Ittigens Gemeinderat will Lehren aus Kritik der GPK ziehen
In Ittigen haben interne Konflikte der politischen Führung direkt auf die Verwaltung abgefärbt und dort zu Verunsicherung geführt. Das geht aus einem Bericht hervor, den die Geschäftsprüfungskommission (GPK) am Mittwoch veröffentlichte. Der Gemeinderat gelobt Besserung.
(Keystone-SDA) Ausgelöst wurde die Untersuchung durch mehrere Medienberichte ab Ende 2024, die Vorwürfe zur Personalführung und zu Krankheitsabsenzen in den Abteilungen Bau und Bildung erhoben. Ein zentrales Problem ist aus Sicht der GPK, dass der seit Anfang 2025 amtierende Gemeinderat noch nicht als Kollegialbehörde funktioniert.
Wiederholt gelangten Indiskretionen an die Öffentlichkeit. Die GPK beurteilt sie als Ausdruck einer teilweisen Unzufriedenheit in der Verwaltung und einer angespannten politischen Führungssituation im Gemeinderat. Wegen dieser Vorfälle habe die Gemeinde im Januar 2026 «handelnd durch den Gemeindepräsidenten» Thomas Stauffer (Bürgervereinigung Ittigen) Strafanzeige eingereicht.
Weiter ortete die GPK eine zerrüttete Zusammenarbeit innerhalb der Behörde. Laut Bericht wurden persönliche Spannungen im Gemeinderat vor Angestellten ausgetragen. Der neue, sehr direkte Führungsstil des Gemeindepräsidenten habe die Unsicherheit bei manchen Angestellten verstärkt.
Ein weiteres Problem waren aus Sicht der GPK falsche Dienstwege. Gemeinderäte erteilten demnach den Angestellten direkte Einzelaufträge, was die ohnehin belastete Verwaltung zusätzlich blockierte. Dies habe die Krise in den Abteilungen Bau und Bildung verschärft, die ohnehin unter Personalmangel und hoher Fluktuation litten.
Die GPK kritisiert auch, dass der Gemeinderat oft teure externe Hilfe holte. Sie empfiehlt nun dringend das Prinzip «Stabilisieren vor Entwickeln». Neue Projekte seien zu stoppen. Zudem sollten ein bis zwei Mitarbeitende ausgebildet werden, die sowohl als Anlaufstelle bei Überlastung als auch als Ombudsstelle fungierten.
Gemeinderat sieht Fortschritte
Der Gemeinderat gelobt Besserung. Die bereits eingeleitete Vermittlung durch Regierungsstatthalterin Ladina Kirchen zeige erste positive Wirkungen, schreibt er in einer Stellungnahme. Das Gremium sei durch den GPK-Bericht und in gewissem Sinn auch durch die Medienberichte näher zusammengerückt.
Als wichtigste Massnahme sieht der Gemeinderat die Entlastung der Abteilungen Bau und Bildung. Kurzfristige Hilfen seien ergriffen worden. Längerfristig werde geprüft, ob einzelne spezifische Aufgaben oder Projekte zurückgestellt werden könnten. Im Rahmen des Aufgaben- und Finanzplans werde der Gemeinderat zudem über mögliche zusätzliche Ressourcen entscheiden.
«Bauchgefühl-Index» fürs Personal
Beim Personal sieht sich der Gemeinderat allerdings in einem Spagat: Er müsse die Überlastung senken, aber gleichzeitig sorgfältig mit den Steuergeldern umgehen. Arbeitsspitzen würden darum oft mit temporären Mandaten abgefedert.
Zum Beizug externer Berater schreibt der Gemeinderat, oft fehle intern das Fachwissen oder die Zeit. In solchen Fällen könnten Expertenmeinungen teure Fehlentscheide verhindern. Um die Verwaltung besser zu spüren, erwägt der Gemeinderat zudem ein Monitoring: Ein «Bauchgefühl-Index» soll regelmässig messen, ob sich die Stimmung der Mitarbeitenden nachhaltig verbessert.