
Street Parade Zürich: Das weltgrösste Techno-Event

Millionenaufmarsch, Wetterglück sowie stundenlange Ekstase und Selbstdarstellung zu ohrenbetäubendem Sound und Beat: Dies sind die Superlative, mit denen die 10. Zürcher Street Parade am Samstag (11.08.) aufgewartet hat. Mit dem neuen Besucherrekord dürfte Zürich Berlin als weltweit grössten Techno-Event abgelöst haben.
Nach dem Line-up der 31 Love-Mobiles und dem Warm-up der Raverinnen und Raver setzte sich die Street Parade um 15.23 Uhr unter dem Motto «Liebe, Freiheit, Toleranz» zum 3,8 Kilometer langen Umzug um das Zürcher Seebecken in Bewegung. Schrill und extravagant mit grossen Lücken für die nackte Haut war das Outfit der House- und Technofans, brustfell-erschütternd der Beat und ohren-betäubend der Sound.
Auf den Trucks legten dieses Jahr erstmals auch chinesische DJ’s auf. «Die Love-Mobiles waren noch nie so schön, so gross und so laut», stellte der Präsident des Vereins Street Parade, Michel Loris-Melikoff, begeistert fest. Und die Vorsteherin der Zürcher Polizeidirektion, Stadträtin Esther Maurer, gab dem in den Anfängen von den Behörden noch verschmähten Anlass den offiziellen Segen: «Es ist ein Anlass, der wie das Sechseläuten zu Zürich gehört», sagte sie während der fünfstündigen Live-Übertragung des Schweizer Fernsehens DRS.
Berlin übertroffen
Nach 750’000 Teilnehmenden und Schaulustigen im Vorjahr waren es diesmal nach Schätzung der Organisatoren eine Million, wie Mediensprecher Stefan Epli am Abend nach dem Vergleich der Luftaufnahmen auf Anfrage sagte. Damit hätte Zürich erstmals die Berliner Love Parade übertroffen, die im Juli einen Besucher-Rückgang auf 800’000 verzeichnet hatte.
Die Teilnehmenden waren zum Teil schon am Vorabend angereist. Die SBB stellten für Samstag und Sonntag 109 Extrazüge bereit. Nach Angaben der Organisatoren war der Zustrom aus Süddeutschland noch stärker als in den Vorjahren.
Auch altersmässig war die Menge bunt gemischt, und zwar auch bei den aktiven Ravern. Im Schweizer Radio DRS berichtete ein 73-jähriger Mann, er sei das zehnte Mal dabei. Auf seine Motiven angesprochen, sagte er: «Für mich ist das ein Tag der kontaktfähigen Leute.»
Freude auch bei den Hoteliers
Freuen über den erneuten Besucherrekord dürften sich die Gastro- und Hotelunternehmen. Die Hotelzimmer in den ein-, zwei- und drei- Sterne-Hotels waren schon im Vorfeld dieses Wochenendes ausgebucht. Gemäss Street Parade-Mediensprecher Epli werden die Raver nicht weniger als 150 Mio. Franken über das ganze Wochenende in der Stadt liegen lassen.
Das Wetter spielte mit
Das Zucken, Tanzen und Stampfen unter dem leicht bewölkten Himmel wurde durch bewegungs-freundliche Temperaturen von 20 Grad unterstützt. Hitzekollapse wie in den Vorjahren blieben nach Auskunft eines Sanitäters aus. Dennoch gab es Stimmen, die sagten, es sei dieses Jahr weniger getanzt worden als im Vorjahr. Nach Abschluss der Street Parade standen in der Nacht rund 50 Partys auf dem Programm. Auf dem Bürkliplatz und am Bellevue luden die Organisatoren zum Geburtstags-Rave ein.
Polizei: «Absolut ruhig – absolut laut»
«Absolut ruhig», sagte Marco Cortesi, Sprecher der Zürcher Stadtpolizei, am Abend in einer ersten Bilanz, um sich sogleich zu korrigieren: «Absolut laut, aber friedlich, ohne besondere Vorkommnisse.» Wie in den Vorjahren seien einige Personen wegen illegalen Getränke- oder Drogenverkaufs angehalten oder festgenommen worden. An der Langstrasse sei es zudem zu einer Gegendemonstration von 300 bis 400 Leuten gekommen.
swissinfo und Agenturen

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