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Dieser Freiburger fotografiert in Paris Luxusaccessoires und Büroklammern

Ein junger Mann mit Brille und Schnauz
Der Fotograf Vincent Levrat ist im Kanton Freiburg aufgewachsen. Derzeit lebt er in Paris und widmet sich sowohl persönlichen Projekten als auch kommerziellen Aufträgen. zVg

Vor acht Jahren ist Vincent Levrat nach Paris gezogen und hat sich dort mit der Fotografie für Luxusmarken einen Namen gemacht. Zudem wurde er kürzlich vom Bundesamt für Kultur für ein Buch ausgezeichnet, das Fotos von Büroklammer-Skulpturen vereint.

Gucci, Chanel, Cartier, Louis Vuitton, Hermès, Céline, Tiffany… Der gesamte Luxus in Kamerareichweite, mit feinsinniger Sensibilität in Szene gesetzt von einem 33-jährigen Schweizer Künstler aus Bulle im Kanton Freiburg.

Als in Paris ansässiger Fotograf und bildender Künstler mag Vincent Levrat es nicht, sich selbst in Szene zu setzen. Dafür weiss er umso besser, wie er Uhren, Armbändern, Schuhen, Parfümflakons, Lippenstiften und anderen Accessoires der genannten Marken den nötigen Glanz verleiht.

Die grossen Modehäuser beauftragen ihn damit, Produktfotos zu erstellen, die besonders für Werbezwecke bestimmt sind. «In meiner Arbeit als Fotograf dreht sich alles um Licht und Komposition, also um den Blick, den man auf ein Objekt wirft», sagt Levrat. «Oder, wenn man so will, um den Blickwinkel, der dieses Objekt zur Geltung bringt.»

Ein Geheimrezept für seinen Erfolg gibt es nicht

Für die Luxusindustrie in Paris zu arbeiten, ist gewiss nicht einfach, besonders wenn man mit 25 Jahren in der Modehauptstadt ankommt, wo der Wettbewerb hart ist. Obwohl ihn damals noch niemand kannte, konnte Levrat dennoch rasch Erfolge erzielen.

Sein Geheimnis? «Ich habe keines», antwortet er. «Ich kann jedoch sagen, dass man Ehrgeiz braucht, den ich bewiesen habe. Ich war ausserdem ausdauernd. Und um ganz ehrlich zu sein: Eine günstige Konstellation hat mir den Zugang zur Luxuswelt erleichtert.»

Dies vor allem dank dem italo-schweizerischen Fotografen Guido Mocafico, der ihn an der ECAL (Ecole cantonale d’art de Lausanne) entdeckte, wo Levrat nach einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) der Fotoschule Vevey studierte.

«Für mein Abschlussprojekt an der ECAL habe ich Fotos von einem mit Reifen und Holzstücken übersäten Walliser Brachland aufgenommen. Diese Fotos habe ich in einem Werk mit dem Titel Outburst zusammengestellt, das auf zahlreichen Mode- und Designfestivals in der Schweiz und Frankreich ausgestellt wurde. Danach bat mich Guido, sein Assistent zu werden.»

Ein Einblick in die kommerziellen Arbeiten von Vincent Levrat:

Ein Netzwerk von Kontakten

Gut vernetzt in Künstlerkreisen, wurde Mocafico zum Sprungbrett für Levrat. «Man hat ihm mein Engagement und meine Entschlossenheit angepriesen», sagt Levrat. Von Begegnung zu Begegnung baute der junge Schweizer sein Kontaktnetzwerk in Paris aus und machte sich mit einer ihm bis dahin fremden Luxuswirtschaft vertraut.

Seinen ersten Vertrag unterzeichnete er mit On Running, der Schweizer Sportschuhmarke, deren Mitaktionär Roger Federer ist.

«Wenn Sie der Assistent eines bekannten Künstlers wie Mocafico sind, erwartet man von Ihnen keine Ideen, sondern Fachkenntnisse. Die Luxuswelt ist aber kein Selbstzweck und erst recht kein Ziel für mich», sagt er.

«Doch ich muss zugeben, dass man in diesem Umfeld von meinen fotografischen Verfahren begeistert ist, besonders von der Beleuchtungsarbeit und der Behandlung von Materialien.»

Die Chance ergreifen

Als vielseitiger Künstler mangelt es Levrat nicht an Ideen. In seinem neuen Werk «Paperclips» hat er 78 Fotos von Büroklammern zusammengestellt. Er hat die Metallklammern verformt, um ihnen eine skulpturale Form zu verleihen.

Anschliessend hat er sie einzeln fotografiert. Nun sind die Bilder in einem beim Verlag Siestaaa in Lausanne erschienenen Buch zu sehen.

Das Ergebnis ist verblüffend. Die winzigen Büroklammern wirken durch das fotografische Verfahren sehr gross. Mehr noch: Sie nehmen menschliche, tierische oder pflanzliche Formen an, je nachdem, wie der Freiburger Künstler sie verdreht.

«Eine eigenständige künstlerische Arbeit ist immer spannender als ein kommerzieller Auftrag, bei dem einem ein Rahmen vorgegeben wird, mit einer einzuhaltenden Grenze und zwangsläufig einem Verlust an Freiheit», gesteht er.

«Paperclips» wurde im März letzten Jahres vom Bundesamt für Kultur (BAK) ausgezeichnet. Das Werk gehört zu den 17 Werken, die den renommierten Preis «Die schönsten Schweizer Bücher» für im Jahr 2025 erschienene Werke erhalten haben.

Die Papierklammern werden vom 12. bis 21. Juni 2026 anlässlich einer Ausstellung im Helmhaus in Zürich gezeigt, bevor sie ab September 2026 durch die Schweiz und ins Ausland touren.

Einige Werke aus dem Buch «Paperclips»:

Eine angenehme Überraschung

«Ich war sehr überrascht von diesem Preis. Ich hatte ihn überhaupt nicht erwartet, mein Verleger übrigens auch nicht. Wir sind beide sehr geschmeichelt, zumal meine künstlerische Arbeit keinerlei Finanzierung erhalten hat. Sagen wir, sie entstand gegen alle Widerstände», so Levrat.

Landen die fotografierten Büroklammern nun in der Metallsammlung? «Diese Frage wird mir oft gestellt. Ich werde sie nicht wegwerfen, aber ich möchte sie auch nicht vermarkten. Ich verkaufe nur das Buch. Was mir wichtig ist, ist die fotografische Geste», antwortet der Künstler.

In Paris hat Vincent Levrat «seinen Platz gefunden», wie er sagt. Aber er kehrt regelmässig in den Kanton Freiburg zurück, wo seine Familie ein Haus hat. Dort entspannt er sich und tankt neue Kraft. Wird er eines Tages definitiv in die Schweiz zurückkehren? «Vielleicht in 20 Jahren», sagt er und schmunzelt.

Editiert von Samuel Jaberg, Übertragung aus dem Französischen: Christian Raaflaub

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