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Gewalt gegen Frauen als "stille Katastrophe"

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter.

(swissinfo.ch)

Die Misshandlung von Frauen hat viele Gesichter: Häusliche Gewalt, Zwangs-Prostitution, Vergewaltigung. Auch in der Schweiz ist die Lage nicht besser als anderswo.

Zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen fand am Dienstag in Bern eine internationale Veranstaltung statt.

Die Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey bezeichnete die hunderttausende Gewaltdelikte gegen Frauen in einer Rede als "stille Katastrophe" - in menschlicher, ökonomischer und sozialer Hinsicht. Oft seien lückenhafte Statistiken die einzige Spur, welche die Verbrechen hinterliessen.

Täter gehen straflos aus



Calmy-Rey wies darauf hin, dass heute in den meisten Ländern viele Formen der Gewalt gegen Frauen strafbar sind. Es gebe aber kaum andere Delikte, die so oft ohne Strafe blieben. Den tieferen Grund für das Problem sieht Calmy-Rey in der ungleichen Machtverteilung zwischen den Geschlechtern.

Die Bundesrätin erläuterte, wie das Aussenministerium auf internationaler Ebene gegen Gewalt an Frauen kämpft: Bei konkreten Fällen, wie etwa der im September abgewendeten Steinigung von Amina Lawal in Nigeria, seien diplomatische Schritte unternommen worden.

Internationales Engagement



Im Rahmen von Organisationen wie den Vereinten Nationen, dem Europarat oder der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OSZE) unterstütze die Schweiz Resolutionen und Initiativen zum besseren Schutz von Frauen.

So setze sich ihr Departement dafür ein, dass möglichst viele Staaten das Römer Statut für einen internationalen Strafgerichtshof ratifizieren. Dieses enthalte erstmals eine angemessene Erwähnung von Frauenrechts-Verletzungen in kriegerischen Konflikten, sagte Calmy-Rey.

Gegen Menschenhandel



Andererseits engagiere sich die Schweiz in Projekten von Nichtregierungs-Organisationen. So habe Bern das erste Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt in Vietnam mitlanciert und Präventions-Projekte gegen Menschenhandel initiiert.

Denn der Menschenhandel zeige, so Calmy-Rey, dass Gewalt gegen Frauen nicht an der Schweizer Grenze aufhöre. Jährlich würden bis 3000 Frauen und Kinder als Opfer von Menschenhandel in die Schweiz gelangen.

Auch was die häusliche Gewalt anbelangt, sei die Situtation in der Schweiz nicht besser als anderswo. Calmy-Rey erinnerte an eine Studie, die zeigt, dass jede dritte oder jede vierte Frau von ihrem Partner irgendwann einmal misshandelt wird. Jährlich werden gegen 40 Frauen von ihrem Partner sogar getötet.

Die häusliche Gewalt ist gemäss Aussenministerium denn auch der erste Schwerpunkt der im Mai geschaffenen Fachstelle gegen Gewalt im Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG).

Neben Calmy-Rey nahmen an der Veranstaltung vom Dienstag auch Yakin Ertürk, UNO-Sonderberichterstatterin über Gewalt gegen Frauen, und Irene Khan, Generalsekretärin der Menschenrechts-Organisation Amnesty International teil.

"Terre des Femmes"

Am Dienstag fand in Bern zudem die Gründungsversammlung des Vereins "Terre des Femmes" statt. Es ist die Nachfolge-Organisation der Organisation für die Sache der Frauen (Ofra) Bern.

Mit Öffentlichkeitsarbeit, Kampagnen und der finanziellen Unterstützung von Projekten will sich der neue Verein für Frauenrechte einsetzen.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

In der Schweiz haben letztes Jahr so viele Frauen und Kinder wie noch nie in Frauenhäusern Schutz vor der Gewalt ihrer Männer gesucht.

Im Jahr 2002 haben insgesamt 989 Frauen mit 1026 Kindern in den 17 Frauenhäusern Schutz vor häuslicher Gewalt gefunden. Das Total der Übernachtungen beläuft sich auf 55'459, was gegenüber dem Vorjahr einer Steigerung von 10% entspricht.

Als mögliche Erklärung für den Anstieg weisen die Fachfrauen auf das sich verändernde Umfeld und die erhöhte Sensibilität der Öffentlichkeit hin.

Parlamentarische Initiativen, Präventions-Kampagnen sowie Masnahmen in einzelnen Kantonen könnten gemäss der Dachorganisation dazu beigetragen haben, dass Frauen eher über erlebte Gewalt sprechen und schneller Schutz und Hilfe suchen.

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