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G-8-Gipfel: Fast alle sind zufrieden

Trotz einigen Ausschreitungen friedliche Kundgebungen der Globalisierungs-Gegner.

(Keystone)

Der G-8-Gipfel ist aus Schweizer Sicht ein voller Erfolg. Darin sind sich die Behörden und die Organisatoren der grossen Demo vom 1. Juni einig.

Allerdings trüben die gewalttätigen Ausschreitungen und ein schwerverletzter Demonstrant die Harmonie.

Zwischen 50'000 und 100'000 demonstrierten am 1. Juni gegen den G-8-Gipfel im nahen Evian.

Eine gutgelaunte Menschenschlange, begleitet von Live-Bands auf Rädern, bewegte sich in Richtung französische Grenze, um sich dort mit den französischen Demonstranten zu vereinen.

Die Stimmung war toll, der Sonnenbrand am Ende des Tages etwas weniger. Trotzdem kann die Bilanz nur eine positive sein, zumindest aus der Sicht der Demonstrierenden und der Organisatorin des Grossanlasses, dem Forum Social Lémanique (FSL).

Sieg für die Antiglobalisierungs-Bewegung

Juan Tortosa vom FSL zeigte sich am Montag dementsprechend zufrieden. "Unsere Bilanz ist sehr positiv. Die Kundgebung ist ein Sieg für die Anti-Globalisierungs-Bewegung."

Dies habe sicher auch damit zu tun, dass sich so viele Organisationen engagiert hätten. "Zwischen 50'000 und 100'000 Menschen in den Strassen von Genf, das hat es noch nie gegeben", so Tortosa gegenüber swissinfo.

Natürlich sei es bedauerlich, dass es zu Ausschreitungen gekommen sei. Aber man habe sich klar und deutlich von gewalttätigen Gruppierungen distanziert.

Kein Kommentar vom G-8-Koordinator

Pierre Aeppli, der Koordinator zwischen den Tausenden von Polizisten aus verschiedenen Kantonen und Armeeangehörigen und ehemaliger Chef der Waadtländer Polizei, wollte am Montag keine Bilanz ziehen.

Auch Peter Arbenz, der als Vermittler zwischen Bund und Kantonen und als Verbindungsmann zwischen den Behörden und der Anti-Globalisierungs-Bewegung fungiert, will sich frühestens am Ende des G-8-Gipfels äussern.

Auch Armee zieht positive Bilanz

"Wir sind sehr zufrieden und ziehen deshalb eine positive Bilanz", sagte Armee-Sprecher Daniel Reist gegenüber swissinfo.

"Wir waren bisher in keiner Weise in Ausschreitungen involviert", so Reist. Die über 5000 Armeeangehörigen seien über die Kantone Genf, Waadt und die Stadt Lausanne verteilt.

"In Lausanne befinden wir uns beispielsweise innerhalb der Sicherheitszone rund um Ouchy. Ausserhalb der Zone ist die Polizei zuständig."

Die gewalttätigen Ausschreitungen in Lausanne und Genf bedauert Reist. Es sei schade, dass ein paar Hundert Chaoten das Bild der sonst positiv aufgenommenen Grossdemo trübten.

Amnesty International zufrieden

Laut der Menschenrechts-Organisation Amnesty International ist an den Kundgebungen vom Sonntag in Genf und vom vergangenen Donnerstag in Lausanne die Meinungsäusserungsfreiheit gewährleistet gewesen. Amnesty zeigte sich in einer Mitteilung vom Montag zufrieden mit der Arbeit ihrer rund sechzig neutralen Beobachter an den zwei Demonstrationen.

Die Kundgebungen verliefen laut Amnesty im Grossen und Ganzen friedlich und unter Wahrung der Rechte des Einzelnen. Die Sachbeschädigungen würden jedoch bedauert.

Die Schattenseite: Zerstörung, Verhaftete und Verletzte

Auch am Montag sind in der Genfersee-Region die Anti-G-8-Proteste weitergegangen.

In Lausanne wurden 16 Strafuntersuchungen wegen Vandalismus eröffnet. Bei einer Kontrolle im Camp der Globalisierungs-Kritiker in Lausanne wurden 287 Demonstranten vorübergehend festgenommen, wie der Lausanner Polizeisprecher Jean-Christophe Sauterel an einer Pressekonferenz sagte. Darunter seien 43 Minderjährige gewesen.

Etwa die Hälfte der vorübergehend in Gewahrsam genommenen Demonstranten sind laut Sauterel Schweizer.

Mehr als neun Stunden lang ging die Polizei in Genf in der Nacht auf Montag mit Gummigeschossen und Tränengas gegen mehrere tausend Demonstranten vor. Diese plünderten Tankstellen, Apotheken und andere Geschäfte in der Innenstadt. Mindestens 20 Menschen wurden festgenommen.

Am Sonntag gab es in Lausanne bei einer Protestaktion einen Schwerverletzten. Die Behörden untersuchen zur Zeit den Fall.

Erzürnte Ladenbesitzer

Bei den Berufsverbänden der Geschäftsleute in Genf und Lausanne herrscht nach den Ausschreitungen vom Wochenende Katerstimmung. Sie beziffern die Schäden durch gewaltsame Aktionen auf mehrere Millionen Franken. In den Geschäftsstrassen im Zentrum von Genf sei jeder dritte Laden in Mitleidenschaft gezogen worden, hiess es.

In Lausanne haben sowohl Ladenbesitzer wie auch Globalisierungs-Gegner die Strategie der Polizei kritisiert. Wenn diese früher eingegriffen hätte, wäre es nicht zu Sachbeschädigungen gekommen, erklärten beide Seiten.

Ausländische Presse erwähnt Ausschreitungen kaum

Im Gegensatz zur Schweizer Presse gehen die ausländischen Medien kaum auf die gewalttätigen Aktionen der Chaoten ein.

Dafür wird umso mehr Gewicht auf die im Rahmen des G-8-Gipfels vom brasilianischen Präsidenten Lula da Silva gemachten Vorschläge zur Bekämpfung des Welthungers gelegt.

swissinfo, Elvira Wiegers und Agenturen

Fakten

Zwischen 50'000 und 100'000 Globalisierungs-Gegner an den Demos

5000 Armeeangehörige verteilt über die Kantone Genf, Waadt und die Stadt Lausanne

Lausanne und Genf: Fast 300 Demonstranten vorübergehend festgenommen

Lausanne: 15 Strafuntersuchungen wegen Vandalismus eröffnet

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In Kürze

Der G-8-Gipfel sei ein voller Erfolg: Das sagen sowohl die Schweizer Behörden wie auch die Organisatoren der Grosskundgebung vom 1. Juni, an der zwischen 50'000 und 100'000 Globalisierungs-Gegner teilnahmen.

Für das Forum Social Lémanique (FSL), Organisatorin des Grossanlasses, ist die Bilanz "sehr positiv". Das FSL spricht von einem Sieg für die Anti-Globalisierungs-Bewegung.

Auch die Armee zieht eine positive Bilanz. Man sei bisher in keiner Weise in Ausschreitungen involviert gewesen, hiess es.

Überschattet wurden die Anti-G-8-Proteste allerdings von gewaltsamen Ausschreitungen. Sie waren das Werk einer Minderheit von Chaoten.

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