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Presseschau vom 19.03.2003

Der immer näher rückende Krieg gegen Irak füllt wiederum Zeitungsspalten. Wenige Kommentare zeigen Verständnis für US-Präsident Bush, die meisten anderen verurteilen den Krieg.

Dieser Inhalt wurde am 19. März 2003 - 10:18 publiziert

Das Nein des Ständerates gegen das Flugverkehrsabkommen mit Deutschland ist ein weiteres Thema.

Die BERNER ZEITUNG meint: "Hier steht ganz alleine der Präsident der Vereinigten Staaten, persönlich verantwortlich für eine die Welt erschütternde Entscheidung über Krieg und Frieden, ein Mann, dem somit gewaltige Macht in die Hände gelegt wurde - ein Mann, der diese Macht missbraucht."

Die BZ betont die Vorbildrolle Amerikas. Diese Rolle verlange, dass es die Regeln der internationalen Gemeinschaft konsequenter einhalten müssen als andere Staaten.

"Seine Stärke rührt aus der Überzeugungskraft, die Bündnisse zusammenhält und Freundschaften trägt. Bush hat all diese Grundsätze missachtet, er hat Amerikas Glaubwürdigkeit und Führungsrolle aufs Spiel gesetzt."

Den Verdacht, Irak habe heimlich weiter an Atomwaffen gearbeitet, hätten die letzten Inspektionen eher entkräftet, meint der Berner BUND. Jedoch:

"Der Argwohn, es gebe noch chemische und biologische Waffen, die versteckt statt vernichtet wurden, erhielt eher Auftrieb. (...) Allfällige Funde werden als nachträgliche Rechtfertigung des Krieges dienen."

Auf die propagandistische Seite des Krieges geht der TAGES ANZEIGER ein:

"So starren wir voll Angstlust auf die Fernsehschirme, wo bald neue Lenkwaffen ihre ästhetischen Kurven ziehen werden, vielleicht US-Flaggen über Saddams Palästen wehen, GIs mit Blumen empfangen werden.
Der TAGI belichtet auch die andere Seite und äussert eine Hoffnung:

"Leichen bekommen wir gewiss weniger zu sehen. Wenn es los geht, werden wir nicht mehr warten müssen, sondern hoffen können: dass es schnell vorbei ist - und für die Iraker nicht nur ein Ende mit Schrecken sondern tatsächlich ein Ende des Schreckens bedeutet."

Einen Einsamen und gefährlichen Job, müssen die im Irak verbleibenden IKRK-Delegierten machen. Der BLICK fragt:

Helden oder Cowboys?

"Sind die zehn IKRK-Delegierten verrückt? Sind sie verantwortungslose Cowboys, die trotz der apokalyptischen Szenarien in der Hölle ausharren wollen - um jeden Preis?"

Das Boulevardblatt gibt auch gleich die Antwort:

"Nein. Aber das IKRK nimmt sein völkerrechtliches Mandat ernst. Es muss im Krieg präsent sein. Um der Zivilbevölkerung etwas Schutz und Hilfe zu verschaffen."

Eine gänzlich andere Bewertung der Dinge nimmt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG vor. Für sie ist die Vorstellung, man könne mit Uno-Inspektoren das von Saddam Hussein mit harter Faust unterdrückte Land abrüsten, illusionär:

"Saddam Hussein versteht nur die Sprache der Gewalt; er praktiziert sie ja selber ausgiebig und skrupellos. Die Androhung allein hat nicht genügt.

Flügellahmer Ständerat

Der Ständerat hat das Flugverkehrsabkommen mit Deutschland abgelehnt. Der TAGES ANZEIGER dazu:

"Das Nein des Ständerates war ein Bauchentscheid: die kleine Schweiz gegen das grosse Deutschland, dessen Forderung auch dann als Diktat empfunden wird, wenn sie gerechtfertigt ist. Den Ausschlag gab aber das Nein von Swiss, Unique und Kanton Zürich. Man könne trotz aller Unsicherheit nicht gegen den Willen von Zürich Ja sagen. Leuenberger sagte ironisch: 'In dubio pro Zurigo'."

Die Suppe muss laut Tagi aber Zürich selbst auslöffeln:

"Wenn es schlecht geht, wird Zürich dafür gerade stehen müssen, dass es von zwei Übeln nicht das kleinere empfahl."

Für die NEUE LUZERNER ZEITUNG muss im schlimmsten Fall aber die Bevölkerung die Suppe auslöffeln.

"Sei es, weil mehr Leute vom Fluglärm betroffen sind oder weil - falls Skyguide oder Swiss tatsächlich fallieren - die Zeche mit Steuergeldern beglichen werden müsste.

swissinfo, Etienne Strebel

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