Basel-Land: Im Piatti Archiv stapeln sich Bilder, Plakate, Bücher, Rollen, Karten und Skulpturen. "War ihr Vater ein Workaholic?" frage ich Barbara Piatti, Tochter von Celestino Piatti, die mich durch die Fabrikhalle führt. "Ja, er war ein Arbeitstier. Doch zwischen Beruf und Familienleben wurde nicht getrennt. Die Türe zu seinem Atelier, das sich unserem Wohnhaus befand, stand offen und wir wurden nie weggeschickt."
Celestino Piatti
“Ohne Notizbuch habe ich meinen Vater nie gesehen, er hat dauernd skizziert. Wie die Mondlandung, die er vom extra ausgeliehen Fernsehbildschirm abgezeichnet hat.”
Ester Unterfinger/swissinfo.ch
Der unverwechselbare Piatti Stil. Das Plakat für die Basler Pferderennen, 1960 war ein Liebhabersujet. Sammler meldeten sich direkt in der Druckerei und wollten es bestellen. Auch das Plakat “The Fight” für die Weltmeisterschaft im Schwergewicht Boxen von 1971 wurde zur Ikone.
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“Als Celestino in der Nachkriegszeit sein Geschäft mit seiner ersten Frau Marianne Stricker eröffnete waren sie auf jeden Auftrag angewiesen, den sie annehmen konnten. Konsumwerbung war zu Beginn das Fundament des Einkommens.”
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Später wurde er politischer. “Am Morgen des 2. August 1968 kam die Meldung, dass die Tschechoslowakei von der Sowjetunion besetzt wurde. Meine Eltern waren entsetzt, sofort hat Celestino ein Plakat gemalt und gemeinsam haben meine Eltern, er war mittlerweile mit der Journalistin Ursula Piatti verheiratet, eine Unterschriftensammlung lanciert. Die 75’000 Unterschriften reichten sie bei der russischen Botschaft in Bern ein.” erzählt Barbara Piatti. Rechts: Für das Satire Magazin “Nebelspalter” steuerte Piatti zwischen 1968 - 1978 Titelblätter bei.
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Selbstporträt in jungen Jahren.
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Clestino Piatti hat über 6300 Buchcover für den dtv Verlag gestaltet. Hat er die Bücher alle gelesen? “Ja, wir haben jeweils kistenweise Hart-Cover Bücher erhalten. Oft haben wir ihn mit einem Buch in der Hand gesehen und später seine Notizen gefunden. Ausnahme sind die wissenschaftlichen Serien, da hat er die Typographie entwickelt und einen Farbcode zur Reihe erstellt.”
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“Damit mein Vater eine Bildpointe oder die Verdichtung für ein Cover erschaffen konnte, musste er zumindest in jedes Buch reinlesen. Das war eine Notwendigkeit für ihn.”
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Piatti ist bekannt für seine Eulen. Wieso hat er sie unermüdlich gemalt? “Da die Eule einen frontal anschaut, kann sie jedes Gefühl ausdrücken. Sie kann verliebt, traurig, böse oder wütend schauen, es spiegelt sich auf ihrem Antlitz.” Bild aus dem Kinderbuch “Eulenglück”.
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“Dies sind meine Lieblingseulen, sie hingen jahrelang in meinem Kinderzimmer. Die Augen einer Eule unverhältnismässig gross, dies machte sie für meine Vater besonders attraktiv. Ich persönlich mag die Tiger oder Löwen von Celestino besser. Ich finde sie kraftvoller, humorvoller.” sagt Barbara Piatti.
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Sieben Kinderbücher hat Celestino Piatti illustriert. “Wenn ich meinen Vater im Nachhinein etwas fragen könnte, wäre es, wieso er nicht mehr Kinderbücher gemalt hat.” sinniert Barbara Piatti. Doppelseite aus dem Kinderbuch “ABC der Tiere” welches in diverse Sprachen übersetzt wurde..
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Das ABC Kinderbuch entstand in Piattis Atelier in Paris wo er sich künstlerischen Arbeiten widmete. Hatte Celestino Piatti nie eine Schaffenskrise? “Nein, das hatte er nie. Er war oft hin und hergerissen zwischen freien Arbeiten und Auftragsgrafik.
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In einem Interview 1992 sagte Celstino Piatti: “Immer wenn ich malen wollte stand mir der Vollblutgrafiker im Weg. Und wenn ich Grafik gemacht habe, hätte ich lieber malen wollen.” Plakat für eine Piatti Ausstellung in der Gallery A in Sydney, 1968.
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1982 malte er in der Altstadt von Thun in einer mehrtägigen Freiluftaktion ein grosses Wandbild als dringlichen Appell für mehr Umweltschutz: “Sorge tragen zu Erde, Wasser und Luft - heute und in der Zukunft”.
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Insgesamt war Celestino Piatti während 67 Jahren künstlerisch aktiv, bevor er im Jahr 2007 starb. Im März 2022 wird eine Sonderbriefmarke mit einem Piatti Motiv der Schweizerischen Post erscheinen. Ob es eine Eule sein wird?
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