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IKRK fordert vollen Zugang zu Lagern in Sri Lanka

(Keystone)

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf fordert den ungehinderten Zugang zu allen Flüchtlingslagern in Sri Lanka. Präsident Jakob Kellenberger kritisiert die Bedingungen für die humanitäre Hilfe.

Laut dem IKRK sind insgesamt fast 300'000 Tamilen in beengten Verhältnissen in Flüchtlingslagern im Norden Sri Lankas untergebracht, nachdem sie aus ihren Häusern vertrieben worden waren.

Derzeit reiche die humanitäre Hilfe nicht aus, um die Bedürfnisse aller zu decken, sagte Kellenberger vor den Medien in Genf. Er zeigte sich vor allem besorgt wegen des Mangels an medizinischer Hilfe.

Das IKRK wolle in allen Lagern überprüfen können, ob dort die vertriebenen Personen korrekt behandelt würden. Derzeit sei das nur in einigen wenigen Lagern möglich. Kellenberger spricht von "einer unbefriedigenden Situation".

"Der Zugang, den die srilankische Regierung gestattet hat, ist noch unklar", ergänzte er. Die Gespräche mit den Behörden für eine vollständige Öffnung gingen weiter.

Laut Kellenberger werden einige der Flüchtlinge in den Lagern aus Sicherheitsgründen "interniert". Von Journalisten anlässlich der Präsentation des Jahresberichts 2008 darauf angesprochen, wollte er dies allerdings nicht weiter ausführen.

Ausnahmezustand

Menschenrechts-Aktivisten hatten der Regierung vorgeworfen, sie habe Menschen im grössten Flüchtlingslager daran gehindert, das Camp zu verlassen. Laut ihnen sollen jene, die wegen des Bürgerkriegs ihre Wurzeln verloren hätten, frei in der Wahl ihres neuen Wohnorts sein.

Die srilankische Regierung hat am Mittwoch mitgeteilt, den Ausnahmezustand nach dem Sieg gegen die Rebellen der Tamil Tigers (LTTE) weiter aufrecht zu erhalten, wozu auch der Kampf gegen Terrorzellen gehört.

Am Sonntag hatte der Präsident des Landes, Mahinda Rajapakse, einen Aufruf von UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon zurückgewiesen, der einen Zugang für Hilfsorganisationen zu den Lagern gefordert hatte. Zuerst müssten dort Rebellen aufgespürt werden, die sich womöglich unter die Zivilisten gemischt hätten, hiess es.

Die Regierung hatte letzte Woche die Tamil Tigers für "vollständig besiegt" erklärt. Die Armee hatte im Januar eine Offensive gegen die Rebellen gestartet, die jahrzehntelang für einen eigenen Tamilen-Staat im Norden gekämpft hatten. LTTE-Chef Velupillai Prabhakaran und seine Führungsriege waren in der letzten Schlacht getötet worden.

Mehr Unterstützung

"Die direkten humanitären Konsequenzen des Konflikts sind immens", erklärte IKRK-Chef Kellenberger am Mittwoch. "Wir müssen die Hilfe verstärken."

Insgesamt geht Kellenberger weltweit von steigenden Hilfsbedürfnissen aus. Einerseits verschlechtere sich die humanitäre Situation in einigen Ländern massiv. Die Wirtschaftskrise treffe andererseits die Schwächsten besonders hart.

Die Ausgaben des IKRK erreichten im vergangenen Jahr den Rekordwert von über 1,1 Mrd. Franken. Die umfangreichsten Hilfsaktionen des IKRK waren jene in Sudan (109 Mio. Fr.), Somalia (102), Irak (95) und Afghanistan (70).

Sich verschlechternde Bedingungen in verschiedenen Ländern wie etwa in Sri Lanka, der Demokratische Republik Kongo und in Pakistan würden mehr Geld verschlingen.

Für Pakistan hatte das IKRK im vergangenen Jahr Hilfe für 25 Mio. Franken geleistet. Jetzt sei dort eine "extrem ernsthafte humanitäre Krise" im Gang, sagte Kellenberger.

"Afghanistan, Somalia und Pakistan sind drei Beispiele von Ländern, wo Naturkatastrophen und hohe Lebensmittelpreise das Leben für ärmere Menschen, die bereits hart mit den Auswirkungen des Krieges zu kämpfen haben, noch härter machen."

Das Jahr 2008 war laut dem IKRK-Präsident geprägt von einem hohen Anteil getöteter Zivilisten, die einerseits Ziele gewesen oder zwischen Konfliktparteien willkürlich getötet worden seien.

"Ein Grossteil dieses Leides hätte verhindert werden können, wenn sich die Konfliktparteien an das internationale Völkerrecht gehalten hätten", betonte Kellenberger.

Rückblick

Kellenberger nutzte die Präsentation des Jahresberichts auch für einen Rück- und Ausblick. Die Organisation habe 2008 in diversen Konfliktzonen gearbeitet, wobei fast die Hälfte der Ausgaben nach Afrika geflossen sei.

Die Mehrausgaben seien auch auf den teilweise besseren humanitären Zugang zu Kriegsopfern, etwa in Ländern wie dem Irak, in der Sahelzone, Somalia und Georgien, zurückzuführen.

Das IKRK bereite sich derzeit auf eine humanitäre Krise in Pakistans nordwestlicher Grenzregion vor. Anfang Mai hatten das IKRK und die pakistanische Rothalbmond-Bewegung erklärt, 120'000 intern Vertriebene mit Lebensmitteln und essentiellen Hilfsgütern versorgen zu wollen.

Seine Leute könnten in den Distrikten Bunder und Lower Dir helfen, erklärte Kellenberger. In der Provinz Swat aber blieben Einsätze aus Sicherheitsgründen untersagt.

Simon Bradley, Genf, swissinfo.ch
(Übertragen aus dem Englischen: Christian Raaflaub und Gaby Ochsenbein)

In Kürze

2008 verteilte das IKRK über 121'000 Tonnen Nahrungsmittel an 2,8 Millionen Menschen. Das ist mehr als doppelt so viel wie 2007.

Die Wasserversorgungs-, Sanitär- und Bauprogramme des IKRK kamen mehr als 15 Millionen Menschen zugute.

In den Gesundheits-Einrichungen wurden fast 3,5 Millionen Patienten behandelt.

IKRK-Delegierte besuchten knapp eine Millione Häftlinge in 83 Ländern.

In Zusammenarbeit mit den Nationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften wurden rund 667'000 Botschaften unter Familienangehörigen ausgetauscht, die infolge von Kriegen und anderen Krisen getrennt waren.

Die Gesamtausgaben erreichten im letzten Jahr mit 1,1 Mrd. Franken einen Rekord. Im Vorjahr waren es 944 Mio. Franken.

Das IKRK beschäftigt weltweit 11'000 Personen, 1323 sind im Feld tätig, 816 am Hauptsitz in Genf tätig.

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Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung

Das Interntaionale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), das 1863 in Genf gegründet wurde, ist in 80 Ländern tätig.

Es hilft Opfern von Krieg und interner Gewalt und agiert als neutraler Vermittler in Konflikt-Fällen. Das IKRK-Hauptquartier ist in Genf.

Zudem gibt es 186 nationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften. Sie bilden das Rückgrat der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung.

Jede nationale Gesellschaft beschäftigt Freiwillige und Angestellte, die eine ganze Reihe von Dienstleistungen erbringen.

Diese reichen von Katastrophenhilfe, Hilfe für Kriegsopfer bis hin zu Ersthilfe-Kursen und der Wiederherstellung von Kontakten zwischen Familienmitgliedern.

Die nationalen Gesellschaften sind in der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften zusammengefasst, welche 1919 in Paris gegründet wurde. Die Föderation hat ihren Hauptsitz ebenfalls in Genf und beschäftigt weltweit 1300 Personen.

Rund um den Globus sind etwa 100 Millionen Mitarbeiter, Mitglieder und Freiwillige für das Rote Kreuz und den Roten Halbmond im Einsatz.

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