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In den Schweizer Alpen ist es heisser denn je

Letztes Jahr war das heisseste Jahr in den Schweizer Alpen und das zweitheisseste in der Schweiz seit Messbeginn. Der globale Klimatrend wird wohl einige Arten zum Verschwinden bringen.

Dieser Inhalt wurde am 19. Januar 2021 - 09:00 publiziert

Bereits Anfang letzten Jahres (Dezember 2019 bis Februar 2020) wurde der heisseste Winter in der Schweiz seit Messbeginn vor 155 Jahren verzeichnet. Laut dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (Meteoschweiz) war das gesamte Jahr 2020 extrem warm und sonnig.

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"Die Jahrestemperatur 2020 stieg in den meisten Gebieten der Schweiz 1,4 bis 1,6 °C über die Norm 1981–2010", schrieb MeteoschweizExterner Link Ende letzten Jahres. Damit war 2020 nach dem Rekordjahr 2018 das zweitheisseste Jahr in der Schweiz seit Messbeginn.

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Natürlich ist dieser Trend nicht allein in der Schweiz zu beobachten. Weltweit war 2020 unter den drei heissesten Jahren seit Messbeginn. Das sagt die World Meteorological Organization (WMO), welche die Daten noch im Detail zusammenstellt.

"Die globale Durchschnittstemperatur im Jahr 2020 wird etwa 1,2 °C über dem vorindustriellen (1850-1900) Niveau liegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie bis 2024 vorübergehend 1,5 °C überschreitet, liegt bei mindestens eins zu fünf", sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas Anfang Dezember 2020Externer Link.

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Laut Statistiken der WMO gehörte jedes Jahr nach 2015 zu den heissesten. Im Dezember 2020 jährte sich das Pariser Klimaabkommen zum fünften Mal. Damals hatten sich die Nationen der Welt darauf geeinigt, den Anstieg der globalen Temperatur "deutlich unter 2 °C" im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu halten.

"Wir begrüssen all die jüngsten Verpflichtungen der Regierungen zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen, weil wir gegenwärtig nicht auf Kurs liegen und mehr Anstrengungen nötig sind", sagte Taalas.

Schmelzende Gletscher, wandernde Heuschrecken

Je heisser es in den Alpen wird, desto kleiner werden die Gletscher. Die alpine Gletschermasse hat seit 1850 um 60% abgenommen. In den letzten Jahren hat sich der Gletscherschwund beschleunigt.

In einem Szenario mit starker Erwärmung würden "die Alpen bis 2100 weitgehend eisfrei sein", schrieben Forschende der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich und der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) 2019 in einer StudieExterner Link. Eine solche Entwicklung könnte zu mehr Naturkatastrophen wie plötzlichen Überschwemmungen bei gleichzeitiger Reduzierung der Trinkwasser-Reserven führen.

Gleichzeitigt gefährdet die Erwärmung in hohen Langen das Gleichgewicht von Flora und Fauna: Pflanzen, die bisher über einer gewissen Höhe nicht überleben konnten, verbreiten sich immer höher in die Berge hinauf und konkurrieren mit der Alpenflora um Platz und Nährstoffe. Das hat wiederum einen Einfluss auf jene Tierarten, welche für Futter und Unterschlupf auf sie angewiesen sind.

In einer aktuellen Studie brachten WSL-Forschende Heuschrecken, die normalerweise in mittleren Höhenlagen zu finden sind, in die Alpen. Dort beobachteten sie ihre Fressgewohnheiten. Sie kamen zum Schluss, dass die Klimaerwärmung "das ökologische Gleichgewicht stören könnte, weil mobile Tiere, darunter viele pflanzenfressende Insekten, ihren Lebensraum schneller in höhere Lagen ausdehnen können als sesshafte Pflanzen".

Und dass "Insekten aus tieferen Lagen deshalb in alpinen Lebensräumen ein Schalaffenland vorfinden könnten, weil dort lebende Pflanzen nicht oder nur ungenügend darauf vorbereitet sind, sich gegen diese neuen Pflanzenfresser zu verteidigen. Dies könnte die derzeitige Struktur und Funktionsweise alpiner Pflanzengemeinschaften als Ganzes verändern".

Ein weiteres Resultat der Klimaerwärmung ist, dass Bäume in den Alpen früher zu blühen beginnen. Laut der WSL sind verfrühtes Blühen und verfrühter Nadeltrieb problematisch für die Entwicklung und Funktion von Wald-Ökosystemen.

(Übertragung aus dem Englischen: Christian Raaflaub)

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