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4. Juli überschattet von US-kritischer Stimmung

Die Organisatoren beteuern, die Feier in Genf sei apolitisch. Keystone Archive

Am 4. Juli feiern die USA ihren Unabhängigkeitstag. Dies gilt auch für die vielen US-Bürgerinnen und Bürger in der Schweiz. Doch wegen der US-kritischen Stimmung sind viele nervös.

In Genf findet traditionellerweise die grösste Feier ausserhalb der USA statt.

Dieses Jahr sind viele amerikanische Staatsangehörige aus Sicherheitsgründen eher zurückhaltend. «Ich glaube nicht, dass die Amerikaner ihre Nationalität dieses Jahr allzu sehr in den Vordergrund rücken», erklärt der stellvertretende Direktor des Graduate Institute of International Studies in Genf, Daniel Warner.

«Vermutlich werden weniger Leute an den Feiern teilnehmen. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich nicht besonders stolz, Amerikaner zu sein.»

Der American International Club of Geneva erwartet an der diesjährigen Feier rund 35’000 Personen, aber laut dem Vorsitzenden des Organisations-Komitees, Pierre Imfeld, kann man nicht sagen, ob die jüngsten Ereignisse die Teilnahme beeinflussen.

«Die Zahl der Teilnehmenden sowohl aus Amerika wie von anderswo ist aufgrund vieler Faktoren sehr variabel», so Imfeld. «Ich bin nicht sicher, ob die politische Situation sie beeinflusst.»

Schatten des Irak-Kriegs

Im Frühling waren in der Schweiz Zehntausende auf die Strasse gegangen, um gegen den Irak-Krieg und die unilaterale Haltung der USA zu protestieren.

Und erst letzten Monat, anlässlich des G-8-Gipfels im Nachbarland Frankreich, fanden in Genf gewaltsame Demonstrationen statt, die sich auch gegen die USA richteten.

Obwohl die Bombardements in Irak und das G-8-Treffen vorbei sind, glaubt Warner, dass viele Europäer, auch Schweizer, weiterhin anti-amerikanische Gefühle hegen.

«Der Anti-Amerikanismus hat in den letzten Wochen zwar etwas abgenommen, aber ich glaube, unterschwellig sind noch immer Feindseligkeit und Misstrauen gegenüber den Vereinigten Staaten vorhanden.»

«In Bezug auf die ganz direkten Feinseligkeiten ist dies die schlimmste Zeit, doch ich glaube, die Distanz zwischen den USA und Europa wird vermutlich noch eine ganze Weile zunehmen», fügt er bei.

Warner weist auch darauf hin, dass viele Republikaner sich wegen der «Feindseligkeit und der Ressentiments gegenüber bestimmten Aktivitäten der USA» zurückhalten.

Beklommenheit in Europa

Andere Amerikanerinnen und Amerikaner in Genf wie die Hochschulstudentin Jennifer Wallace fühlen sich langsam wieder wohler.

«Der stärkste Anti-Amerikanismus war während des Kriegs gegen Irak spürbar, vor allem am Anfang», erzählt Wallace. «Aber die Stimmung der Leute hat sich seither etwas gebessert, und nun versucht man, nach vorne zu blicken.»

Sie findet es dennoch schwierig, ihren europäischen Freundeskreis dazu zu bringen, mit ihr den 4. Juli zu feiern.

«Besonders dieses Jahr muss ich allen erklären, dass sie nicht die amerikanische Regierung unterstützen, wenn sie an die Party in Genf kommen.»

«Ich versuche ihnen immer wieder klar zu machen, dass sie kommen sollen, weil es ein fröhliches Fest ist, und dass das kein politisches Statement ist”, ergänzt sie.

Auch Imfeld beharrt darauf, dass es keine politische Feier ist. «Es ist nicht ein Anlass für politische Standpunkte oder zur Unterstützung der Regierung oder ihrer Politik.»

«Es ist einfach eine Feier der Freundschaft und des guten Willens unter den Menschen, aber auch eine Möglichkeit, Genf dafür zu danken, dass es die Amerikanerinnen und Amerikaner in seine Gemeinschaft aufnimmt.»

Sicherheit

Abgesehen vom anhaltenden Anti-Amerikanismus glaubt Warner, dass viele Leute aus den USA, aber auch aus Europa, der Feier aus Sicherheitsgründen fern bleiben.

«Wenn irgendetwas Gewalttätiges vorgesehen ist, könnte Genf eines der Ziele sein», meint Warner. «Es braucht eine erhöhte Sicherheit, und die Leute denken vielleicht, dass die Feier nicht sicher ist, oder dass es gar nichts zu feiern gibt.»

Die Organisatoren arbeiten mit den Lokalbehörden zusammen, um die Sicherheit der Festbesucher zu gewährleisten. Aber Imfeld gibt zu, dass wegen der Offenheit des Anlasses keine Garantie besteht.

«Wir glauben, dass die Sicherheits-Massnahmen dieses Jahr genau so angemessen sind wie in früheren Jahren. Aber es bleibt ein offener und öffentlicher Anlass, an dem jeder und jede teilnehmen kann.»

swissinfo, Anna Nelson in Genf
(Übertragung aus dem Englischen: Charlotte Egger)

Nach Schätzungen des American International Club of Geneva leben und arbeiten rund 8000 US-Bürger in und um Genf.

In Genf findet die grösste 4.-Juli-Feier ausserhalb der USA statt, und das seit 52 Jahren.

Rund 35’000 Personen verschiedener Nationalität werden dieses Jahr erwartet. Am Anlass gibt es Live-Musik, American Football und am Abend ein Feuerwerk.

Der 4. Juli ist in den USA ein Feiertag, mit dem das Land des Datums gedenkt, an dem es 1776 seine Unabhängigkeit von England erklärt hatte.

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