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51 Tonnen Hanf beschlagnahmt

Bernard Rappaz inmitten seiner Hanfpflanzen. Keystone

Die Walliser Polizei hat in Saxon beim "Hanfpionier" Bernard Rappaz 51 Tonnen Hanf im Wert von 35 bis 40 Mio. Franken beschlagnahmt. Rappaz ist in den Hungerstreik getreten.

Wie die Kantonspolizei am Montag mitteilte, ergab eine Voruntersuchung, dass die Firma von Rappaz das Bundesgesetz über die Betäubungsmittel verletzt. Der Untersuchungsrichter liess deshalb am vergangenen Mittwoch und Donnerstag Rappaz und einen weiteren Mann verhaften.

Zudem wurden in der Firma und auf dem Hof etwas mehr als 50 Tonnen getrockneter Hanf in Form von Hanfstauden und Hanfblüten sicher gestellt. Zudem wurde eine Tonne Hanfblütenstaub, Hanfharz und Haschischöl beschlagnahmt.

Die Polizei fand auch verschiedene Maschinen und Installationen, die zur Herstellung von Betäubungsmitteln dienten.

Für Transport sieben Lastwagen nötig

Für den Transport des beschlagnahmten Materials waren sieben Lastwagen notwendig. Rund hundert Polizisten waren für die Aktion im Einsatz. Die Intervention sei seit mehreren Wochen geplant gewesen, teilte die Kantonspolizei mit.

Rappaz und ein weiterer Mann befanden sich auch am Montag noch in Untersuchungshaft.

Der Walliser Hanf-Produzent war bereits vor rund zweieinhalb Jahren wegen Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer Haftstrafe von 16 Monaten verurteilt worden. Angeklagt worden war er damals, weil er 8,5 Tonnen Hanf geerntet und mindestens 319 Kilogramm getrocknetes Material in Form von Kissen verkauft hatte. Das Gericht hatte die Zerstörung des Materials verfügt.

«Polizeiaktion unverständlich»

Rappaz ist Mitbesitzer der Hanf-Kooperative «Valchanvre». «Valchanvre»-Mitglied Claude Rey hatte sich bestürzt über die Beschlagnahmung gezeigt. Seit der letzten Polizeiaktion im Jahr 1996 sei die Hanf-Kultur nicht verändert worden. Der Hanf werde an verschiedene Gesellschaften weiterverkauft, die daraus ätherische Öle gewinnen. Dadurch werde der THC-Gehalt vermindert.

Wie «Valchanvre» mitteilte, sieht sie sich aller Mittel beraubt, die sie in den letzten fünf Jahren aufgebaut habe. In der Region gingen über 20 Arbeitsplätze verloren.

Angesichts der politischen Lage und zu erwartenden Liberalisierungs-Auswirkungen auf die heutigen Gesetze, sei die Polizeiaktion unverständlich. Deshalb habe sich ein Unterstützungskomitee gebildet. Es setzt sich für Rappaz sowie seinen Partner ein, der gemäss «Valchanvre» ebenfalls in Untersuchungshaft sitzt.

Mit einer Petition soll für die Freiheit der Inhaftierten gekämpft werden. Die Schweizer Hanf Koordination (SHK) unterstützt die Aktion.

Hitzige Debatte zu erwarten

Die Ständeratskommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) hat vor Wochenfrist eine Neuerung im Betäubungsmittelgesetz gutgeheissen. Kiffen soll in der Schweiz straffrei werden. Doch gegen die Gesetzesrevision regt sich vor allem Widerstand aus der Westschweiz.

Die kleine Kammer wird sich in der Wintersession als Erstrat damit befassen. Die Kommission sei klar gegen den Drogenkonsum, hatte SGK-Präsidentin Christine Beerli (FDP/BE) erklärt. Der Cannabis-Konsum sei jedoch volkswirtschaftlich und sozial weit weniger schädlich als das Rauchen und der Alkoholkonsum, wo es um «legale Genussmittel» gehe.

Nach der spektakulären Beschlagnahmung von 51 Tonnen Hanf wird diese Debatte in der Wintersession sicherlich neue Brisanz gewinnen.

swissinfo und Agenturen

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