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Politische Mobilisierung per Internet

Frauenprotest gegen Bundesratswahl: Schnelle Mobilisierung dank SMS und Internet.

(Keystone)

Über 1000 mehrheitlich junge Menschen nahmen am Mittwochabend in Zürich als Reaktion auf die Bundesratswahl an einer Demonstration teil. Ein Ad-hoc-Komitee hatte die Leute innert kürzester Zeit via SMS und E-Mail mobilisiert.

Die neuen Medien dienen immer mehr auch zur politischen Kommunikation.

Von Online-Protesten über Internet-Kampagnen bis zu Handy-Mobilisierung – die neuen Medien sind aus der politischen Kommunikation nicht mehr wegzudenken.

Offensichtlich wurde diese neue Entwicklung 1999 in Seattle, wo 50'000 Demonstrierende eine WTO-Konferenz zum Scheitern brachten.

"Internet ist für uns sehr wichtig: Wir erlassen Protestaufrufe und lancieren unsere Kampagnen. Zudem verschicken wir auf Wunsch Informationen zu bestimmten Themen, z.B. für die WEF-Alternativ-Veranstaltung 'The Public Eye on Davos', und wir verschicken Newsletters", sagt Sibylle Spengler von der Entwicklungshilfe-Organisation Erklärung von Bern (EvB).

Die EvB ist nicht die einzige Organisation, die mit den neuen Medien ihre Kampagnen und Anliegen erfolgreich verbreitet und, wie Sibylle Spengler betont, so auch Mitglieder gewinnt.

Internationale Vernetzung

Spätestens seit eine Massenkundgebung die Konferenz der Welthandelsorganisation (WTO) vom Dezember 1999 in Seattle, USA, zum Scheitern gebracht hat, weiss man, dass E-Mail und international koordinierte Internet-Kampagnen das Ihre dazu beigetragen haben.

Die unzähligen Entwicklungs- und Umweltorganisationen, die sich gegen die Ausbeutung der Dritten Welt, gegen die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, gegen die Zerstörung der Natur und für eine gerechtere Welt einsetzen, sind zu einer professionell organisierten Protestbewegung geworden – dank den neuen Medien.

Die Globalisierungsgegner, Bauern, Anarchisten, Atomkraftgegner, Gewerkschafterinnen, Frauen, Minderheiten verständigen sich flink und spontan per Mail und Handy.

Mit "Auf nach Davos", rief die "Anti-WTO-Koordination" auf ihrer Homepage zur Demonstration gegen das Weltwirtschaftsforum in Davos auf. "Wipe out WEF" hiess es auf der Site des "Oltner Bündnisses". Auch für das WEF 2004 werden die Protestaufrufe nicht ausbleiben.

Die Anti-Globalisierungs-Organisation ATTAC kündet per Internet bereits jetzt Veranstaltungen zur Mobilisierung gegen das WEF an.

Spontan und wendig

Auch bei den Schülerprotesten gegen den Irak-Krieg in der Schweiz seien E-Mail und Handy fleissig zum Einsatz gekommen, erklärt Samuel K. aus Bern, der bei "Jugend gegen Krieg" mitmacht:

"Die täglichen 'Lunch-Sittings' vor der US-Botschaft in Bern zum Beispiel wären ohne spontane Mobilisierung per SMS und Handy kaum durchführbar gewesen", sagt Samuel K. Allerdings würden Demos in den Schulen noch immer mit Flugblättern angekündigt.

Franz Eidenbenz, Experte für psychologische Fragen in Sachen Internet, sieht in den neuen Kommunikationsmitteln viele Vorteile: "Die Jugendlichen haben im Gegensatz zu früher einen autonomen Zugang zu Information und Informationsaustausch. Sie können SMS und Mails senden, ohne dass die Eltern etwas davon mitkriegen."

Sie könnten sich dank Internet und Handy flexibler und spontaner treffen, so Eidenbenz: "Sie können die neuen Medien auch benutzen, um etwas in grösserem Sinn zu unternehmen, zum Beispiel Demonstrationen organisieren."

Chance für die Jungen

Der 17-jährige Gymnasiast Samuel K. aus Bern braucht das Internet regelmässig, um sich zu informieren. Inwieweit sich die Jungen dank der neuen Medien aber in politischen Fragen mehr engagiert, ist für den Psychologen Eidenbenz zur Zeit unklar.

"Für mich ist jedoch klar, dass sich die Jugend heute besser positioniert – mit Homepages und Informationsschreiben, die sie untereinander verschicken."

Und vielleicht würden die jungen Menschen von der Erwachsenenwelt auch ernster genommen. "Denn sie bewegen sich in diesem Bereich sehr kompetent. Zudem kann man bei einem E-Mail nicht erkennen, wie alt die Person ist, die es sendet, und welche Position sie hat."

Für die Erklärung von Bern sind die elektronische Kommunikation und die Verbreitung von Informationen äusserst wichtig, vor allem auch bei internationalen Kampagnen, betont Sibylle Spengler.

"In der jetzigen Welt und heutigen Informations-Gesellschaft kann ich mir unsere Arbeit ohne Internet jedenfalls nicht mehr vorstellen, unmöglich."

swissinfo, Gaby Ochsenbein

In Kürze

Die Internet-Generation ist gut organisiert: mit Protestaufrufen und raschem elektronischem Informationsaustausch.

Massenkundgebungen, wie sie in Seattle, Porto Allegre oder in Davos stattfanden, wären ohne die neuen Medien nicht durchführbar.

Auch SMS-Kurzmitteilungen bilden Teil der Kommunikation.

In der Schweiz werden pro Tag weit über eine Million SMS verschickt.

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