Pekings Sieg in der Schweizer Presse
Diesmal hat's geklappt: China hat gewonnen. Die Olympischen Sommerspiele 2008 finden in Peking statt. Der klare Entscheid des Internationalen Olympischen Komitees ist praktisch überall top-story.
Zum
«Rendez-vous à Pékin»
lädt die Waadtländer Zeitung 24HEURES ein. Menschenrechte seien zwar nicht einmal aufs Tapet gebracht worden, dafür habe das Komitee mit seinem eindeutigen Entscheid das olympische Credo der Universalität respektiert.
«Vertrauen als Verpflichtung»
titelt die Berner Zeitung DER BUND und findet, das IOK habe mit der Vergabe an Peking viel Mut bewiesen, denn:
«Paris oder Toronto wäre die sowohl technisch als auch politisch sicherere Wahl gewesen; die beiden Städte konnten praktisch auf fertige Konzepte bauen. In Peking jedoch existiert vieles erst auf dem Papier – und dieses ist bekanntlich geduldig».
Paradoxerweise dürften zum klaren Sieg auch die unbefriedigende Menschenrechtslage in China beigetragen haben, meint DER BUND:
«Würde das Land nach halbwegs demokratischen Richtlinien regiert, wären die Chancen von Paris und Toronto grösser gewesen».
Dass das IOK ihrem Obmann kurz vor dessen Rücktritt noch einmal folgte und ihm den Peking-Wunsch erfüllte, wird in mehreren Zeitungen kommentiert.
«Der grösste Sieg für Samaranch»,
schreibt etwa der BLICK. Der 81-Jährige habe es gegen den Widerstand fast aller Nicht-Sport-Organisationen geschafft, die Spiele 2008 an seinen Wunschort zu bringen. Auch die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG titelt:
«Samaranchs letzter Triumph».
Ähnlich lautet der Tenor in der Genfer Zeitung LE TEMPS. Das eindeutige Wahlergebnis zeige, dass die Menschenrechtsfrage nicht ins Gewicht gefallen sei:
«C’est avant tout une victoire pour Juan Antonio Samaranch».
Von politischen Spielen spricht der ZÜRCHER TAGES-ANZEIGER. Die chinesische Regierung werde aus dem Grossereignis bestimmt Kapital zu schlagen suchen.
«Der Westen wird ihr auf die Finger gucken und wohl auch klopfen müssen, wenn die Spiele tatsächlich ‚die Menschenwürde‘ hochhalten sollen, wie die IOK-Charta verspricht»,
meint der TAGI. Für die BASLER ZEITUNG ist der IOK-Zuschlag weniger ein Geschenk als vielmehr eine immense Herausforderung an die Chinesen, ihre Hauptstadt zu einer würdigen Kulisse für das Sportspektakel zu machen.
«Insofern ist der Ausgang des Rennens wohl kontrovers, für viele aber die richtige Entscheidung»,
folgert das Blatt. Die NEUE LUZERNER ZEITUNG sieht im Entscheid
«Eine Hypothek für Chinas Regime»
und die BERNER ZEITUNG BZ einen
«Anstoss für Reformen».
Um eine andere olympische Wahl geht es im BZ-Tagesthema:
Und zwar um
«Ogis Olympia-Traum».
Am Montag, zwei Tage vor seinem 59. Geburtstag, sollen ihn die IOK-Mitglieder in ihre Reihen aufnehmen. Davon habe der Altbundesrat lange geträumt, denn:
«Sport und Ogi, das ist eine Liebe, die nie erkaltet».
Monika Lüthi
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch