Schweizer Perspektiven in 10 Sprachen

Brauchen Sie einen diplomatischen Boten? Die Schweiz kann helfen 

cartoon mit zwei Männern auf Hochseil über der Erdkugel
Philip Schaufelberger

Mit allen Parteien reden, um “Vertrauen zu schaffen”, ist eine lange Tradition der Schweizer Diplomatie. In den letzten Jahren hat Bern seine sogenannten Schutzmachtmandate fast verdoppelt. Wie erklärt sich das wiederaufkommende Interesse an dieser Politik der Guten Dienste? 

“Sie kommen zu uns und wollen, dass wir zwischen zwei Ländern vermitteln, die nicht mehr miteinander reden”, sagte Pascale Baeriswyl, damals Staatssekretärin im Aussendepartement, im Dezember 2019 gegenüber SWI swissinfo.ch. Das sei ein Zeichen unruhiger Zeiten, es gebe “viele Brennpunkte in der Welt”, wo Länder ihre bilateralen Beziehungen zurückstuften. 

Die Schweiz hat derzeit sieben Schutzmachtmandate, so die offizielle Zählweise. Nach Schweden, das die fremden Interessen in neun Fällen wahrt, steht Bern international an zweiter Stelle. Dabei konzentrieren sich die Schutzmachtmandate Schwedens alle auf Nordkorea. 

Als Schutzmacht übernimmt die Schweiz in der Regel einen Teil der konsularischen Aufgaben, wenn zwei Staaten ihre Beziehungen ganz oder teilweise abbrechen. Darunter fällt beispielsweise die Ausstellung von Visa. Das Mandat kann auch Verhandlungen erleichtern. 

Mehr

Während der Amtszeit Baeriswyls begann die Schweiz, die diplomatischen Interessen Saudi-Arabiens im Iran zu vertreten und umgekehrt. Sie vertritt auch den Iran in Kanada, während die Interessen Kanadas im Iran von Italien vertreten werden. 

Bern hat auch eine Vereinbarung über ein Schutzmachtmandat für die USA in Venezuela unterzeichnet. Allerdings hängt dessen Umsetzung von der Zustimmung aus Caracas ab und bis jetzt hat die Regierung von Nicolas Maduro das Mandat nicht bestätigt.   

Zusätzlich zu diesen neuen Mandaten vertritt die Schweiz seit 1979 den Iran in Ägypten, seit 1980 die USA im Iran, seit 2008 Russland in Georgien und seit 2009 Georgien in Russland. 

Mehr
karte

Mehr

Je diskreter, desto besser

Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht Wie bleiben Erzfeinde im Kontakt? Die neutrale Schweiz hilft im Rahmen von Schutzmacht-Mandaten, den Gesprächsfaden nicht abreissen zu lassen.

Mehr Je diskreter, desto besser

Die Guten Dienste der Schweiz gehen zurück ins 19. Jahrhundert. Diese Rolle der “Briefträgerin” ist seither immer wichtiger geworden. Während des Zweiten Weltkrieges jonglierte Bern mit 219 Mandaten von insgesamt 35 Regierungen, darunter jene der wichtigsten Kriegsmächte. Aufgrund der Neutralität wuchsen die Schweiz und Schweden damals zu den bevorzugten Schutzmächten heran. 

Über mehrere Jahrzehnte hinweg spielten Schweizer Diplomaten auch eine entscheidende Rolle bei der Entschärfung der Kuba-Krise 1962 und der US-Geiselkrise im Iran zwischen 1979 und 1981.  

Mehr

In jüngerer Zeit erleichterte die Schweiz im Dezember 2019 einen Gefangenenaustausch zwischen den USA und dem Iran – eine seltene Entspannung in den sich sonst eher verschlechternden Beziehungen. 

Im April des gleichen Jahres hatte sie dazu beigetragen, die Freilassung eines US-Bürgers aus einem Gefängnis in Venezuela zu erreichen.  

Externer Inhalt

Welchen Nutzen hat die Schweiz? 

Auf die Frage, ob die Schweiz für die Bereitstellung der Guten Dienste bezahlt wird, antwortet das Aussenministerium, dass nur die Unkosten bezahlt würden. Warum also übernimmt Bern solch komplexe Aufgaben? 

“Erstens wollen wir helfen”, sagte der ehemalige Schweizer Botschafter im Iran, Philippe Welti, gegenüber swissinfo.ch im Jahr 2013. “Das mag naiv klingen, ist aber sicher wahr.” 

Aber es ist mehr als das, wie Welti sagt: “Es ist zweitens eine gute Möglichkeit, sich bei anderen Staaten als nützliche Einheit in Erinnerung zu halten. In Kriegen drohen Unbeteiligte marginalisiert zu werden. Das war im Zweiten Weltkrieg besonders dramatisch, weil diese Marginalisierung in eine feindliche Haltung gegenüber der Schweiz umschlug.” 

Mehr

Mehr

“Gute Dienste sind stets auch im eigenen Interesse”

Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht Im Gespräch mit swissinfo.ch  sagt der Ex-Diplomat auch, welche die grössten Fehler von Staaten sind, die in einen Konflikt involviert sind. swissinfo.ch: Die Zahl der Schutzmachtmandate der Schweiz ist in den letzten Jahrzehnten drastisch gesunken. Weshalb?  Philippe Welti: 1940 bis 1945 herrschte weltweit Krieg, insbesondere aber in Europa. Genau in solchen Situationen sind Schutzmachtmandate absolut…

Mehr “Gute Dienste sind stets auch im eigenen Interesse”
Mehr
Maurer geht auf einem roten Teppich an einer Militärgarde vorbei.

Mehr

Ueli Maurers brisante Auslandreisen

Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht Der Bundespräsident trifft Kremlchef Putin in Moskau. Es ist die vierte Reise in seinem Präsidialjahr, die viel zu reden gibt. Eine Übersicht.

Mehr Ueli Maurers brisante Auslandreisen

Auch erhält die kleine Schweiz so scheinbar etwas Einfluss mit Blick auf die aktuellen Supermächte dieser Welt. Erst im vergangenen Jahr stand die Schweiz plötzlich gross auf dem diplomatischen Radar der USA und es kam zu einem Treffen zwischen Präsident Donald Trump und dem damaligen Bundespräsidenten Ueli Maurer im Mai 2019. 

Mehr

Mehr

Trump braucht Schweizer Hilfe beim Iran-Konflikt

Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht Der Schweizer Bundespräsident reist express nach Washington. Er wird Trump erklären müssen, was die Schweiz im Iran tun kann – und was nicht.

Mehr Trump braucht Schweizer Hilfe beim Iran-Konflikt
Mehr

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft