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Das grosse Aufatmen

Fehlerehafte Sulzer Medica-Hüftgelenke: 200'000 Dollar für jeden geschädigten Patienten. Keystone

Der Streit um schadhafte Implantante der Sulzer Medica ist beigelegt: Ein US-Bundesgericht hat dem Vergleich mit den geschädigten Patienten zugestimmt.

Nach zweitägiger Anhörung aller Parteien sei der Vergleichsvorschlag vom Gericht in Cleveland (Ohio) als «fair, angemessen und vernünftig» beurteilt worden, teilte Sulzer Medica mit.

Patienten, die bis zum 15. Mai nicht ausdrücklich vom Vergleich zurücktreten, bekunden damit ihr Einverständnis zu den Bedingungen des Vergleichs und verzichten auf Einzelklagen. Nach Ablauf der Frist hat Sulzer Medica fünf Arbeitstage Zeit, die endgültige Zustimmung zu erteilen.

Die Regelung

Gemäss Vergleich soll jeder Patient 200’000 Dollar Schadenersatz erhalten. Die Entschädigung für Patienten, die grössere Komplikationen erlitten, wird höher ausfallen. Rund 40’000 Dollar jeder individuellen Auszahlung geht an die Anwälte, welche die Patienten vertreten.

Wegen fehlerhafter Hüftgelenke der Sulzer Medica sind bisher fast 3000 Klagen eingegangen. Gut 500 sind es wegen schadhafter Kniegelenke.

Die Regelung wird ungefähr 1 Mrd. Dollar kosten. Davon bringt Sulzer Medica 725 Mio. Dollar auf. Sulzer AG und die Winterthur Versicherung bezahlen den Rest.

Konzernchef Rietiker zuversichtlich

Entscheidend für die Umsetzung des Vergleichs ist schliesslich, wieviel Kläger sich dem Vergleich anschliessen. Ist die Rate derjenigen Patienten, die den Vergleich ablehnen (Opting-out) und stattdessen Einzelklagen vorziehen, zu hoch, will Sulzer Medica laut früheren Angaben die betroffene US-Tochter-Gesellschaft unter Gläubigerschutz stellen. Das Überleben der restlichen Gesellschaft wäre damit aber nicht in Frage gestellt, versichert Sulzer Medica.

Konzernchef Stephan Rietiker zeigte sich über den Ausgang des Hearings erfreut. Er könne zurzeit noch nichts zur Opting-out-Rate sagen. Er sei aber zuversichtlich, dass die Zahl der Patienten, die nicht auf den Vergleich einsteigen, minimal sein werde.

«Damit haben wir unser Versprechen, die Patienten rasch und fair zu entschädigen, eingelöst», sagte Rietiker.

An den Rand des Zusammenbruchs gebracht

Der Schadenfall hatte Sulzer Medica im vergangenen Jahr an den Rand des Zusammenbruchs geführt. Die Rückstellungen für die Entschädigungen der Patienten waren hauptverantwortlich für den Konzernverlust von 1,42 Mrd. Franken, und dies bei einem Umsatz von 1,2 Mrd. Franken.

Sulzer Medica ist in den Sparten Orthopädie (Gelenk-, Wirbelsäulen- und Dentalimplantate) sowie Kreislaufimplantate (Herzklappen, Gefässimplantate und periphere Gefässstützen) tätig. Ende 1999 baute Sulzer Medica den Bereich Biologie als drittes Standbein auf. Der Konzern beschäftigt insgesamt an die 3400 Personen.

swissinfo und Agenturen

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