Kubanischer Regierungskritiker Alcántara in den USA im Exil
Der kubanische Regierungskritiker und Künstler Luis Manuel Otero Alcántara ist nach fünf Jahren Haft aus Kuba ausgereist und in den USA eingetroffen. "Heute will Luis wieder leben, seine Projekte wieder aufnehmen und die Zeit zurückgewinnen, die ihm genommen wurde", hiess es auf seiner Facebook-Seite. Demnach wolle er sich auch weiterhin für ein freies Kuba einsetzen.
(Keystone-SDA) Der 38-Jährige gehört zu den Anführern der oppositionellen San-Isidro-Bewegung für Meinungs- und Kunstfreiheit und gilt als einer der bekanntesten Regierungskritiker Kubas. Er war nach den landesweiten Protesten im Juli 2021 zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Nach der vollständigen Verbüssung seiner Strafe hätte Otero Alcántara eigentlich in der vergangenen Woche freikommen sollen. Sein Verbleib war allerdings bis zuletzt unbekannt.
Nach Angaben aus seinem Umfeld wurde Otero Alcántara zwar freigelassen, durfte Kuba jedoch nur dauerhaft in Richtung Exil verlassen. Für ihn war zuvor in den USA ein humanitäres Aufnahmeprogramm beantragt worden.
Jubelnder Empfang am Flughafen
Videos in sozialen Netzwerken zeigten, wie Otero Alcántara am Flughafen in Miami von einer jubelnden Menschenmenge empfangen wurde. Dabei legten Unterstützer ihm eine kubanische Flagge mit der Aufschrift «Patria y Vida» («Vaterland und Leben») um – dem Titel eines Latin Grammy-prämierten Liedes, das als Symbol der kubanischen Protestbewegung gilt.
US-Aussenminister Marco Rubio begrüsste die Ankunft des Künstlers in den Vereinigten Staaten. Otero Alcántaras einziges «Verbrechen» sei gewesen, «sich zu weigern zu schweigen und mit seiner Kunst die grundlegenden Freiheiten einzufordern, die den Kubanern seit fast sieben Jahrzehnten verweigert werden», erklärte Rubio. Zugleich forderte er die Freilassung von nach US-Angaben mehr als 700 politischen Gefangenen auf Kuba. Die Menschenrechtsorganisation Prisoners Defenders hatte erst vergangene Woche von mehr als 1.300 politischen Gefangenen auf der Karibikinsel gesprochen.
Proteste seit 2021 weitgehend ausgeblieben
Die Massenproteste vom 11. Juli 2021 waren die grössten auf Kuba seit der Revolution von 1959 unter Fidel Castro. Seit der damaligen Festnahmewelle hat es keine vergleichbaren landesweiten Demonstrationen mehr gegeben, zuletzt jedoch immer wieder kleinere Proteste gegen die anhaltenden Stromausfälle. Viele Aktivisten und Regierungskritiker befinden sich inzwischen in Haft oder leben im Exil.