worden und fügte hinzu, dass der Bund den Schweizer Wäldern nach wie vor jährlich rund 115 Millionen Franken zuweise.
In einem separaten Interview mit Le Temps räumte Rösti ein, die Schweiz werde Mühe haben, ihre Klimaziele für 2030 zu erreichen. Ein erheblicher Teil der erforderlichen CO2-Reduktionen müsse durch internationale CO2-Zertifikate erbracht werden, die teuer seien. «Ich sehe nicht, wie der Bund die zusätzlich erforderlichen 300 bis 400 Millionen Franken aufbringen könnte», sagte er.
Auf die Frage des Tages-Anzeigers, ob er den Klimawandel unterschätzt habe, antwortete der Bundesrat, er habe keinen so heissen Sommer erwartet. «Aber ich habe den Klimawandel nie infrage gestellt.»
Als Reaktion auf sich verändernde Sicherheitsbedrohungen überarbeitet die Schweizer Armee ihr Logistiksystem und stellt es auf ein dezentralisiertes, kampfbereites Modell um. Die geschätzten Projektkosten belaufen sich auf bis zu zehn Milliarden Franken. Angesichts dieser hohen Investitionen wird die Umsetzung durch die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) eng begleitet.
Ein Grossteil der jüngsten Debatten über Verteidigungsausgaben hat sich auf Luftverteidigungssysteme und Kommunikationsinfrastruktur konzentriert. Doch selbst der grösste Vorrat nützt wenig, wenn im Bedarfsfall nicht rasch auf die Ausrüstung zugegriffen werden kann. Das neue Logistikkonzept der Armee soll sicherstellen, dass die richtige Ausrüstung zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar ist.
Ein zentrales Element dieser Strategie ist die dezentralisierte Infrastruktur. «Das Ziel ist es, die wichtigsten Systeme unterirdisch zu lagern», sagt Michael Nussli, stellvertretender Chef der Logistikbasis der Armee. Allerdings seien nicht alle bestehenden Anlagen in gutem Zustand und müssten aufgerüstet werden.
Eine der grössten Herausforderungen bleibt die IT-Infrastruktur der Armee. Seit 2025 stützt sie sich auf das Standard-SAP-System. Im Fall von Cyberangriffen oder Kommunikationsausfällen stösst das System jedoch an seine Grenzen, da die Rechenzentren unzureichend geschützt sind und nicht eigenständig betrieben werden können.
Lara Gut-Behrami, die zweiterfolgreichste Schweizer Skirennläuferin, hat gestern in einem Video ihren Rücktritt bekanntgegeben. Die Schweizer Medien und die Öffentlichkeit reagierten mit einer Flut von Lobeshymnen auf eine Athletin, die nicht nur mit ihrer goldenen Karriere, sondern auch mit ihrer Offenheit abseits der Piste in Erinnerung bleiben wird.
«Mit 101 Weltcup-Podestplätzen, davon 48 Siege, zwei Gesamtweltcup-Titeln, zwei Weltmeistertiteln und olympischem Gold gehört sie zu den erfolgreichsten Skirennläuferinnen aller Zeiten», schrieb Swiss-Ski, der Schweizer Wintersportverband.
Sie hat fast alle Gipfel erklommen, die der Sport zu bieten hat, und tut nun etwas, mit dem viele Spitzensportlerinnen und -sportler zu kämpfen haben. Sie tritt zurück, während sie noch auf dem Höhepunkt steht. Nach fast 20 Jahren im Spitzensport hat sie ihren Körper bis an seine Grenzen gebracht. Das sei letztlich der Grund für ihren Abgang.
«Trotz der Stürze und Verletzungen habe ich keine wiederkehrenden Schmerzen – und ich möchte auch keine haben. Ich möchte nicht mehr verbissen Ziele verfolgen, Grenzen um jeden Preis verschieben oder meinem Körper diese Rhythmen und Belastungen aufzwingen.»
Das Lob der Medien überschlägt sich. «Gut-Behrami hat erstaunt und fasziniert. Sie hat inspiriert und den Menschen Freude bereitet. Aber sie hat auch manchmal geärgert, gestört und manche ratlos zurückgelassen. Sie hat polarisiert, weil sie nie so getan hat, als ob, weil sie gesagt hat, was sie denkt, weil sie nach dem Besten gestrebt und entsprechend gehandelt hat», schrieb der Tages-Anzeiger.
Ein Interview, das nach dem Riesenslalom in Sölden – letztlich ihr letztes Weltcuprennen – gedreht wurde, wird heute in Schweizer Medien wieder aufgegriffen. Darin kritisiert Gut-Behrami die «Schauspielerei» vieler jüngerer Skifahrerinnen und Skifahrer, die nach enttäuschenden Ergebnissen behaupten, zufrieden zu sein. Die sozialen Medien, so Gut-Behrami, hätten es wichtiger gemacht, gemocht zu werden, als ehrlich zu sein: «Ich kann damit leben, wenn ich einen Fehler mache und auf Platz 25 lande. Aber ich werde dann nicht dastehen und so tun, als hätte ich Freude daran.»
Das Filmfestival Locarno hat gestern seine Pforten geöffnet und heute gab das Bundesamt für Kultur bekannt, dass dank der «Lex Netflix»-Regelung fast 20 Millionen Franken in den Schweizer Film- und Fernsehsektor investiert wurden – ein Anstieg von 25% gegenüber dem Vorjahr.
Nach einer landesweiten Volksabstimmung im Jahr 2022, die mit 58,4% angenommen wurde, trat die «Lex Netflix» im Jahr 2024 in Kraft. Sie verpflichtet internationale Streaming-Dienste wie Netflix, Disney und Amazon sowie ausländische Fernsehsender, die in der Schweiz Werbung schalten, dazu, 4% ihres in der Schweiz erzielten Umsatzes in die Schweizer Filmproduktion zu investieren. Derzeit sind insgesamt 22 Unternehmen dieser Pflicht unterworfen.
Laut dem Bundesamt für Kultur erzielten diese Unternehmen im Jahr 2025 einen Schweizer Umsatz von 817 Millionen Franken, was bedeutet, dass sie rund 33 Millionen Franken in Schweizer Produktionen investieren müssen.
Unternehmen dürfen einen Teil dieser Investition bis Ende 2027 aufschieben. Von den für 2025 geforderten 33 Millionen Franken wurden bisher rund 20 Millionen investiert, etwa 13 Millionen wurden somit auf später verschoben.
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