USA beginnen Krieg gegen Irak
Die USA haben mit einem Raketenangriff den Kampf gegen Irak begonnen.
US-Präsident George W. Bush erklärte in einer Fernsehansprache, die US-Streitkräfte würden jetzt auf die von Irak ausgehende Bedrohung antworten. Saddam Hussein bezeichnete den Angriff als «Verbrechen gegen die Menschlichkeit».
Knapp zwei Stunden nach dem Ablauf des Ultimatums an Saddam Hussein begann das Bombardement. US-Präsident Bush betonte in seiner Rede, dass er nur zögernd in den Waffengang gehe. Doch es bleibe keine andere Wahl. Die USA und ihre Verbündeten würden entschlossen zuschlagen.
Es könne nur den Sieg geben, sagte der Präsident, der seine Landsleute zu Wachsamkeit und Opferbereitschaft aufrief.
Gemäss dem Nachrichtensender CNN galten die ersten Cruise Missiles-Angriffe Zielen in und südlich von Bagdad. Die USA hätten bestätigt, in einer ersten Phase über 40 Marschflugkörper auf Bagdad abgefeuert zu haben.
In seiner Rede sprach Bush von «ausgewählten Zielen, um Saddam Husseins Fähigkeit, Krieg zu führen, zu schwächen».
Bereits früher hatte Bush gegenüber dem Kongress erklärt, die Angriffe seien Teil des weltweiten Krieges gegegen den Terror. Während der Angriffe auf Irak gab es denn auch Militäraktionen in Afghanistan gegen mutmassliche Mitglieder der al-Kaida.
Begrenzter Einsatz
Bei den ersten Luftangriffen gegen Irak handelte es sich nach Angaben von US-Militärs um einen relativ begrenzten Einsatz.
Er diene als Vorbereitung für intensivere Angriffe, sagte ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums in Washington: «Es ist eine begrenzte Sache.» Gleich äusserte sich gemäss der Nachrichtenagentur AFP ein Vertreter der britischen Regierung.
Der britische Oberst Chris Vernon bestätigte in Kuwait-Stadt, dass es noch keinen Befehl zum Einsatz von Bodentruppen gebe.
Gemäss einem Reporter der Nachrichtenagentur Reuters bewegten sich die US-Infanterie-Einheiten in Kuwait näher Richtung Grenze zu Irak.
Alarm kurz vor Sonnenaufgang – Appelle von Saddam Hussein
In Bagdad wurde am Donnerstag kurz vor Sonnenaufgang (3.30h MEZ) Luftalarm ausgelöst. Eine Radiostation, welche von Uday, einem Sohn Saddam Husseins, geführt wird, rief die lokale Bevölkerung auf, Widerstand zu leisten: «Das ist unser Tag. Lasst uns den Kampf beginnen.»
Gemäss der Nachrichtenagentur Reuters bestätigte das irakische Militär, dass militärische Einrichtungen getroffen worden seien.
Um 6.30h MEZ wandte sich Saddam Hussein via irakisches Fernsehen an sein Volk. Er verurteilte die Angriffe und rief seine Landsleute auf, «ihr Land und ihre Prinzipien» zu verteidigen. Mit dem Angriff auf Irak habe US-Präsident George W. Bush «ein neues Verbrechen» begangen. Irak werde siegreich aus dem Krieg hervorgehen.
«Im Namen des irakischen Volkes versprechen wir unserer Arabischen Nation und unseren Freunden, dass wir gegen die Besatzer kämpfen werden, bis sie die Geduld verlieren.»
IKRK: Völkerrecht einhalten
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat sehr besorgt auf mögliche Folgen des Kriegs gegen Irak reagiert. Mit Blick auf die Zivilbevölkerung appelliert das IKRK an die Kriegsparteien, das Völkerrecht «strikte» zu respektieren.
«Mit Traurigkeit» habe das IKRK zur Kenntnis genommen, dass keine friedliche Lösung der Irak-Krise gefunden wurde, sagte IKRK-Präsident Jakob Kellenberger am Donnerstagmorgen in Genf. Das IKRK sei sehr besorgt über die humanitären Folgen der gegenwärtigen feindlichen Auseinandersetzen. Priorität müsse der Schutz der Opfer haben.
Das IKRK sei bereit zu einem unabhängigen und unparteiischen humanitären Einsatz in Irak. Es zähle daher auf die Konfliktparteien, ihm den Zugang zu allen Personen zu gewähren, die Schutz und Hilfe benötigten.
Das IKRK habe an die Kriegsparteien appelliert, das humanitäre Völkerrecht zu respektieren, sagte Kellenberger. Dessen wichtigste Regel sei die Unterscheidung zwischen Zivilpersonen und Kämpfenden und das Verbot, Zivilisten anzugreifen.
Verwundete müssten geschützt werden, in Gefangenschaft gehaltene Kombattanten dürften nicht misshandelt und müssten gemäss den Genfer Konventionen als Kriegsgefangene behandelt werden.
Das IKRK erinnerte zudem alle Unterzeichner der Genfer Konvention an ihre Verpflichtung, das humanitäre Völkerrecht nicht nur zu respektieren, sondern sich auch für dessen Einhaltung durch andere einzusetzen.
Hauptziel müsse sein, die Folgen des Krieges für alle, die nicht oder nicht mehr an den kriegerischen Handlungen beteiligt sind, zu mildern sowie ihr Leben und ihre physische Integrität zu schützen, sagte Kellenberger.
Der IKRK-Präsident erinnerte zudem daran, dass das humanitäre Völkerrecht «Waffen, die unterschiedslos treffen und/oder unnötiges Leiden verursachen sowie chemische und biologische Waffen» verbietet. Das IKRK forderte die Kriegsparteien zudem auf, keine Atomwaffen zu verwenden.
Das IKRK habe von den Kriegsparteien die Zusicherung erhalten, dass seine Aktivität in Irak akzeptiert werde, sagte Kellenberger weiter. Er erinnerte auch daran, dass die Embleme des roten Kreuzes und roten Halbmondes respektiert werden müssten.
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swissinfo und Agenturen
Die Aussenminister von Frankreich, Russland und Deutschland sagten im UNO-Sicherheitsrat, die USA handelten illegal mit ihrer Attacke auf Irak. China forderte einen sofortigen Stopp der Militäraktion.
Die vier Schweizer Bundesratsparteien haben mit Betroffenheit und Bedauern auf den Kriegsbeginn in Irak reagiert.
In einer Umfrage von SR DRS unterstrichen Spitzenvertreter der Parteien am Donnerstagmorgen die Bedeutung der Neutralität und deren strikter Einhaltung.
FDP-Präsidentin Christiane Langenberger sagte, die USA müssten für diesen Angriff verurteilt werden. Überflugrechte müssten verboten werden.
CVP-Präsident Philipp Stähelin forderte, die Schweiz müsse die Kriegsmaterial-Lieferungen an die kriegsführenden Parteien für die Dauer der Auseinandersetzungen einstellen.
Jegliche Rüstungs-Zusammenarbeit mit den betroffenen Staaten sei abzubrechen, verlangte auch SP-Sprecher Jean-Philippe Jeannerat.
SVP-Präsident Ueli Maurer forderte ebenfalls eine strikte Einhaltung der Neutralität sowie Vorbereitungen für die Zeit nach dem Waffengang.
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