Weitere Vorsichtsmassnahmen gegen SARS
Wer aus einem von SARS betroffenen Land in die Schweiz einreist, sollte noch im Flugzeug einen Fragebogen ausfüllen.
Darin sollte er oder sie unter anderem die Erreichbarkeit während der drei nächsten Wochen angeben. Die Massnahme tritt sofort in Kraft.
Das Ausfüllen des Fragebogens ist allerdings freiwillig. Dies teilt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) im Bundeshaus an der wöchentlichen Medienorientierung über SARS mit. Die Verstärkung des Dispositivs an den Flughäfen Zürich und Genf erfolge auf Rat der Weltgesundheitsorganisation WHO, sagte BAG-Sektionschef Hans Matter.
Damit schliesse die Schweiz eine bisher existierende Lücke. Ihr Schutzdispositiv gegen SARS sei nun vergleichbar mit jenem übriger europäischer Länder.
Auf Rat der WHO dehnt das BAG die Reisewarnungen aus. Die Kantone wurden zudem gebeten, Grossveranstaltungen auf SARS-Risiken zu prüfen.
Keine Angst vor Zahnersatz
Das BAG habe Kenntnis von der am Donnerstag erfolgten Warnung deutscher Zahntechniker vor einer möglichen Ansteckung mit SARS durch aus Asien importierten Zahnersatz, sagte Matter. «Im Moment gibt es keinen Grund anzunehmen, dass durch aus Asien importierte Waren eine Gesundheitsgefährdung besteht.»
Man stütze sich bei dieser Einschätzung auf die Empfehlungen der WHO. BAG-Direktor Thomas Zeltner ergänzte, im Übrigen könne durch blosses Abwaschen importierter Waren das Risiko ausgeschlossen werden.
In Europa Lage «unter Kontrolle»
Zeltner unterschied bezüglich SARS drei Weltregionen. In der Schweiz und in Europa sei die Lage «unter Kontrolle». Seit zehn Tagen sei in der Schweiz kein neuer Verdachtsfall gemeldet worden. Von den bisher 25 Verdachtsfällen habe sich einer – der erste der gemeldeten – als ein wahrscheinlicher SARS-Fall herausgestellt.
«Das ist fast schon wieder etwas Historie», sagte Zeltner. Die Wachsamkeit müsse jedoch unbedingt aufrecht erhalten werden. Das Dispositiv in der Schweiz stehe jedenfalls wie in den EU-Ländern bereit, damit wenn nötig schnelle Massnahmen getroffen werden könnten.
In China verheerend
In China aber verschlechtere sich die Situation jeden Tag. es gebe immer mehr SARS-Ansteckungen. «Von Entwarnung kann keine Rede sein.» Das für die übrige Welt Wichtigste funktioniere aber in China: Die Kontrollmassnahmen bei der Ausreise möglicher SARS-Patienten an den Flughäfen vor dem Abflug seien wirksam.
Ein sehr hohes Gesundheitsrisiko stelle SARS in der Dritten Welt dar. In solchen Ländern wäre eine Ausbreitung von SARS verheerend, da sie über keine ausgebauten Gesundheitssysteme und über keine Ressourcen für die Isolierung Erkrankter oder möglicher Erkrankter verfügten.
«Gar keine Ahnung» habe man, welche Auswirkungen eine SARS-Infektion bei Personen mit vorgeschädigter Gesundheit habe, insbesondere durch HIV/Aids. Das gebe Anlass zu grosser Sorge, sagte der BAG-Direktor.
150 Mal tödlicher als Grippe
Die Tödlichkeitsrate von SARS sei von 5 auf 15 Prozent nach oben korrigiert worden. Dabei gebe es einen deutlichen Altersgradienten: Zwischen 0 und 24 Jahren liege die Mortalitätsrate unter 1 Prozent, für 25- bis 44-Jährige betrage sie 6 Prozent, für 45- bis 64-Jährige 15 Prozent und für über 65-Jährige 50Prozent.
Damit sei SARS 150 Mal tödlicher als eine herkömmliche Grippe, wie sie diesen Winter der Schweiz grassierte, sagte Zeltner. Gemäss Matter wurden bisher in 29 Ländern total 6903 SARS-Fälle – über 90 Prozent davon in China und Hongkong – registriert. Darunter sind 495 Todesfälle.
swissinfo und Agenturen
Vom 1. November 2003 bis am 6. Mai 2003 sind laut WHO weltweit offiziell 478 Menschen an SARS gestorben, davon 407 in China und Hongkong.
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