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Verdächtigter Schweizer im Mordfall Aldo Moro verhaftet

Aldo Moro wurde am 16. März 1978 in Rom von den Roten Brigaden entführt und später umgebracht. Keystone

Der 45-jährige Tessiner Alvaro Baragiola- Lojacono ist am Freitag (02.06.) auf Korsika verhaftet und in Auslieferungshaft genommen worden. Er wird der Beteiligung an der Ermordung des italienischen Christdemokraten Aldo Moro im Jahre 1978 verdächtigt.

Nach Angaben der französischen Polizei wurde Baragiola-Lojacono im korsischen Ort Ile-Rousse ohne Gegenwehr am Strand verhaftet. Er soll ehemaliges Mitglied der linksextremen italienischen Terrorgruppe Rote Brigaden sein.

Baragiola-Lojacono war mit internationalem Haftbefehl gesucht worden. Er wird verdächtigt, an der Entführung und Ermordung des christdemokratischen Politikers und vormaligen italienischen Ministerpräsidenten Moro beteiligt gewesen zu sein. Weiter wird er verdächtigt, in Italien an der Ermordung eines rechtsextremen Studenten, eines Richters und eines Polizisten verwickelt gewesen zu sein.

In Schweiz Strafe abgesessen

Der Tessiner wurde im Oktober 1999 aus einem Berner Gefängnis nach der Verbüssung seiner Strafe entlassen. Dort war er seit 1988 inhaftiert wegen seiner Beteiligung an einem Mord an einem Richter, der 1978 in Rom während den so genannten «bleiernen Jahren» des Terrorismus verübt worden war.

Baragiola-Lojacono wurde in Lugano zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe verurteilt. Dieses Strafmass wurde durch das Kassationsgericht auf 17 Jahre reduziert. Nach Absitzung von zwei Dritteln der Strafe kam er bereits seit 1997 in den Genuss der Halbgefangenschaft.

1994 wurde Baragiola-Lojacono auch in Rom in Abwesenheit zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe für seine Beteiligung im Mordfall Moro verurteilt. Wegen seiner Schweizer Herkunft mütterlicherseits konnte Baragiola-Lojacono nicht ausgeliefert werden. Neben dem mütterlichen Namen Baragiola benutzt der ehemalige Terrrorist auch den Namen Lojacono von seinem Vater.

Hintergründe unklar

Auch 22 Jahre nach der Ermordung Moros sind die Hintergründe der Tat nicht aufgeklärt. Moro war am 16. März 1978 von einem Kommando der Roten Brigaden entführt und 55 Tage später ermordet worden.

Seit langem wird spekuliert, dass der Geheimdienst seine Finger im Spiel gehabt haben könnte, möglicherweise weil Moro als Chef der mächtigen Christdemokraten eine historische Einigung mit den Kommunisten anstrebte. Auch die Mafia wurde mit der Tat in Verbindung gebracht.

Rund zwanzig Terroristen der Roten Brigaden waren bereits im Zusammenhang mit Moros Entführung, bei der auch fünf Mitglieder seiner Leibwache getötet wurden, in vier Prozessen zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden. Der letzte Prozess endete erst im Juli 1996.

Der als Urheber der Entführung geltende Mario Moretti hatte im Oktober 1993 gestanden, selbst am 9. Mai 1978 die tödlichen Kugeln auf Moro abgefeuert zu haben.

swissinfo und Agenturen

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