Bagdader Verbindungsbüro als inoffizielle Botschaft
Da die Situation im Irak doch ruhiger wird, öffnet die Schweiz in Bagdad ihr Verbindungsbüro wieder.
Mit dieser inoffziellen Botschaft wird Diplomatie für die Schweiz im Irak wieder möglich. Auch die Hilfswerke koordinieren dort ihre Arbeit.
Die Schweizer Diplomaten werden das Verbindungsbüro mit den Mitarbeitern der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) teilen.
Neben dem Geschäftsführer und Diplomaten Martin Aeschbacher werden auch Daniel Beyeler, Chef des bisher ausgelagerten DEZA-Kooperationsbüros in der jordanischen Hauptstadt Amman, und ein weiterer DEZA-Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze in Bagdad einrichten.
Die DEZA-Leute werden vor Ort die Koordination für die Aktivitäten der Schweizer Hilfswerke übernehmen.
Information und Suchen
Einige Hilfsorganisationen, darunter das Schweizerische Arbeiterhilfswerk (SAH) und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), versuchen, die Bevölkerung auf die Gefahren, die von Minen und nicht explodierter Streumunition ausgehen, aufmerksam zu machen.
Überhaupt hat das IKRK seine Dienstleistungen in den letzten Tagen stark ausgeweitet. Musste sich die Hilfsorganisation vor dem Sturz des Regimes mit der medizinischen Notversorgung der Bevölkerung beschäftigen, wird sie nun zunehmend zum Anlaufspunkt für Iraker im In- und Ausland.
Tausende Suchanfragen für vermisste Familienangehörige erreichen das IKRK via Internet, Telefon und Post. Sie wird auch als Vermittlerin zwischen den Besatzungstruppen und der irakischen Bevölkerung beansprucht.
Ungenügende Verantwortung
Die Hilfsorganisation Médecins sans Frontières (MSF) wirft den US-Besatzungstruppen vor, ihre Verantwortung als Siegermacht gegenüber der Zivilbevölkerung gemäss den Genfer Konventionen, nur ungenügend auszuüben.
Ungeschützt dem Mob überlassen….
Das Chaos im irakischen Gesundheitswesen bezeichnet MSF als Konsequenz der US-Kriegsstrategie: «Die Ölfelder wurden geschützt und heute wird Öl gefördert; Spitäler und die zivile Infrastruktur wurden ungeschützt dem Mob überlassen und heute liegt das Gesundheitswesen gelähmt am Boden. Patienten mit akuten und chronischen Beschwerden finden zurzeit keine Hilfe.»
Caritas Schweiz ist via Caritas Irak tätig. Caritas Schweiz unterstützt zwölf Caritas-eigene Mutter-Kind-Zentren und weitere 28, die mit dem Roten Halbmond gemeinsam geführt werden.
Während des Krieges blieben die Caritas-Zentren von Plündereien verschont, da das Material in Kirchen evakuiert worden war. Diese entgingen den Plünderungen.
Caritas will in Irak nur mittelfristig tätig werden. Wie der Bund betreibt Caritas in Irak keine Entwicklungsarbeit. Es werden ausschliesslich humanitäre Projekte durchgeführt.
Konzentration auf kleine Projekte
Das Schweizerische Arbeiterhilfswerk (SAH) ist vor allem im Norden Iraks tätig. Das SAH betreut ein Camp mit 100 Flüchtlingsfamilien. Das SAH ist auch an der Finanzierung eines Projektes mit der Hilfsorganisation Norwegian Peoples Aid (NPA) beteiligt. NPA beschäftigt sich mit Entminung.
Fünf mobile Teams stehen im Einsatz. Geräumt werden auch Minen aus dem letzten Golfkrieg und von der Kriegskoalition verschossene Uranmunition sowie nicht explodierte Streubomben.
Alle Hilfswerke erwarten von den Besatzungstruppen die Schaffung von mehr Sicherheit, Verwaltungsstrukturen und die Einhaltung der öffentlichen Ordnung, damit sie ihre humanitären Aufgaben effizient leisten können.
swissinfo, Etienne Strebel
Das Verbindungsbüro dient auch für die Koordination der Arbeit der Hilfswerke.
Das IKRK beschäftigt sich längst nicht mehr nur mit Notversorgung.
Caritas arbeitet mit dem Roten Halbmond zusammen.
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