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Neue Rettungsseile für Kletterer im Himalaya

Die Air Zermatt rettet mit einem langen Seil am Matterhorn. Air Zermatt

Eine Partnerschaft zwischen Helikopter-Unternehmen aus der Schweiz und Nepal macht zum ersten Mal gewagte Rettungseinsätze in grossen Höhen am Mount Everest und an andern Gipfeln des Himalaya-Gebirges möglich.

Dieser Inhalt wurde am 05. Mai 2010 - 14:27 publiziert

Die neue Dienstleistung, die zur Zeit eine Testphase durchläuft, könnte zu einem Meilenstein in der Bergrettung im Himalaya werden. Allerdings stösst die Idee in Alpinisten-Kreisen nicht nur auf Begeisterung.

Noch bis Juni befindet sich eine Crew der Schweizer Air Zermatt mit einem Helikopter des nepalesischen Rettungs-Unternehmens Fishtail Air in der Region Khumbu in Bereitschaft. Wenn ein Notruf eingeht, kann das Team bis auf eine Höhe von rund 7000 Metern fliegen, um in Not geratenen Alpinisten zu bergen.

Der Schweizer Pilot und der Alpinist seiner Crew beherrschen etwas, das die Teams aus Nepal bisher nicht können: Kletterer auch aus steilen Wänden zu retten.

Dazu wird der Alpinist vom Helikopter aus an einem langen Seil – einer so genannten Long-Line – zum verletzten Bergsteiger heruntergelassen. Der Retter hängt den verunglückten Kletterer und sich selbst an dem Seil fest. Danach fliegt der Helikopter mit den am Seil baumelnden Personen zum nächst gelegenen Landeplatz, wo der Verletzte medizinisch betreut werden kann.

Air Zermatt war eienr der Pionierer von dieser Art von Rettung. Sie kam in den 1970er-Jahren erstmals zum Einsatz, um Bergsteiger aus der Eiger-Nordwand zu retten. Die Nordwand des Eiger ist eine der praktisch vertikalen Bergwände der Schweiz.

Gerold Biner von der Air Zermatt erklärt gegenüber swissinfo.ch, von den jährlich 1500 Rettungseinsätzen des Unternehmens in der Schweiz gehe es bei etwa einem Drittel um Einsätze, bei denen Menschen mit Hilfe eines Aussenseils gerettet würden.

Auslöser der Partnerschaft mit Fishtail Air war unter anderem die Lokalisierung und Bergung der Leiche des slowakischen Bergsteigers Tomaz Humar, der nach einer Verletzung am Langtang Lirung in Nepal ums Leben gekommen war.

Special training

Fünf Mitarbeiter der nepalesischen Fishtail Air waren letzten Monat in Zermatt, wo sie an Rettungseinsätzen der Air Zermatt teilnahmen, um einen Einblick zu erhalten, wie das System der Long-Line-Rettungen funktioniert. Biner hat keine Zweifel an den Fähigkeiten der Piloten aus Nepal, unterstreicht aber, dass es für Long-Line-Einsätze ein spezielles Training braucht.

"Die Arbeit des Piloten wird schwieriger, wenn er einen Helikopter fliegt, an dem unten ein Seil mit Menschen daran hängt", erklärt Biner weiter.

Wenn Sponsoren gefunden werden, könnten die ersten Piloten aus Nepal im Sommer in den Schweizer Alpen an einem Long-Line-Kurs teilnehmen.

Biner denkt auch, dass die Präsenz einer Crew von Air Zermatt in Nepal wahrscheinlich dazu beitragen dürfte, unter Trekking- und Expeditions-Anbietern, eine Nachfrage nach solchen Diensten zu schaffen.

Mehr Leben retten

"Mit solchen Rettungseinsätzen können sicher mehr Leben gerettet werden, denn man könnte auch Leuten mit kleineren Verletzungen oder Problemen wie Höhenkrankheit zu Hilfe kommen", schrieb Kari Kobler, der Schweizer Leiter einer Everest-Expedition in einer E-Mail aus 6400 Metern Höhe.

Er meint aber auch, dass dieser Art Rettungseinsatz nie im selben Umfang wie in den Alpen erfolgen werden, schon allein wegen der grösseren Distanz zwischen Heliports und Kletterregionen. Dazu komme, dass zahlreiche Kunden wohl keine Versicherung hätten, welche für die Kosten einer Rettung mit dem Helikopter aufkommen würde.

Abenteuer-Killer

Der erfahrene Bergsteiger, Arzt und Autor Oswald Oelz hat der neuen Entwicklung gegenüber seine Zweifel.

Das Abenteuer verliere damit an Substanz, erklärt Oelz gegenüber swissinfo.ch. "In einigen Jahren könnte es dann so sein wie heute an der Eiger-Nordwand. Wer in Schwierigkeiten gerät, fordert einfach einen Helikopter an. In der Vergangenheit musste man selber um einen Weg da raus kämpfen, oder man starb."

Oelz ist einer der führenden Wissenschafter im Bereich der akuten Höhenkrankheit und kann selber auf viele Erstbesteigungen und andere herausfordernde Touren zurückblicken. 1978 war er einer von zwei Expeditions-Ärzten, die Reinhold Messner und Peter Habeler bei der ersten Everest-Besteigung ohne zusätzlichen Sauerstoff begleitet hatten.

Die Idee einer Rettung durch Helikopter könnte Bergsteigern auch ein "falsches Sicherheitsgefühl" vermitteln, da die Helikopter nicht bei jeder Wetterlage fliegen können, erklärt Oelz weiter.

Und ein vermehrter Einsatz von Helikoptern könnte den Everest so populär machen, dass der Berg zu einem "Disneyland" werden könnte. Das gleiche Schicksal, so Oelz, das schon das Schweizer Matterhorn ereilt habe.

Wie Oelz denkt auch Biner, dass Helikopter auf dem Gipfel des Everest rasch einmal Teil der Szenerie sein könnten.

Biner, der Air-Zermatt-Pilot, erklärt, dass Helikopter heute schon bis auf eine Höhe von rund 9000 Metern steigen können (der Everest ist 8840 Meter hoch), obschon sie bisher nicht für mehr als 7000 Meter zertifiziert sind.

Dale Bechtel, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Englischen Rita Emch)

Die ersten Rettungsmissionen

Am 29. April 2010 rettete die Schweizer Helikopter-Crew, die in Nepal stationiert ist, mit einem Long-Line-Einsatz drei spanische Bergsteiger aus dem auf 6950 Meter gelegenen Camp IV am Annapurna. Nach Angaben des Magazins Alpinist war noch nie eine Long-Line-Rettung in solcher Höhe erfolgt. Ein viertes spanisches Expeditionsmitglied war auf 7500 Metern verschwunden und später tot aufgefunden worden.

Vier Tage vorher hatten die Schweizer drei koreanische Bergsteiger und vier Sherpas am Manaslu aus der Luft gerettet, sie waren auf 6200 und 6400 Metern festgesteckt

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