Reisen kann die Gesundheit gefährden
Trotz Kriegen, Terrorbedrohung und Sars reisen pro Woche rund eine Million Menschen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern hin und her.
Viele von ihnen sind in Sachen Gesundheits-Risiken und Prävention schlecht informiert.
Reisen macht Spass. Reisen vorbereiten auch. Dazu gehören aber nicht nur das Packen des Koffers und Wechseln von Geld, sondern – je nach Reiseziel – auch eine gute Vorbereitung auf mögliche Tropen- und Infektions-Krankheiten wie zum Beispiel Hepatitis oder Malaria.
Denn das zur Zeit aktuelle und tödliche Sars-Virus, das der Reisebranche einen vorübergehenden Dämpfer verpasst hat, ist längst nicht die einzige Bedrohung für fliegende Touristen und Geschäftleute.
An Malaria zum Beispiel sterben pro Jahr eine Million Menschen, ebenso viele fallen der Krankheit Hepatitis B zum Opfer.
Unwissend und unvorsichtig
Diese Zahlen und Gefahren scheinen aber viele Reisende wenig zu beeindrucken. Laut einer Flughafen-Umfrage bei über 8000 Reisenden, die in Gebiete mit hohem Risiko für Infektions-Krankheiten flogen, ist sich die Mehrheit der Reisenden dieses Risikos zu wenig bewusst: Viele seien medizinisch schlecht informiert und nicht angemessen geimpft und geschützt.
Peter Helbling vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) zeigt sich nicht überrascht über die Ergebnisse der Umfrage: «Bereits frühere Studien hatten schon Hinweise auf nicht optimales Verhalten der Reisenden gegeben.»
Überrascht ist jedoch Eve Baumann, Sprecherin von Kuoni Reisen. «Wenn eine Impfung nötig ist, weisen wir unsere Kunden darauf hin.»
Zudem hält sich das grösste Reiseunternehmen der Schweiz an die Richtlinien des Departemens für auswärtige Angelegenheiten (EDA) und der Weltgesundheits-Organisation WHO. «Wenn von Reisen in gewisse Gebiete abgeraten wird, dann machen wir das auch», betont die Kuoni-Sprecherin.
Mehr Information nötig
Die Umfrage wurde vom «European Travel Health Advisory Board» (ETHAB) erarbeitet und vor kurzem an der 8. Konferenz der Internationalen Reisemedizin-Gesellschaft (International Society of Travel Medicine) vorgestellt.
«Unsere Resultate zeigen, dass ein klarer Bedarf besteht, Reisende über Gesundheits-Risiken im Zusammenhang mit Auslandreisen besser aufzuklären und zu informieren», erklärte Francesco Castelli, Mitautor der Studie und Präsident von ETHAB.
Für Peter Helbling vom BAG gibt es genügend Hinweise für das Publikum, wie man sich auf Auslandreisen schützen kann und sollte. «Irgendwo beginnt eben die Verantwortung der Reisenden selber, und sei es, dass sie bei der Reisevorbereitung mit ihrem Hausarzt ein Telefongespräch führen.»
Mobilität birgt Gefahren
Eine Mehrheit der befragten Personen hatte vor ihrer Abreise in ein Infektionsgebiet weder medizinischen Rat eingeholt, noch sich hinreichend gegen Hepatitis A geschützt.
Viele Reisende, die Zielorte mit Malariarisiko anflogen, hatten, gemäss Umfrage, keine Malaria-Medikamente im Gepäck. Und dies obwohl das Angebot an Impfstoffen und prophylaktischen Arzneimitteln heute recht umfassend ist.
Wie Peter Helbling gegenüber swissinfo erklärte, stimmt es, «dass viele Reisende die Malaria auf die leichte Schulter nehmen».
Jeder muss selber wissen, wohin er fliegt
«Die Auswirkungen von Erkrankungen können für Reisende selbst zwar schon sehr schlimm sein. Doch entsteht noch grösserer Schaden, wenn Reisende bei ihrer Rückkehr unwissentlich andere infizieren», betonte Robert Steffen von der WHO und Professor am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich.
Obwohl die Kunden für ihr Handeln selber verantwortlich seien, so Eve Baumann, sei Kuoni bemüht, dass der Kunde kein zusätzliches Risiko eingehe. «Wir gehen aber schon davon aus, dass sich die Kunden selber informieren, und wir behandeln sie als mündige Personen.»
swissinfo, Gaby Ochsenbein
Der Reiseverkehr zwischen Industrie- und Entwicklungsländern umfasst wöchentlich rund eine Million Menschen.
Fast 60% der Reisenden sind bei Aufenthalten in Hepatitis-A-Gebieten nicht angemessen geschützt.
In den Entwicklungsländern sind zwei Milliarden Menschen mit Hepatitis B infiziert. Eine Million stirbt jedes Jahr.
Auch für Touristen stellt Hepatitis B ein Gesundheitsrisiko dar.
An Malaria erkranken jedes Jahr 300 bis 500 Millionen Menschen. Malaria fordert jedes Jahr eine Million Tote.
Die Zahl der nach Europa importierten Malaria-Fälle nahm im letzten Jahrzehnt um 23% zu.
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