Drei Schweizer auf der Route du Rhum
Mit einer Rekordteilnehmerzahl von 74 gemeldeten Booten startete die 8. Route du Rhum – das bekannteste Rennen für Einhandsegler - am Sonntag in Saint-Malo, Frankreich.
Stève Ravussin, Yvan Bourgnon und Dominique Wavre sind die drei Schweizer, welche am Sonntag in See stachen, um nach Pointe-à-Pitre in Guadeloupe zu segeln.
Alle vier Jahre ist die französische Hafenstadt Saint-Malo in Feststimmung. Unter den Jahrhunderte alten Festungsmauern der Stadt haben die Freibeuter – die 74 Teilnehmer der Route du Rhum, des spektakulärsten Einhand Transatlantik-Rennens nach Guadeloupe – ihre Kähne bereitgestellt. Punkt 13.02 Uhr wurde das Rennen freigegeben.
Am Start dieses legendären Kurses auch Stève Ravussin (trimaran Orange Project), Yvan Bourgnon (trimaran Brossard) und Dominique Wavre (monocoque Temenos). Sie vertreten die Schweizer Farben. Alle drei haben Chancen auf den Sieg in diesem Transantlantik-Rennen, das von einem grossen Medienrummel begleitet ist.
Keine Rachegelüste
2002 war Stève Ravussin so etwas wie der tragische Held. Er stand kurz vor dem Sieg als sein Boot kenterte. Aber in diesem Jahr will er sich nicht für diesen Lapsus rächen.
«Ich hatte damals schon grosses Glück überhaupt an der Spitze des Rennes zu liegen, als ich kenterte. Ich hatte ja überhaupt keine Erfahrung als Einsiedler auf dem grossen Ozean, noch hatte ich ein gutes Boot», sagte Ravussin. Aber er habe auf sich aufmerksam machen können und so sei es einfacher geworden einen Sponsor zu finden, um überhaupt in diesem Jahr wieder an den Start gehen zu können.
Die Route du Rhum sei ein hyperwichtiges Rennen, so etwas wie die Olympischen Spiele der Einhandsegler.
Jedem seine Chance
Drei Trimarane weiter finden wir Yvan Bourgnon: «Die drei Schweizer Boote haben alle die Möglichkeit zu siegen. Wir sind so gut vorbereitet, wie noch nie zuvor.»
Der jüngere Bruder von Laurent Bourgnon, der die Route du Rhum zweimal (1994 und 198) gewonnen hat und auch den Streckenrekord inne hat (12 Tage, 8 Stunden, 41 Minuten), sieht in diesem Transantlantik-Kurs «eine enorme mentale Herausforderung».
«Der Sieg 1982 von Marc Pajot liess mich schon träumen. Dann habe ich die Rennen meines Bruders mit grosser Leidenschaft mitverfolgt. 1998 und 2002 habe ich es geschafft an den Start zu gehen, ohne wirkliche Aussichten auf einen Sieg. Heute jedoch habe ich die Voraussetzungen geschaffen, um gut abzuschneiden», sagte Yvan Bourgnon.
«Wagen wir es»
Über seinen Einmannsegler kann Dominique Wavre noch nicht allzu viel sagen. Temenos heisst sein neues Boot und es ist erst Ende August in La Rochelle eingetroffen. Ein solches Boot genau abzustimmen brauche seine Zeit.
«Für mich kommt dieses Rennen etwas zu früh. Noch kenne ich mein Boot nicht gründlich genug», sagt Wavre. Sein sportliches Ziel habe sich demnach den technischen Gegebenheiten unterzuordnen. «Meine Hauptaufgabe besteht darin, aus Temenos ein zuverlässiges Boot zu machen.»
Seine eigentlichen Ziele sind das Barcelona World Race 2007 – im Doppel – und die Vendée Globe Challenge 208 für Alleinsegler. Doch jetzt will der Genfer Skipper es einfach mal wagen.
Aber er weiss genau, nur wenn alles stimmt, kann er auf das Podium kommen, und da möglicherweise ganz zu oberst stehen.
swissinfo, Pierre-Antoine Preti (Skippers Magazine), Saint-Malo
Übertragung aus dem Französischen, Urs Maurer
Die Route du Rhum, das spektakulärste Rennen für Einhandsegler, wurde vom Franzosen Michel Etevenon 1978 ins Leben gerufen. Sie wird alle vier Jahre ausgetragen. Die 8. Ausgabe wurde am 29. Oktober 2006 um 13.02 Uhr gestartet. Ein wichtiges Datum in den Agenden der Ozeansegler.
Der Kurs ist 3500 nautische Meilen lang (6500 Kilometer) und führt von Saint-Malo nach Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe.
Das Teilnehmerfeld wird in acht Bootsklassen unterteilt. Die 74 Einhandsegler starten alle zur selben Zeit auf der selben Startlinie.
Der Schweizer Laurant Bourgnon hat den Kurs auf seinem Trimaran Primagaz 1994 und 1998 gewonnen.
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