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Mediatoren: Kampf gegen Terror überdenken

Die Sprache von US-Präsident Bush im "Krieg gegen den Terrorr" ist ausgrenzend, deshalb kontraproduktiv. Keystone

In Crans-Montana startet am Freitag das 5. Weltforum Mediation. Hauptthema ist die Strategie im Kampf gegen den internationalen Terrorismus.

Gemäss Experten fördert die Sprache von führenden Politikern Angst und Ausgrenzung, was zu weiteren Eskalationen statt zu Eindämmung führe.

Ab Freitag findet in Crans Montana im Kanton Wallis das 5. Weltforum Mediation statt. Rund 1000 Spezialistinnen und Spezialisten aus über 40 Ländern werden bis Sonntag über die Entwicklung der Vermittlung in Konfliktfällen diskutieren. Neben eigentlichen Mediatoren sind es vor allem Richter, Juristen und Vertreter aus gesetzgebenden Behörden, die am Anlass teilnehmen.

Der Kampf gegen den internationalen Terrorismus ist nicht das einzige, aber eines der wichtigsten Felder der aktuellen Mediation. Und ein gefährliches dazu, wie Forums-Vizepräsidentin Dale Bagshaw gegenüber swissinfo sagt: «Die Sprache von Politikern wie Bush, Blair oder dem australischen Premier Howard macht die Sache noch schlimmer.»

Krieg der Worte

Gemäss deren Terminologie sei man entweder gegen die Terroristen oder für sie. «In dieser Sprache gibt es keine Grautöne, nur Schwarz und Weiss. Das schafft eine neue und gefährliche Realität, die Konflikte in der Welt eskalieren lässt», warnt Bagshaw.

Laut Bernard Comby, dem Präsidenten des Organisations-Komitees, kommt das Forum nach den Anschlägen von New York, Madrid und London zu einem wichtigen Zeitpunkt. «Diese weltweite Zunahme von Gewalt macht es notwendig, über Gegen-Strategien nachzudenken.»

Alle Muslime in einen Topf geworfen

Bagshaw ist vor allem der durch die Sprache erzeugte Gegensatz «wir/sie» ein Dorn im Auge. Als Folge davon würden so genannte Terroristen nun mit der ganzen muslimischen Gemeinschaft gleichgesetzt.

«Wir müssen bei der Wortwahl sehr vorsichtig sein, weil durch sie Ängste und Ausgrenzungen geschaffen werden», so die Professorin an der University of Southern Australia. Worte könnten Menschen stigmatisieren, aber auch einschüchtern.

«Und wenn Leute Angst haben, nehmen sie eine Abwehrhaltung ein.» In speziellen Trainings müssten Politiker Kompetenzen für eine deeskalierende Mediation erwerben, fordert die australische Expertin.

Auch Familie und Handelsbeziehungen

Das Forum im Walliser Luftkurort wird offiziell vom Schweizer Innenminister Pascal Couchepin, René Rhinow, Präsident des Schweizerischen Roten Kreuzes, und Joaquim Chissano, dem ehemaligen Präsidenten Mosambiks, eröffnet.

Zu den Hauptreferenten gehören Adolf Ogi, der Schweizer Sonderbeauftragte des UNO-Generalsekretärs für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden sowie der ehemalige Präsident Portugals, Mario Soares.

Neben dem Terrorismus diskutieren die Mediations-Experten auch über Familienrecht, internationale Handelsbeziehungen, Recht am Arbeitsplatz sowie Lösungsmöglichkeiten im Umweltbereich.

Ziel ist die Verabschiedung einer «Erklärung von Crans Montana», in der zur friedlichen Beilegung der Konflikte in der Welt aufgerufen wird.

Gewalt als «tägliches Brot»

«Wir werden täglich mit Gewalt konfrontiert, da kann Mediation eine grosse Rolle spielen», sagt Duccio Scatolero, Professor für Konflikt-Management in Turin.

«Alle Konflikte weisen eine eskalierende Entwicklung auf, die zu Gewalt führen kann. Mit Mediation lässt sich diese Entwicklung durchbrechen, so dass es nicht zu einem Gewaltausbruch kommt.»

swissinfo, Adam Beaumont
(Übertragung aus dem Englischen: Renat Künzi)

Das 5. Weltforum Mediation wird vom Universitäts-Institut Kurt Bösch (IUKB) in Bramois (Wallis) organisiert.
An der Konferenz nehmen rund 1000 Spezialistinnen und Spezialisten aus über 40 Ländern teil.
Die diesjährige Tagung steht unter dem Titel «Mediation, eine neue Kultur der Veränderung».

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