Jemen: Schweizer immer noch in Geiselhaft

Sana'a: Erhöhte Alarmbereitschaft nach Geiselnahme. Keystone

Das im Jemen entführte Schweizer Ehepaar ist trotz anders lautenden Meldungen noch nicht frei, wie der Ehemann per Telefon gegenüber swissinfo sagte.

Dieser Inhalt wurde am 21. November 2005 - 17:30 publiziert

Sie würden aber gut behandelt, bestätigte der Mann weiter.

Das Ehepaar war auf einer organisierten Tour mit einem lokalen Führer und einem Fahrer in der jemenitischen Provinz Marib unterwegs.

Von einem nicht näher bezeichneten Ort in Marib aus erklärte der Mann am Telefon gegenüber swissinfo: "Wir werden gut behandelt, warten nun auf die Lösung des Problems und geben keine weiteren Kommentare ab, bis wir wieder im Hotel sind." Der Ehemann wollte weder seinen Namen noch denjenigen seiner Frau nennen, da ihre Verwandten noch nicht informiert seien.

Freilassung eines Häftlings gefordert

Hinter der Entführung der beiden Schweizer steckt offenbar ein Mann aus der Region. Er wolle die Freilassung seines jüngeren Bruders erzwingen, sagte der Geiselnehmer, der seinen Namen mit Hasan Salem Al Thamen angab, gegenüber swissinfo.

Sein Bruder sei vor drei Wochen verhaftet worden, weil er während des Fastenmonats Ramadan Khat gekaut habe. Khat ist eine Pflanze mit stimulierender Wirkung.

Jetzt sei dieser wegen des Verkaufs eines gestohlenen Autos angeklagt und in ein Gefängnis der jemenitischen Hauptstadt Sana'a transferiert worden, sagte der Entführer weiter. Mit der Geiselnahme der Schweizer Touristen wolle er Druck auf die Behörden ausüben.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) erklärte gegenüber swissinfo, dass sich das Ehepaar immer noch in Geiselhaft befinde. Das Schweizer Konsulat im Jemen bemühe sich zurzeit aktiv um die Befreiung der Geiseln.

"Sie sind bei guter Gesundheit", bestätigte auch der Informationschef des EDA, Jean-Philippe Jeannerat. Er hoffe auf ein rasches Ende der Geiselnahme.

"Gastfreundliche" Entführer

Auch der lokale Reiseführer und Übersetzer, Amer Al Deen Al Hawthy, der ebenfalls als Geisel festgehalten wird, bestätigte gegenüber swissinfo, dass die Entführer "gut" und "gastfreundlich" seien. "Wir haben von ihnen keine böswilligen Gesten erlebt. Sie kooperieren mit den Behörden und verhandeln mit ihnen."

Den Geiseln werde nichts geschehen, sagte der Entführer weiter und warnte zugleich: "Wir wollen aber, dass Sie die jemenitischen Behörden davor warnen. Wenn sie Truppen gegen uns einsetzen, müssen sie die Verantwortung für das, was geschehen wird, selbst tragen".

Das Schweizer Ehepaar wurde während eines Ausflugs gekidnappt, der im Rahmen eines Reisearrangements des Zürcher Reisebüros Holiday Maker stattfand.

Keine Warnung vor Risiko

Sie hätten ihre Kunden auf der Firmen-Webseite nicht auf das Sicherheitsrisiko für Touristen im Jemen hingewiesen, sagte der Besitzer von Holiday Maker, Plinio Raselli, gegenüber swissinfo. "Seit 15 Jahren bieten wir Arrangements für den Jemen an. So etwas ist noch nie passiert", so Raselli weiter. Er sei über die Sicherheitswarnung des EDA informiert gewesen.

Die Entführung von Ausländern wird von bewaffneten Stammesführern im Jemen oft als Druckmittel gegenüber der Regierung benutzt, um die Freilassung inhaftierter Verwandter oder staatliche Leistungen zu erzwingen.

Die heutige islamisch geprägte Republik Jemen entstand 1990 aus der Wiedervereinigung des islamischen Nord- und des marxistischen Südjemen.

Das Land am südwestlichen Zipfel der arabischen Halbinsel, mit 536'000 Quadratkilometern fast so gross wie Frankreich, gilt als eines der ärmsten Länder der Welt.

swissinfo, Dale Bechtel und Elham Manea
(Übertragung aus dem Englischen: Nicole Aeby)

Fakten

Das EDA rät aufgrund immer wieder aufflackernder Unruhen von Reisen ins Land ab.
Immer wieder werden Touristen entführt, um inhaftierte Angehörige freizupressen oder Geld zu erhalten.
Der Schweizer Reiseanbieter Holiday Maker, bei dem das entführte Ehepaar die Reise gebucht hatte, schickt jährlich 30 bis 50 Kunden in den Jemen.

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In Kürze

Nordjemen wurde 1918 unabhängig vom Ottomanischen Reich.

Grossbritannien zog sich 1967 aus dem Protektorat um den Hafen Aden zurück.

Drei Jahre später orientierte sich die südliche Regierung am Marxismus.

Nach zwei Jahrzehnten Bürgerkrieg zwischen Norden und Süden entstand 1990 die heutige Republik Jemen.

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