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EU unterstützt USA im Kampf gegen Terrorismus

Der amtierende EU-Ratspräsident Guy Verhofstadt erklärte, ein amerikanischer Vergeltungsschlag für die Terrorangriffe in den USA sei gerechtfertigt. Keystone

Die Europäische Union hat ihre uneingeschränkte Solidarität mit den USA im Kampf gegen den Terrorismus bekräftigt. Dies schliesse auch militärische Aktionen ein, die aber gezielt sein müssten, beschlossen die EU-Staaten bei ihrem Krisengipfel in Brüssel. Die USA bekräftigten derweil, sie hätten genügend Beweise, den mutmasslichen Terroristen-Führer Osama bin Laden vor ein US-Gericht zu stellen. Millionen von Menschen verfolgten am Fernsehen eine gigantische Benefiz-Veranstaltung für die Opfer der Terror-Attacken in den USA.

Die Stars erinnerten während der Show «America: A Tribute to Heroes»(Amerika: Ein Tribut für Helden) in Kurzgeschichten an heldenhafte Helfer und tragische Einzelschicksale während der Anschläge vergangene Woche. Die Gala fand ohne Publikum an geheimen Orten zugleich in New York und Los Angeles statt und wurde weltweit von Radio und TV-Stationen übertragen. Innerhalb von wenigen Stunden gingen mehr als 116 Mio. Dollar ein.

Rocksänger Bruce Springsteen sang zur Eröffnung der Gala «My City of Ruins» und Popdiva Mariah Carey trat das erste Mal seit ihrem Zusammenbruch Ende Juli auf. Schauspieler Tom Hanks sagte zu Beginn der zweistündigen Show, sie alle seien zusammengekommen, «um Mut zu geben und hoffentlich viel Geld zu sammeln».

Kontakt mit islamischen Staaten ausbauen

Der belgische Ministerpräsident und amtierende EU-Ratspräsident Guy Verhofstadt erklärte nach dem Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs am Freitagabend, ein amerikanischer Vergeltungsschlag für die Terrorangriffe in New York und Washington sei gerechtfertigt. Jedes EU-Mitgliedsland könne sich daran gemäss seinen Mitteln beteiligen. Nach Angaben des deutschen Regierungschefs Gerhard Schröder wurde nicht über militärische Details gesprochen.

Schröder betonte, das Gipfeltreffen habe deutlich gemacht, dass es den europäischen Staaten nicht um einen Kampf gegen den Islam gehe. Im Gegenteil sollten arabische und islamische Staaten, die den Terrorismus bekämpfen wollten, in die Allianz einbezogen werden.

Eine EU-Delegation unter der Leitung des belgischen Aussenministers Louis Michel wird am Montag eine Reise in wichtige islamische Länder antreten. Sie soll unter anderem Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien und Iran besuchen.

Europäischer Aktionsplan

Im weiteren einigten sich die EU-Spitzenvertreter auf einen europäischen Aktionsplan für den Kampf gegen den Terrorismus. Dabei geht es um die Intensivierung der polizeilichen Zusammenarbeit und die Schaffung eines europäischen Haftbefehls.

Der EU-Ministerrat für Justiz und Inneres soll Anfang Dezember die Einzelheiten festlegen. Zudem sollen eine Liste von terroristischen Organisationen erstellt und gemeinsame Ermittlungsteams eingesetzt werden. Als besonders wichtig wurde das Ziel unterstrichen, die Finanzquellen von Terroristen auszutrocknen.

Verstärktes Engagement

Die 15 EU-Staaten wollen zudem ihr gemeinsames Engagement in der Weltpolitik verstärken. Dabei wollen sie in Kooperation mit den USA sowie Russland und den arabischen Partnern regionale Konflikte eindämmen, vor allem im Nahen Osten. Ein stärkeres europäisches Engagement in dieser Region wünsche auch die USA, sagte der belgische Regierungschef Verhofstadt.

Der Gipfel kam zu dem Schluss, dass die Anschläge gegen die USA die Weltwirtschaft verlangsamt haben. Es werde jedoch keine Rezession geben, zeigten sich die EU-Spitzenvertreter optimistisch.

Powell: Beweise gegen Bin Laden

Die USA verfügen nach Angaben von Aussenminister Colin Powell über genügend Beweise, um den mutmasslichen Terroristen-Führer Osama Bin Laden vor einem US-Gericht den Prozess zu machen. Bereits vor den Anschlägen von New York und Washington hätten genügend Beweise für eine Anklage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgelegen, sagte Powell am Freitag in einem Interview mit der britischen BBC.

Die USA machen Bin Laden für die Terrorangriffe von New York und Washington verantwortlich und fordern von der Taliban-Regierung in Afghanistan dessen bedingungslose Auslieferung. Die Taliban lehnen dies jedoch ab. Powell betonte, Bin Laden werde notfalls mit Gewalt ausfindig und dingfest gemacht.

Bin Laden wird von den USA neben den jüngsten Anschlägen in New York und Washington unter anderem auch für Anschläge auf US-Militärbasen in Saudi-Arabien, die US-Botschaften in Kenia und Tansania sowie den Anschlag auf das Kriegsschiff «USS Cole» im Jemen verantwortlich gemacht.

Taliban noch isolierter

Das radikal-islamische Taliban-Regime steht derweil noch isolierter da: Die Vereinigten Arabischen Emirate brachen ihre diplomatischen Beziehungen zur Taliban-Miliz nach Angaben vom Samstag ab. Damit wird das Regime nur noch von Pakistan und Saudi-Arabien als rechtmässige Regierung Afghanistans anerkannt.

Dort selber wächst die Angst vor einem möglichen Militärschlag der USA. Immer mehr Menschen machen sich auf die Flucht.

Unklarheit bestand am Samstag über Berichte der Taliban, dass sie ein unbemanntes ausländisches Spionage-Flugzeug abgeschossen hätten. Der Sprecher des Taliban-Regimes in Kandahar erklärte, die Herkunft der Drohne sei ungeklärt. Die Maschine sei über dem Taschurgan-Pass in der nördlichen Provinz Samangan abgeschossen worden. Das US-Verteidigungsministerium lehnte jeden Kommentar zu den Berichten ab.

Die Provinz Samangan liegt an der Grenze zu Usbekistan und Tadschikistan. Beide Staaten sind Gegner der Taliban, haben aber offiziell den USA nicht die Stationierung von Flugzeugen oder Truppen erlaubt.

Weitere Festnahmen

Unterdessen ist in der kanadischen Stadt Toronto am Freitag ein Mann festgenommen worden, der am Tag der Terroranschläge in den USA mit mehreren falschen Pässen und einer Flugbegleiter-Uniform nach Chicago fliegen wollte. Auch in Grossbritannien wurden im Zusammenhang mit dem Anschlag auf das World Trade Centre in New York vier Personen unter Terrorismus-Verdacht festgenommen.

Die BBC berichtete am Freitag, sieben der mutmasslichen Entführer hätten sich vorübergehend in Grossbritannien aufgehalten. Beamte von Scotland Yard arbeiteten bei der Aufklärung der Hintergründe eng mit dem amerikanischen FBI zusammen.

In Deutschland wurden gegen zwei flüchtige Hamburger Studenten arabischer Herkunft Haftbefehle erlassen. Ihnen wird unter anderem Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, mehrtausendfacher Mord und gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr vorgeworfen.

swissinfo und Agenturen

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