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Schweiz amtet in Stockholm als Wasserträgerin

Für Kinder ist Mangel an sauberem Wasser besonders gravierend. Keystone

Die Schweiz nimmt an der bis am Sonntag dauernden 17. Welt-Wasserwoche in Stockholm teil, um ihre Erfahrungen als Wasser-Pionierin mit anderen Staaten zu teilen.

Rund 2500 Fachleute aus 140 Ländern beraten dort Wasserprobleme im Zusammenhang mit Klimaerwärmung, Biotreibstoffen oder sanitären Einrichtungen.

Im Mittelpunkt stehen aber auch Fragen, wie mehr Menschen Zugang zu sauberem Wasser bekommen oder ob das knapper werdende Trinkwasser bald Auslöser für Kriege sein könnte.

Die Zahl der Menschen, die keinen Zugang zur Wasser-Ver- und Entsorgung haben, soll in den nächsten 15 Jahren um die Hälfte reduziert werden, beschlossen die Vereinten Nationen als einen Punkt ihrer Millenniums-Erklärung im September 2000.

Jetzt ist bald Halbzeit, und mindestens in Afrika zeigt sich, dass die UNO ihre Ziele wahrscheinlich verfehlen wird, da viele Investitionen in die Wasserversorgung durch mangelnde Wartung ins Leere gelaufen sind.

Wasserexperten, Umweltschützer, Industrievertreter und Politiker treffen sich deshalb jedes Jahr in Stockholm, um aus den gemachten Fehlern zu lernen.

«Grosser Schweizer Einfluss»

«Die Schweiz ist zwar ein kleines Land, doch sie gehört zu den zehn Ländern mit dem grössten Einfluss bei Fragen rund ums Wasser», sagte Sibylle Vermont, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Sektion Globales des BAFU, des Bundesamts für Umwelt.

Zu den vordringlichen Anliegen der Schweizer Delegation gehöre es, die eigenen Erfahrungen insbesondere an Entwicklungsländer weiterzugeben. Die Kernbotschaft laute, dass Prävention günstiger sei als Schadensbehebung, sagte Vermont.

Schwerpunkt Landwirtschaft

An der Welt-Wasserwoche setze sich die Schweiz unter anderem mit der Wasserbewirtschaftung in der Landwirtschaft auseinander. Dieser Aspekt sei bisher zu wenig ausgeleuchtet worden. Wichtig sei auch die Honorierung einer sorgfältigen Waldpflege, denn diese sei Voraussetzung für sauberes Wasser.

Für eine nachhaltige Entwicklung sei überdies eine enge Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft von Bedeutung, fügte Vermont an. Zudem sei aus Sicht der Schweiz unabdingbar, dass die UNO für die Wasserfrage einen intergouvernementalen Prozess in Gang setze, wie dies etwa beim Wald mit dem UNO-Waldforum geschehen sei.

Es gibt noch viel zu tun

Laut Christian Zurbrügg, Chef der Abteilung Wasser und Siedlungshygiene in Entwicklungsländern (Sandec) an der Eawag, dem Wasserforschungs-Institut des Bundes an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH), unternähmen Regierungen heutzutage mehr, um das Problem anzupacken. Es bleibe aber noch viel zu tun.

«Hygiene kommt immer zu kurz, wenn kein Wasser dafür da ist. So haben rund 2,6 Mrd. Menschen keinen Zugang zu grundlegender Hygiene, also mehr als doppelt so viele Menschen, die keinen Zugang zum Wasser haben», erklärte er gegenüber swissinfo.

Wasserpreis an US-Forscher

Für bahnbrechende Arbeiten zur Reinigung und Wiederverwendung von Abwässern wurde der 76-jährige US-Forscher Perry McCarty mit dem diesjährigen Stockholmer Wasserpreis ausgezeichnet, der mit umgerechnet 182’000 Franken dotiert ist.

Der Preis wird seit 1991 von der Schwedischen Akademie der Wissenschaften vergeben, die auch über die Nobelpreise für Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaften entscheidet.

swissinfo und Agenturen

Die kostbare Ressource Wasser wird immer knapper. Für mehr als eine Milliarde Menschen gibt es nicht genug sauberes Wasser. Der Zugang zu dem lebenswichtigen Trinkwasser ist in einigen Regionen heftig umstritten, könnte sogar zu Kriegen führen.

Laut dem UNO-Kinderhilfswerk Unicef sterben täglich weltweit 4500 Kinder sowie 1500 Erwachsene , weil sie schmutziges Wasser getrunken haben.

Weiter leiden 400 Millionen Kinder unter Trinkwassermangel und unzureichender Hygiene. Jeder sechste Mensch hat keinen Zugang zu sauberem Wasser.

Laut der Weltgesundheits-Organisation WHO sollte jeder Mensch täglich 100 Liter benutzen können. Doch etwa 1,3 Milliarden Menschen müssen mit weit weniger zurecht kommen. Private Haushalte verbrauchen etwa 8%, die Landwirtschaft dagegen fast 70% des Wassers.

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