Maillot Jaune aus dem Appenzellerland

Zum siebten Mal darf Lance Armstrong bereits das gelbe Trikot behalten. Keystone

Wenn der US-Radprofi Lance Armstrong am Sonntag als Gesamtsieger der Tour de France in Paris einfährt, trägt er einen Schweizer Stoff auf der Haut.

Dieser Inhalt wurde am 21. Juli 2005 - 13:59 publiziert

Das dünne Gewebe der Radfahrer-Trikots, darunter auch das begehrte Maillot Jaune, wird im Appenzellerland gestrickt.

Armstrong, Ullrich, Winokurow, Cancellara: Sie haben sich mit ihren Berufskollegen während der letzten drei Wochen am härtesten Radrennen der Welt gemessen.

Den Fahrern wurde alles abverlangt. Bis zur Erschöpfung traten sie 20 Tage lang in die Pedale; sie fuhren in den Alpen und den Pyrenäen Pässe hoch und hernach mit berauschendem Tempo wieder talwärts.

Trikot-Stoff aus Appenzell

Und das taten sie bei jedem Wetter; Sonne und hohe Temperaturen am Meer, Schauer und Kälte in den Bergen. Nicht nur die Fahrer wurden aufs Äusserste geprüft - auch ihre Kleider.

Der Stoff, aus dem die Trikots gemacht sind, kommt aus dem Appenzellerland, produziert von der 1927 gegründeten Christian Eschler AG mit Sitz in Bühler im Kanton Appenzell Ausserrhoden.

Am Hauptsitz der Firma, die von Peter und Alex Eschler in der dritten Generation geführt wird, arbeiten rund 120 Personen; sie veredeln Textilien, die im Werk Münchwilen (Thurgau) von 30 Angestellten und mit der Hilfe moderner Maschinen gestrickt und gewirkt werden.

In Bühler wird der Stoff gefärbt, gestärkt, bedruckt und kontrolliert, ehe er zu den Schneidern und Konfektionären geht. Weit mehr als 90% der Produktion wird laut Marketingleiter Martin Lüchinger exportiert: nach Osteuropa, nach Fernost, etwas geht in die USA. Auch die US-Sportfirma Nike ist Eschler-Kundin.

Nicht nur für Radfahrer

"Wir stellen funktionelle Textilien her", sagt Lüchinger. Gemeint sind Stoffe, die Wasser abweisen, Schweiss durchlassen, windschlüpfrig sind, warm geben, reflektieren, dehnbar sind.

Die Stoffe finden sich genauso im Sport (Rad, Ski, Leichtathletik, Bob) wie im Strassenbau, im Operationssaal und in der Dessousmode.

Bekannt wurde die Firma durch die Herstellung von Stoffen für Skirennanzüge. Die so genannten "Fischhäute" wurden Ende der 1960er-Jahre vom Internationalen Skiverband (FIS) nicht als taugliche Wettkampf-Kleidung akzeptiert. Das änderte sich schnell.

Anfang der 1970er-Jahre ging Eschler eine Kooperation mit dem japanischen Sportkleider-Hersteller Descente ein. An den Olympischen Winterspielen 1972 in Sapporo fuhren einige Abfahrer und Abfahrerinnen erstmals in uni gefärbtem Drei-Lagen-Laminat kombiniert mit Maschenware, die in Bühler produziert worden war.

Weltweiter Ausrüster

1982, an den Olympischen Winterspielen in Sarajewo, wurde Descente endgültig zu einer Weltmarke: Die von den Japanern ausgerüsteten Fahrerinnen und Fahrer dominierten alle Disziplinen, bei denen es auf die Schnelligkeit ankommt. Und wieder hatten die Entwickler der aus dem Appenzellischen ihre Finger im Spiel gehabt.

Gegenwärtig tragen die Athletinnen und Athleten sämtlicher Ski-Nationalmannschaften Rennanzüge aus der Eschler-Produktion.

swissinfo und Daniel Wirth, sda

Fakten

Die Tour de France besteht aus 21 Etappen und führt über eine Länge von 3607 km.
Davon sind 9 Flach-Etappen, 3 mittelschwere und 6 schwere Bergetappen.
Dazu kommen 2 individuelle und 1 Mannschafts-Zeitfahren.

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