Max Göldi: Appell an Gaddafi-Sohn?
Die Situation des in Libyen inhaftierten Schweizers Max Göldi ist nach zwei Monaten Gefängnis, der Halbzeit seiner Haft, unverändert. Göldi soll sich in einem "Offenen Brief" an einen Gaddafi-Sohn als "Politischen Gefangenen" bezeichnet haben.
Auf der Webseite der Zeitung Olea soll Max Göldi am Dienstagabend einen Appell an Seif al-Islam, einen Sohn von Oberst Muammar Gaddafi veröffentlicht haben. In einem «Offenen Brief» bezeichnet sich der Schweizer als «Politischen Gefangenen». Er fordert, umgehend in die Schweiz zurückkehren zu dürfen.
Ein Sprecher der Schweizer Sektion von Amnesty International zeigte sich am Mittwoch verwundert, dass es einen neuen Brief Göldis geben soll. Davon sei weder Amnesty noch der Familie Göldis etwas bekannt. Der Anwalt des Schweizers war zunächst nicht zu erreichen.
Göldi befindet sich nach Angaben von Amnesty International noch immer in einer Zelle ohne Fenster. Zumindest könne er täglich wenigstens eine Stunde an die frische Luft in den Hof. Göldi erhalte auch regelmässig Besuch von Vertretern der Schweizer Botschaft in Tripolis und seinem Anwalt.
Zurzeit gebe es keine Hinweise darauf, dass Göldi, der seit dem 22. Februar im Gefängnis ist, frühzeitig freikomme. Es sei zu befürchten, dass er die volle viermonatige Strafe absitzen müsse und erst im Juni freikomme.
Seit fast zwei Jahren wird Göldi in Libyen festgehalten. Er ist Opfer der Spannungen zwischen der Schweiz und Libyen. Der ABB-Mitarbeiter wurde zusammen mit Rachid Hamdani, einem weiteren inzwischen freigelassenen Schweizer Geschäftsmann tunesischer Abstammung wegen angeblicher Verstösse gegen Einwanderungs- und andere Gesetze festgenommen.
Im ersten Interview seit seiner Freilassung erzählt Hamdani in der Waadtländer Wochenzeitschrift Illustré über die langen Monate, die er zusammen mit Göldi in Tripolis verbrachte, über Hoffnungen und Enttäuschungen und über seine Freilassung.
«Es ist nicht gut gelaufen. Max hätte mir drei oder vier Tage nach meiner Abreise folgen sollen», sagte er.
Auch wenn es nichts bringe, ständig über das Geschehene zu grübeln, ist für Hamdani klar: «Ich kann erst richtig vergessen, wenn Max zurück ist.»
swissinfo.ch
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