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Secondos im Schosse der rechtskonservativen SVP

Die SVP verspricht Schweizer Qualität, und spricht junge Ausländer an.

Der Schweizerischen Volkspartei werden auch fremdenfeindliche Töne nachgesagt. Dennoch zieht die SVP auch junge Ausländer in den politischen Bann. Auf den Spuren eines politischen Paradoxes.

Sie heissen Aleksandar, Naveen, Anastasia, Shanky oder Shahid. Ihre Namen und Hautfarben zeugen von ihren Wurzeln aus verschiedenen Ländern und Kontinenten.

Ihr gemeinsamer Nenner: Sie alle sind Mitglied der SVP, der Partei, die den Ruf hat, Ausländern gegenüber am feindlichsten gesinnt zu sein.

"Wir haben nichts gegen die Ausländer. Der Beweis: Wir heissen sie mit offenen Armen willkommen!", heisst es von der Parteispitze bis hinunter in die lokalen Sektionen.

Zumindest die Secondos, die jungen Nachfahren von Einwanderern, sind bei der rechtskonservativen Partei willkommen.

"Wir haben zwar keine genauen statistischen Angaben, aber das Phänomen existiert tatsächlich", bestätigt Silvia Bär vom Zentralsekretariat der Partei in Zürich.

In den 20 Jahren, in denen sie die Schweizer Politik verfolge, habe sie noch nie so viele junge Menschen ausländischer Herkunft an Parteiversammlungen gesehen, sagt Bär.

Gefundenes Fressen

Die Tendenz sei in der Deutschschweiz stärker ausgeprägt als in der Westschweiz, sagt Vizepräsident Yvan Perrin. "Wir haben keine spezielle Strategie, diesen Teil der Bevölkerung abzuholen. Vielmehr kommen sie von sich aus, weil sie von den Werten überzeugt sind, für die wir eintreten", so der Neuenburger.

Shanky Wyser, Solothurner indischer Abstammung, steht voll hinter der SVP-Initiative zur Ausschaffung krimineller Ausländer. "Alle kriminellen Ausländer müssen ausgeschafft werden. Wir wollen strengere Gesetze gegen die Kriminalität", schreibt er auf seiner Facebook-Seite.

Die Partei könnte sich nichts besseres wünschen als die Schützenhilfe der jungen Aktivisten mit Migrationshintergrund. "Wie andere Schweizer auch respektieren sie unsere Gesetze. Und sie wünschen, dass die Qualitäten der Schweiz, derentwegen sie hierhergekommen sind, erhalten werden", sagt Daniel Schär, Präsident einer SVP-Sektion aus dem Kanton Freiburg. Dieser gehört auch Shahid Chowdhury an, Gemeinderat in Galmiz in der Nähe des Murtensees, das 600 Einwohner zählt.

Der Linken das Wasser abgraben

Nenad Stojanovic, Politologe und ehemaliger Berater von Bundesrat Moritz Leuenberger, vermutet hinter dem Phänomen ein "wahltaktisches Manöver und politisches Marketing der SVP".

Dabei sei wichtig, dass junge Ausländer von allen Parteien willkommen geheissen würden, postuliert Stojanovic. So gesehen sei die Haltung der SVP eher eine gute Nachricht.

Der Tessiner mit Wurzeln in Ex-Jugoslawien hat in der Sozialdemokratischen Partei eine steile Karriere gemacht, in der er innerhalb eines Jahres von der Sektion Lugano ins nationale SP-Sekretariat aufgestiegen war.

Neben der politischen Forderung nach Ausschaffung wollen die neuen SVP-Aktivisten auch Bastionen erobern, die bisher das Hohheitsgebiet anderer Parteien waren.

Zielgruppe Secondos - wie ansprechen?

In Renens etwa, einer traditionell linken Vorortsgemeinde von Lausanne, erfolgte die Gründung einer SVP-Sektion ausgerechnet durch drei junge Ausländer. 2011 will die Rechtspartei dann in die Gemeindewahlen eingreifen.

"Wir haben ein rund 30-seitiges Handbuch ausgearbeitet, mit dem wir die Lokalsektionen anweisen, wie sie ihre Türen den jungen Ausländern aufmachen sollen", sagt Claude-Alain Voiblet, Generalsekretär der Waadtländer SVP.

SVP

Die Schweizerische Volkspartei (SVP) entstand 1971 aus der Fusion der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB) mit den Demokratischen Parteien der ...

SP zu elitär?

Soziologie-Professor Kurt Imhof, Spezialist für Minderheiten und Gesellschaftsphänomene, erklärt die Kraft der populistischen Rechten so: "Die Sozialdemokratie hat ein enormes Patriotismus-Defizit. Dabei bindet die SVP junge Mitglieder, die von traditionellen Schweizer Werten verführt werden, genau mit Patriotismus an", sagt der Zürcher.

"Die Sprache der SVP, ihr Dynamismus und die unkomplizierten Methoden entsprechen den Erwartungen junger Migranten, die sich für Politik interessieren", sagt Urs Meuli, Soziologe an der Universtät Zürich. Die SP, bisher traditioneller Hafen für Mitbürger aus dem Ausland, werde als zu rigid und elitär wahrgenommen.

Ists der autoritäre Ton?

Junge Menschen aus Mittel- und Osteuropa werden laut Meuli von konservativen Werten und einem autoritären Ton eher angesprochen.

Aleksandar Naumovic, Delegierter der Zürcher SVP, stützt die Vermutung. "Wenn ich schaue, in welchem Zustand das Land war, das meine Eltern verliessen, sollte ich überzeugter Sozialist sein. Es ist völlig absurd!"

Nenad Stojanovic dagegen glaubt, dass es sich dabei um ein Klischee handle, das nichts mit der Realität zu tun habe. "Die politische Sensibilität junger Ausländer ist sehr unterschiedlich und hat nichts mit ihrer Herkunft zu tun. "

Der Tessiner ist überzeugt, dass sich in einigen Jahren niemand mehr wundern wird, dass sich Secondos für Schweizer Politik im Allgemeinen und rechte Parteien im Besonderen interessieren werden.

Laut Kurt Imhof zieht das proletarische Bewusstsein der ersten und zweiten Einwanderer-Generation, die aus dem Süden kamen, bei den heutigen Secondos nicht mehr. "Sie wollen lieber einer Rechtspartei angehören, denn diese steht für sozialen Aufstieg."

Nicole della Pietra, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Französischen: Renat Künzi)

Secondos - neue Klientel

Bei den Zürcher Gemeindewahlen vom März kandidierte auf der SVP-Liste mit Aleksandar Naumovic auch ein gebürtiger Serbe.

Der 40-Jährige Ökonom verpasste die Wahl zwar, setzt aber seine politische Karriere fort.

Ausschlaggebend für seinen Parteieintritt war die Abwahl von Christoph Blocher aus dem Bundesrat 2007.

SVP-Mitglied Shanky Wyser aus dem Kanton Solothurn will die spezifischen Schweizer Werte verteidigen und kriminelle Ausländer ausschaffen.

In der Lausanner Vorortsgemeinde Renens gründeten drei junge Secondos eine SVP-Sektion, mit der sie im nächsten Jahr bei den Gemeindewahlen antreten wollen. Präsident ist Stéphane Montabert, ein gebürtiger Franzose.

Die jungen SVP-Mitglieder geben an, dass sie von der SVP "sehr gut aufgenommen" worden seien.

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