The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

IKRK hilft bei Suche nach irakischen Vermissten

Tausende von Menschen haben seit Ausbruch des Irak-Kriegs den Kontakt zu ihren Angehörigen verloren. Keystone

In jedem Krieg verschwinden Menschen, werden Familien auseinander gerissen. Das IKRK sammelt mit Karteikarten und Internet Informationen über den Verbleib vermisster Personen.

In Genf wurde dazu ein Suchdienst geschaffen, der sich auch um die irakischen Kriegsgefangenen kümmert.

Eingerichtet wurde der spezifisch auf den Irak-Konflikt ausgerichtete Suchdienst Ende März. Seither gingen schon Tausende Registrierkarten irakischer Kriegsgefangener sowie Botschaften von Zivilpersonen ein, die ihren Angehörigen mitteilen wollen, dass sie noch am Leben sind.

Solche Botschaften sind oft ausschlaggebend für den emotionalen und psychischen Zustand von Kriegsopfern und deren Familien und Freunden, wie Pierre Barras, Chef des Dienstes, im Gespräch mit swissinfo unterstreicht.

«Diese Botschaften sind für die Familien sehr wichtig. Denn es ist eine Sache, Essen sowie Wasser und Strom zu haben. Daneben geht es um das psychische Wohl der einzelnen Personen.»

Einzelpersonen oder Familien könnten oftmals aufatmen, wenn sie eine solche Botschaft erhielten.

Von der Information abgeschnitten

Wegen der Bombardierungen, dem Zusammenbruch des Telefon- und Transport-Netzes sowie den andauernden Unruhen und Plünderungen haben Millionen von Irakern und Irakerinnen keine Kommunikations-Mittel mehr. Sie können weder im Inland kommunizieren noch mit der Aussenwelt Kontakt aufnehmen.

Angesichts dieses Informations- und Kommunikations-Vakuums beschloss das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), das Zentrum «Familienbande» und eine dazu gehörende Website einzurichten.

Mehr als 50 Personen arbeiten in der Kriseneinheit, die 50 Kilometer ausserhalb von Genf auf dem Trainings-Gelände des IKRK untergebracht ist. Zum Personal gehören neben Such-Experten englisch- und arabischsprachige Übersetzer sowie Datenbank-Operatoren.

Informationen von Kriegsgefangenen

Tag für Tag sortiert das Team von Pierre Barras Hunderte von so genannten «Gefangenen-Karten». Diese enthalten persönliche Daten über irakische Kriegsgefangene und werden den IKRK-Delegationen bei den Gefangenen-Besuchen übergeben.

Nach den Vorgaben der Genfer Konventionen hat das IKRK das Recht, die Kriegsgefangenen zu besuchen, zu registrieren und zu überwachen, wie sie behandelt werden.

«Die Karten sind meist sehr detailliert ausgefüllt. Denn je mehr Angaben sie machen, umso mehr haben die Gefangenen das Gefühl, dass sie sicher sind und nicht einfach verschwinden werden», sagt Barras.

Die Informationen auf den Karten würden auch von Vertretern der Kriegs-Koalition gelesen und überprüft, so Barras weiter. Diese wollten sicherstellen, dass keiner der Gefangenen, die unter Umständen weiterhin zu Saddam Hussein und dessen Regime hielten, eine Botschaft nach aussen schaffen könne.

Viele Botschaften aus der Zivilbevölkerung

Die humanitäre Organisation kümmert sich aber auch um die Zivilbevölkerung. Hunderte von Menschen schlugen sich in den letzten Wochen in eines der IKRK-Büros in Irak durch, um dort eine Botschaft an ihre Angehörigen zu hinterlassen.

Diese Informationen gehen per Fax aus Irak an die Krisenstelle in Genf, wo sie in die IKRK-Datenbank eingegeben werden.

Danach versuchen Arabisch sprechende Mitglieder des Suchdienstes, mit den Angehörigen der Absender Kontakt aufzunehmen, um diese zu informieren, dass ihre Angehörigen noch am Leben sind.

«Wenn uns das gelingt, ist die Freude jeweils riesig, denn die Menschen machen sich grosse Sorgen um ihre Lieben», erklärt IKRK-Übersetzerin Nadine Omar.

Das IKRK wolle die emotionalen Ängste und die innere Unruhe der Menschen lindern, sagt Pierre Barras. Die Freude, die man den Menschen mit Informationen über ihre Angehörigen machen könne, sei auch ein Motivationsgrund für die Sucharbeit.

Weltweiter Effort

Neben dem IKRK ist das internationale Netzwerk der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften aktiv beim Weiterleiten von Botschaften in Irak und im Rest der Welt.

Von Bagdad bis Vancouver wandten sich in den vergangenen Tagen Tausende von Menschen mit der Bitte um Hilfe bei der Suche nach ihren Brüdern, Schwestern, Müttern, Vätern oder anderen Verwandten an lokale Rotkreuz- oder Rothalbmond-Vertretungen.

Bisher konnte das IKRK erst Botschaften aus Irak ins Ausland vermitteln. Barras hofft aber, dass die humanitäre Organisation bald auch Informationen von Exil-Irakern nach Irak weiterleiten kann.

Um die Suche der Menschen nach Angehörigen oder Freunden zu unterstützen und den Austausch von Informationen weiter zu erleichtern, wurde auch eine Website (www.familiylinks.icrc.org/Englisch und Arabisch) eingerichtet.

Bereits haben sich dort über 5000 Leute registrieren lassen. Das IKRK erhält zur Zeit im Durchschnitt pro Tag 400 Anfragen von Menschen, die den Kontakt mit ihren Angehörigen verloren haben.

swissinfo, Anna Nelson, Genf
(Übertragung aus dem Englischen: Rita Emch)

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat einen Suchdienst eingerichtet, um Irakern, die im Krieg den Kontakt zueinander verloren haben, bei der Suche nach ihren Angehörigen zu helfen.

Mehr als 50 Personen arbeiten in der Kriseneinheit, die etwas ausserhalb von Genf untergebracht ist. Zum Personal gehören neben Such-Experten englisch- und arabischsprachige Übersetzer sowie Datenbank-Operatoren.

Der Suchdienst verarbeitet die Registrier-Karten irakischer Kriegsgefangener sowie die Botschaften aus der Zivilbevölkerung.

Zur weiteren Erleichterung der Suche nach Vermissten wurde eine Website eingerichtet: www.familylinks.icrc.org

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft