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Erbitterter Kampf um den Kakao der Elfenbeinküste



Geht eine Sperre für Kakaobohnen au s der Elfenbeinküste zu Lasten der einzelnen Bauern?

Geht eine Sperre für Kakaobohnen au s der Elfenbeinküste zu Lasten der einzelnen Bauern?

(Keystone)

Aktivisten fordern westliche Schokoladeproduzenten auf, keinen Kakao mehr aus der Elfenbeinküste zu beziehen, solange die Exporte durch den ehemaligen Präsidenten Laurent Gbagbo kontrolliert werden.

Letzte Woche ordnete Alassane Outtara, der die Präsidentschaftswahlen eigentlich gewonnen hat, einen einmonatigen Stop der Kakaoexporte an. Er wollte damit seinem Konkurrenten um den Präsidentschaftsitz die wirtschaftliche Grundlage entziehen. Schweizer Schokoladeproduzenten spielen währenddessen ihre Rolle herunterr.

Die Online-Aktivisten Avaaz. org-Gruppe hat letzten Samstag in der Financial Times eine Anzeige veröffentlicht, in der sie den Schweizer Nahrungsmittelgiganten Nestlé und andere führende Schokoladenfabriken aufforderte, einen Bürgerkrieg in der Elfenbeinbeinküste verhindern zu helfen, indem sie Kakao von – wie sie es nannten – "Laurent Gbagbos illegalem Regime" ablehnen.

"Wir lancierten diese Kampagne vor zwei Wochen. 250'000 Personen haben den Schokoladenfirmen Nachrichten geschickt. Grosse Firmen wie Cargill haben eingewilligt, aufzuhören 'Konflikt-Kakao' zu beziehen" , sagte die Aktivistin Brianna Cayo Cotter gegenüber swissinfo.ch.

Zehntausende Mails

"Ich kenne einen Schokoladenhersteller, der innerhalb einiger Stunden, nachdem die Kampagne lanciert worden war, zehntausende E-Mails erhalten hat. Ich glaube, die Kampagne ist nicht mehr nötig. Ich habe gehört, dass 80 bis 90 Prozent der Kakaobohnen im Land bleiben", sagte Franz Schmid, der Direktor von Chocosuisse, dem Dachverband, der Schweizer Schokoladenhersteller repräsentiert zu swissinfo.ch.

Letzte Woche haben die sechs grössten Kakaoexporteure Outtaras Aufruf zu einem Exportstopp angeblich befolgt.

Schmid sagte, Outtaras Sperre habe keinen grossen Einfluss auf die Schweizer Schokoladenproduzenten.

"Es ist nicht unsere Hauptsorge, dass jemand Kakaobohnen aus der Elfenbeinküste importiert: es gibt nur drei oder vier Gesellschaften, die betroffen sind, und diese kaufen dort nur einen kleinen Teil ihrer Ware ein", sagte er zu swissinfo.ch.

Gemäss Chocosuisse haben die Schweizer Schokoladeproduzenten vier Prozent aller Kakaobohnen, die gebraucht wurden, aus der Elfenbeinküste bezogen. Dies sind 1727 Tonnen. Die Elfenbeinküste ist der weltweit grösste Kakaoproduzent.

In den letzten fünf Jahren hat der Anteil der Schweizer Importe aus der Elfenbeinküste dramatisch abgenommen. Wegen Qualitätsproblemen ging der Anteil von 24 auf 3,5 Prozent zurück. Dazu kamen Vorfälle wie Kinderarbeit, schlechte soziale Bedingungen und der Bürgerkrieg, sagte Schmid.

Nicht fair

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé sagte, er kaufe keinen Kakao aus der Elfenbeinküste. kritisierte aber die Kampagne als unfair gegenüber afrikanischen Bauern.

Barry Callebaut, der weltweit grösste Schokoladehersteller, ist der Meinung, dass mehr Abklärungen zu der Kakaoexportsperre nötig seien.

Caobisco, der Europäische Verband für Schokolade, Biscuit und der Süsswarenindustrie, zu dem Barry Callebaut gehört, sagt, die Hauptsorge sei die Beschaffung des Rohmaterials.

"Unsere Kunden haben Verträge mit Lieferanten", sagt die Sprecherin Sabine Nafziger gegenüber der Zeitung Le Temps. "Wir beobachten die Entwicklung dieser heiklen Situation. Wir machen uns Sorgen, welches Nachspiel eine Sperre für die Einkommen der Farmer haben."

Regime gestützt

2007 beschreibt ein Bericht der Nichtregierungs-Organisation Global Witness, wie das Geld vom internationalen Kakaohandel zur Finanzierung sowohl der Rebellen als auch der Regierung während des Bürgerkrieges in der Elfenbeinküste von 2002 bis 2003 verwendet wurde.

Global Witness prüft, ob Geld aus dem Kakaohandel immer noch zur Unterstützung von Gbagbos Regime dient.

"Die Sorge um den Kakaosektor hat sich nicht erledigt. Es ist zu befürchten, dass Gbagbo nun das Geld aus dieser Industrie benutzt, um seine Aktivitäten zu finanzieren. Und die Angst vor einem neuen Bürgerkrieg wächst", schreibt Global Witness in einer Stellungnahme.

"Die Steuern für Kakao waren für lange Zeit eine Hauptfinanzierungsquelle seines Regimes, und es besteht die Gefahr, dass gestohlenes Geld aus diesem Sektor verwendet wird, um die Milizen zu finanzieren, die nun Teile der Bevölkerung terrorisieren," fügte der Global Witness-Forscher Daniel Balint-Kurti an.

"Firmen sollten die Sperre respektieren und sofort publizieren, wievele Steuern und Abgaben sie für Kakao bezahlt haben. So kann dieses Geld ausfindig gemacht werden."

Machtkampf in der Elfenbeinküste

Seit zwei Monaten weigert sich der abgewählte Präsident Laurent Gbagbo, die Macht an den von der internationalen Gemeinschaft unterstützten Wahlsieger Alassane Ouattara zu übergeben.

Gbagbos Anhänger blockieren Ouattaras Hauptquartier in einem von 900 UNO-Blauhelmen geschützten Hotel in der Hafenstadt Abidjan.

Die Afrikanische Union (AU) und die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas haben die Mitgliedschaft der Elfenbeinküste ausgesetzt, so lange Gbagbo die Macht nicht abgibt.

Seit Beginn des Konflikts sind nach UNO-Angaben mehr als 270 Menschen getötet worden, Zehntausende flohen vor allem ins benachbarte Liberia.

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Kakao

Der westafrikanische Staat ist mit einem Anteil von 32% der weltgrösste Kakaoproduzent.

Letztes Jahr produzierte das Land 1,2 Millionen Tonnen. Der Beitrag von Kakao und Kaffee an das Bruttoinland-Produkt (BIP) beträgt 40%.

Laut Experten könnte die Wirkung eines einmonatigen Boykotts nur 100'000 bis 200'000 Tonnen Kakao betreffen, denn der grösste Teil der jüngsten Ernte ist bereits in die Häfen transportiert und daher nicht betroffen.

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Schweizer Schokolade

Der Verkauf von Schweizer Schokolade ist im letzten Jahr zum ersten Mal in 6 Jahren gesunken, um 5,9%.

Die Verkäufe sanken 2009 auf 174'109, der Umsatz mit Schweizer Schokolade sank um 6,4% auf 1,7 Mrd. Franken.

60,7% der gesamten Produktion wurden im Ausland abgesetzt, etwas mehr als im Jahr zuvor (60,3%).

Der Verkaufsrückgang wird der Wirtschaftskrise zugeschrieben, aber auch dem Rückgang von Touristen in der Schweiz und dem starken Schweizer Franken.

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(Übertragen aus dem Englischen: Eveline Kobler), swissinfo.ch


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