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US-Kritik an bürokratischer Hürde für Missionierung

Der erste Tempel der Mormonen in Europa wurde 1955 in Zollikofen bei Bern errichtet. RDB

In der Schweiz dürfen Mormonen ab 2012 nicht mehr für ihre Kirche werben. US-Politiker appellieren nun an die Schweiz, die Restriktionen wieder rückgängig zu machen.

Dieser Inhalt wurde am 17. Dezember 2010 - 08:07 publiziert
Karin Kamp und Julia Slater, New York und Bern, swissinfo.ch

Im Namen von 14 Kongressabgeordneten schrieb  Senator Mike Crapo einen Brief an die Schweizer Botschaft in Washington. Darin forderte er die Regierung in Bern auf, nach einem Weg zu suchen, damit die mormonischen Missionare der Church of Jesus Christ of Latter-day Saints (LDS) auch weiterhin in der Schweizer Menschen bekehren dürfen. Zu deutsch heisst sie Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

Die grosse Mehrheit der Mormonen, die in der Schweiz missionieren, stammen aus den USA, insbesondere aus den Staaten Utah, Missouri, Idaho und Arizona.

"Wir erwarten, dass Vertreter der Schweizer Regierung und US-Behörden in einen Dialog treten und sicherstellen, dass verantwortungsvolle religiöse Missionare die volle Möglichkeit haben, ihr Werk im Ausland fortsetzen können", sagte Senator Mike Crapo gegenüber swissinfo.ch. Dabei sollen die bürokratischen Hürden nur minimal sein.

In bilateralen Verträgen verankert

Der Missionierungsbann ist die Folge des Abkommens über den freien Personenverkehr der Schweiz mit der Europäischen Union (EU), das 2002 in Kraft trat. Gemäss dem Abkommen sind praktisch nur noch EU-Bürger auf dem Schweizer Arbeitsmarkt willkommen. Für Personen von ausserhalb, und dazu zählen auch die USA, ist der Zutritt stark eingeschränkt.

Gemäss dem Freizügigkeitsabkommen dürfen im laufenden Jahr maximal 80 Mormonen aus den USA in der Schweiz neue Mitglieder anwerben. 2011 dürfen es nur noch 50 sein. Ab 2012 ist es Missionaren jeglicher Religionen gänzlich untersagt, in der Schweiz ihr Werk zu tun.

Wegweisendes Bundesgerichtsurteil

Ausschlaggebend für das Missionierungsverbot ist ein Urteil des schweizerischen Bundesgerichts von 1996. Darin waren die Lausanner Richter zum Schluss gekommen, dass die Missionierung eine Arbeitstätigkeit sei.

Die US-Abgeordneten wiesen in ihrem Beschwerdebrief darauf hin, dass die Missionare aus den USA ihre Arbeit in der Schweiz als unbezahlte Freiwillige verrichten. Umgekehrt könnten junge LDS-Mitglieder aus der Schweiz ihre zweijährige Missionstätigkeit in den USA ohne Einschränkungen absolvieren.

In ihrem Schreiben wiesen die US-Senatoren ferner auf die lange Präsenz der Mormonen in der Schweiz hin. So hätten diese ihren ersten Tempel in Europa in Zollikofen, einem Vorort von Bern, errichtet. Der Beginn der Geschichte der Mormonen in der Schweiz gehe allerdings bis ins Jahr 1850 zurück.

In den USA gebe es auch eine grosse Zahl von Mitgliedern der Kirche, die stolz auf ihre Schweizer Wurzeln seien, hiess es weiter. "Es wäre eine grosse Tragödie für unsere beiden Länder, wenn das langjährige Missionsprogramm der LDS-Kirche in der Schweiz beendet würde."

Gesprächsbereit, aber...

Im Oktober zeigte sich die Schweizer Botschaft gesprächsbereit. "Gesetze und Bestimmungen können angepasst werden. Änderungen aber müssen von den dazu befähigten Stellen veranlasst werden", schrieb der damalige Botschafter Urs Ziswiler in seiner Antwort.

"Da ähnliche Fälle aus anderen Ländern vorliegen, würden wir einen Präzedenzfall schaffen, wenn wir bei den Mormonen eine Ausnahme machten", präzisierte Ziswiler gegenüber swissinfo.ch.

Senator Crapo begrüsste auf Anfrage die Dialogbereitschaft der Schweiz.

"Bewährtes Quotensystem"

"Wir hatten stets ein Quotensystem, das bestens funktionierte", sagte Peter Gysler, Sprecher des Schweizer Ablegers der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Auch er weist darauf hin, dass die Missionare ihren Aufenthalt in der Schweiz aus eigener Kasse bezahlten.

"Sie nehmen weder jemandem die Arbeit weg, noch fallen sie in irgend einer Weise dem Staat zur Last", heisst es in einem Positionspapier der Schweizer Mormonen.

Mit dem Freizügigkeitsabkommen sei die Zahl der Aufenthaltsbewilligungen für US-Bürger generell eingeschränkt worden, so Gysler weiter. Das habe aber Kritik der Schweizer Wirtschaft hervorgerufen. Darauf hätten die Schweizer Behörden den Hebel bei den Mormonen angesetzt.

Verantwortlich für die Vergabe der Aufenthaltsbewilligungen ist das Bundesamt für Migration (BFM). In Bern wird die wirtschaftliche und finanzielle Unabhängigkeit der mormonischen Missionare auch keineswegs in Zweifel gezogen.

"Aber das ist gar nicht der Punkt, denn die Frage, ob sie dafür bezahlt werden, ist irrelevant", sagt Adrian Wymann, im BFM verantwortlich für den Arbeitsmarkt in der deutschsprachigen Schweiz.

Damit verweist Wymann auf das oben erwähnte Bundesgerichtsurteil. Entscheidend sei demnach vielmehr, dass in der Schweiz als bezahlte Arbeit gelte, wofür man gemäss Schweizer Erwartung eine Bezahlung erwarten könne.

Mormonen in der Schweiz

Die Mission der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage begann in der Schweiz 1850.

Heute gibt es in der Schweiz 7000 Mormonen.

Im Zentrum steht das Familienleben, ferner Abstinenz von Alkohol und Tabak.

Der erste Tempel in Europa wurde 1955 in der Nähe Berns gebaut. Er war Zentrum der Mitglieder in den Ländern Westeuropas und Skandinaviens.

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