Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

Libanon: Evakuierung für Schweizer misslungen

Am Montag wurden hunderte Menschen mit Schiffen aus Beirut evakuiert.

(Keystone)

Statt 40 Schweizer Bürgerinnen und Bürger konnten am Montagabend nur eine Frau und zwei Kinder Beirut auf einem griechischen Schiff Richtung Zypern verlassen.

Die israelische Armee hat die Abfahrt des Schiffes beschleunigt, da sie befürchtete, die Sicherheit wegen der hereinbrechenden Nacht nicht garantieren zu können.

Die von Frankreich gecharterte Fähre hat den Hafen von Beirut spätabends verlassen und ist am Dienstag Morgen in Zypern angekommen.

Von den 1250 Personen, die Beirut verlassen wollten, waren erst 900 Passagiere an Bord, als das Schiff ablegte.

Auch rund 40 Schweizer, die auf das Schiff wollten, sind schliesslich in Beirut zurückgeblieben.

Laut dem Eidgenössischen Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat die israelische Armee Sicherheitsgründe geltend gemacht, um die Abfahrt des Schiffes wegen der hereinbrechenden Nacht zu beschleunigen.

Weitere Reisemöglichkeiten würden derzeit sowohl auf dem Landweg nach Syrien als auch auf dem Seeweg organisiert. Laut François Barras, Schweizer Botschafter in Beirut, warten weiterhin "Hunderte von Schweizern" darauf, Libanon zu verlassen.

400 weitere wollen weg

Am Montagmorgen hätten rund 400 ausreisewillige Personen die Botschaft kontaktiert, sagte Barras gegenüber dem Westschweizer Radio TSR. Es sei nicht möglich, alle Personen in den nächsten Stunden zu evakuieren. "Alle werden Libanon aber noch diese Woche verlassen können", versicherte der Botschafter jedoch.

Die Situation im Libanon sei im Süden des Landes besonders Besorgnis erregend. Bei den Flüchtenden aus diesem Gebiet handle es sich vor allem um schweizerisch-libanesische Doppelbürger. "Einige von ihnen haben alles verloren", sagte Barras.

Verstärkung der Botschaften

Gemäss EDA wurden zur Unterstützung Konsularmitarbeiter nach Beirut entsandt. Die Schweizer Botschaft betreue ihre Bürger seit letztem Donnerstag rund um die Uhr mit Informationen und Ratschlägen. Die Botschaft in Beirut bleibe trotz der Eskalation des Konfliktes weiter geöffnet, versicherte das EDA.

Bereits am vergangenen Wochenende konnten 136 Schweizerinnen und Schweizer in zwei Konvois Libanon auf dem Landweg Richtung Syrien verlassen.

Eine dritte Gruppe von rund 40 Personen wird in Zusammenarbeit mit dem französischen Evakuierungs-Programm vorerst in die zyprische Hafenstadt Limassol gebracht. Auch in den kommenden Tagen sollen in Zusammenarbeit mit Frankreich und Italien weitere Ausreisen auf dem Seeweg erfolgen.

Botschaften belagert

Botschaften und internationale Organisationen in Beirut werden derzeit regelrecht belagert von Hilfesuchenden, die evakuiert werden wollen. So auch die deutschsprachige Evangelische Gemeinde in Beirut.

"Viele reagieren panisch und wollen so schnell wie möglich aus Libanon raus", berichtete deren Pfarrer Uwe Weltzien. "Es gibt Menschen, die das psychisch nicht mehr durchstehen", erklärte er am Montag.

Keine Entspannung

Als kleinen Hoffnungsschimmer schlug UNO-Generalsekretär Kofi Annan am Montag am Rande des G-8-Gipfels in St. Petersburg den Einsatz einer UNO-Stabilisierungstruppe als Puffer zwischen Israel und Libanon vor. Israel seinerseits wies die Idee einer UNO-Truppe zum jetzigen Zeitpunkt umgehend zurück.

Israel wolle seine Offensive im Libanon so lange fortsetzen, bis die radikalislamische Hisbollah keine Bedrohung für das Land mehr darstelle, kündigte der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert am Montagabend im Parlament in Jerusalem an. Die Militäroperation "Gerechter Preis" sei ein "Akt der Selbstverteidigung in seiner wesentlichsten Natur", sagte Olmert.

Die Europäische Union zeigte sich unterdessen grundsätzlich bereit, sich an einer UNO-Friedenstruppe im Nahen Osten zu beteiligen und stellte fünf Millionen Euro Soforthilfe zur Verfügung.

swissinfo und Agenturen

Fakten

838 Schweizer Staatsangehörige leben in Libanon.
713 sind schweizerisch-libanesische Doppelbürger.
Im Moment befinden sich einige hundert Schweizer Touristen in Libanon.
Besorgte Angehörige in der Schweiz können sich an den konsularischen Schutz in Bern wenden, Telefon +41 31 324 98 08.

Infobox Ende

In Kürze

Israel hat die radikalislamische Hisbollah-Miliz im Libanon ursprünglich wegen der Entführung von zwei israelischen Soldaten angegriffen.

Am sechsten Tag der israelischen Angriffe mit inzwischen mehr als 200 Todesopfern setzte sich der Exodus aus dem Libanon fort.

Weil der Flughafen und die Autobahn nach Syrien zerstört sind, hoffen nun viele Menschen auf die Evakuierung mit einem Schiff.

Infobox Ende


Links

Neuer Inhalt

Horizontal Line


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.

swissinfo DE

Aufruf, der Facebook-Seite von swissinfo.ch beizutreten

Treten Sie unserer Facebook Seite auf Deutsch bei!

×