Mario Annoni wird neuer Chef von Pro Helvetia

Der neu gewählte Leiter der Kulturstiftung Pro Helvetia, Mario Annoni. Keystone

Der Berner Mario Annoni wird der neue Präsident des Kulturstiftung Pro Helvetia. Er folgt auf die Waadtländerin Yvette Jaggi.

Dieser Inhalt wurde am 19. Oktober 2005 - 11:24 publiziert

Auf den neuen Stiftungs-Leiter warten wichtige Herausforderungen, denn Pro Helvetia ist von der Hirschhorn-Affäre gezeichnet.

Der Bundesrat hat mehr als einen Drittel der von 35 auf 25 reduzierten Mitglieder des Stiftungsrats dieses wichtigen Trägers der Kulturförderung neu gewählt. Pro Helvetia ist die Kulturförderungs-Institution des Bundes im Ausland.

Mario Annoni ist Bern-Jurassier und Mitglied der Freisinnig-Demokratischen Partei (FDP). Der 51-jährige Fürsprecher ist derzeit amtsältester Berner Regierungsrat und Präsident der Regierung des Kantons Bern.

Annoni tritt im Frühling 2006 von der Regierung zurück

Der FDP-Politiker wurde 1990 gewählt und führte zu Beginn seiner Regierungstätigkeit die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion. Später übernahm er die Erziehungsdirektion. Er tritt im kommenden Frühling von seinem Amt zurück, wird also für sein neuen Amt als Pro-Helvetia-Präsident Zeit haben.

Als Erziehungsdirektor ist Annoni bereits mit den Kultur-Dossiers seines Kantons vertraut. Er sitzt auch in mehreren Stiftungen des Kultur- und Bildungsbereichs, wie in der Stiftung Zentrum Paul Klee. Damit erfüllt er das Anforderungs-Profil eines erfahreren Exekutiv-Politikers mit Nähe zur Kultur.

Die bisherige Stiftungspräsidentin Yvette Jaggi muss abtreten, da sich ihre Amtszeit wegen einer gesetzlich vorgegeben Maximaldauer nicht verlängern lässt. Die ehemalige Stadtpräsidentin von Lausanne sass 1979 bis 1987 für die Sozialdemokratische Partei (SP) im National- und dann bis 1991 im Ständerat.

Interne Querelen in den letzten Jahren

Unter ihrer Ägide hatten sich bei Pro Helvetia in den letzten Jahren interne Querelen ergeben. So strafte das Parlament auf Betreiben des Ständerats nach einem grossen, öffentlich ausgetragenen Krach wegen einer Ausstellung von Thomas Hirschhorn in Paris die Stiftung mit einem um eine Million Franken gekürzten Budget.

Die Stiftung Pro Helvetia ist neben dem Bundesamt für Kultur (BAK) der wichtigste Träger der Kulturförderung des Bundes. Die Stiftungsräte werden jeweils vom Bundesrat auf Vorschlag des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI) für eine Amtsperiode von vier Jahren ernannt.

Die laufende Amtsperiode endet mit dem Jahr 2005, somit muss der Stiftungsrat auf Anfang 2006 neu designiert werden.

Befristetes Mandat

Der Entwurf des Pro-Helvetia-Gesetzes sieht eine weitere Reduktion der bereits von 35 auf 25 reduzierten Mitglieder des Stiftungsrats auf 9 vor. Das Mandat der am Mittwoch gewählten Mitglieder ist somit befristet bis zum Inkrafttreten des neuen Gesetzes. Dieses ist noch in der Vernehmlassung (Konsultations-Verfahren) und sollte 2008/2009 umgesetzt werden.

Die Zusammensetzung des Stiftungsrats von Pro Helvetia richtet sich nach den persönlichen Kompetenzen der Mitglieder, einer ausgewogenen Vertretung von Frauen und Männern sowie der verschiedenen Sprachregionen und Kulturbereichen des Landes.

Der Stiftungsrat regelt, unter Leitung des Präsidenten, seine Organisation selbst.

Reaktionen der Parteien und des Bundesrats

Die Nomination von Annoni ist von seiner eigenen Partei, der FDP, ebenso wie von der SP und der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP) begrüsst worden. Nicht geäussert hat sich die Schweizerische Volkspartei (SVP).

Die FDP ist der Meinung, dass Annoni der geeignete Mann sei, die Pro Helvetia zu reformieren. Laut SP gilt der dreisprachige Annoni als kompetente Person mit Regierungserfahrung.

Gemäss CVP ist Annoni "keine schlechte Wahl", da er das entsprechende Kultur-Profil besitze. Dennoch hafte der Wahl etwas der Geschmack von "Kollegenschaft" an, sagte CVP-Sprecherin Monika Spring - Annoni und Kulturminister Pascal Couchepin sind Parteikollegen und beides Romands.

Annoni sei ein "Modellschweizer", sagte Couchepin zu Annonis Ernennung: Der Romand wirke in einem überwiegend deutschsprachigen Kanton und beherrsche vom Grossvater her auch die italienische Sprache. Zwischen seinem Wohnort La Neuveville und seinem Arbeitsort in Bern überschreite er jeden Tag die Sprachgrenze.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Die Stiftung Pro Helvetia hat die Aufgabe, das schweizerische Kulturschaffen zu fördern und die kulturellen Beziehungen mit dem Ausland zu pflegen.
Pro Helvetia hat 2004 rund 24 Mio. Franken für Kulturprojekte ausgegeben.
11 Mio. davon in der Schweiz, 13 Mio. im Ausland.
2004 hat sie 4190 Kulturprojekte unterstützt, rund die Hälfte davon in der Schweiz selbst.
Im Frühling 2005 wurde das Budget nach einer Strafaktion des Ständerats um eine auf 33 Millionen Franken gekürzt.
Die Betriebskosten waren schon vorher um 2,5 auf 10,5 Mio. Franken gekürzt worden.

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In Kürze

Neben dem Bundesamt für Kultur (BAK) ist die Stiftung Pro Helvetia der wichtigste Träger der Kulturförderung des Bundes.

Sein Stiftungsrat wird von der Landesregierung (Bundesrat) ernannt, auf Vorschlag des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI).

Die Amtsperiode dauert vier Jahre.

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