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1.5.1883 – Von der Schweizerischen Landesausstellung

Am Morgen des Eröffnungstages

Das Wetter hat gestern dem Zentralkomitee der Landesausstellung und vielen frohmütigen Leuten Kummer und Sorgen bereitet. Schien es doch fast, als ob aus der Einweihung unserer Landesausstellung eine gründliche Einweichung werden solle.

Die schlimmsten Hoffnungen sind heute bestätigt; unsere Wettergucker scheinen recht zu haben; sie sagen uns bedeckten Himmel, milde Temperaturen und – gelinde Regenschauer voraus. Wenn doch Regen sein muss, so mach es recht gelinde, lieber Herr Petrus! Sonst gibt’s viele knurrige unzufriedene Leute!

Denn das Landvolk ist in grossen Massen in die Stadt geströmt. Heute haben wir Zinstag, Maimarkt, Ledermesse, Landesausstellung. In den bescheideren Wirtschaften wimmelt’s von Männern, Weibern und Kindern, die sich früh auf die Beine gemacht und einer Stärkung bedürfen. Auf den Strassen geht allenthalben die liebe Neugierde herum; da und dort ist die eine jugendliche Wenthalerin und trägt schmucke Landestracht. Alles wird beaugapfelt, beguckt, vorgemerkt. So z.B. das zappelige Menschenkind, das hoch droben in der Krone des einen Grossmünsterturmes sich festgeklammert und eine Fahne anzupflanzen sucht.

An Fahnen mangelt’s überhaupt nicht; am wenigsten in den Wirtschaften, Gasthöfen, Restaurants, Weinkneippen und Bierhallen, welche die Landes- und Nationalfarben gleichsam als patriotische Heimruthen auftreten und einander fast zu übertrumpfen suchen. An grünem Schmuck, an Kränzen und Girlanden fehlt es fast gänzlich so macht denn selbst die Bahnhofstrasse einen etwas monotonen Eindruck. Eine Fahne ist eben nur eine Fahne: beim Aufstecken derselben kann sich nicht die nämliche Erfindungsgabe offenbaren, wie beim Winden in der ziervollen Anbringung von Kränzen.

Grösstes Gedränge herrscht auf dem Bahnhofplatz; namentlich in der Aussteighalle, vor dem Hotel National und Viktoria, dem Absteigequartier der oberen Zweihundert, welche zum Feste geladen sind. Alles will den grossen Empfang sehen. Darum drängen sich in der Aussteigehalle Kindermädchen mit ihrer anvertrauten Kleinen, Kollegien schwänzende Studenten, Dienstmädchen, unternehmende Gassenjungen und dergleichen Volk durcheinander. […]

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