Presseschau vom 21.02.2003

Der Flugverkehr-Staatsvertrag mit Deutschland und die "Verrechtlichung" des Sports beschäftigen die Schweizer Presse.

Dieser Inhalt wurde am 21. Februar 2003 - 10:09 publiziert

"Flagge zeigen" ist die Devise der Stadtväter von Dietikon. Sie lassen die Schweizer Fahne hissen. Diese Idee liesse sich noch ausbauen.

Die Ständeratskommission hat sich klar gegen den Flugverkehrs-Staatsvertrag zwischen Deutschland und der Schweiz gestellt. Droht nun eine einseitige Verordnung aus Deutschland mit einem Wochenendflugverbot?

"Einen schlechten Vertrag darf man nicht akzeptieren", meint die AARGAUER ZEITUNG, fragt sich jedoch: "Ob aber ein knallhartes Njet politischer Klugheit entspricht, steht auf einem anderen Blatt."

Die AZ hat auch schon einen Verbesserungs-Vorschlag in petto: "Viel besser wäre eine Sistierung der Vorlage gewesen. Das Parlament hätte so auf Zeit spielen, den Schwarzen Peter erst mal über den Rhein schieben und den parlamentarischen Prozess in Deutschland abwarten können."

Für den Berner BUND bedeutet der Entscheid der Ständerats-Kommission: "Zurück zum Start."

Der vertragslose Zustand könnte verschiedene Auswirkungen haben: "Kurzfristig bedeutet dies, dass der Flughafen nicht mehr an die vorgezogene Wochenendregelung gebunden ist. Das ausgedehnte Nacht- und Wochenendflugverbot wird hinfällig."

Der BUND weiss aber auch: "Der vertragslose Zustand gibt Deutschland das Recht, seine Drohung wahr zu machen und die Flugüberwachung nördlich des Rheins selber auszuüben."

Sport ist mehr als Sport

Weil das Management des HC Freiburg geschlampt hatte, musste der Einzelrichter der Eishockey-Nationalliga den Regelverstoss sanktionieren. Der Freiburger Rekurs wurde nun auch von der Rekurskammer des Verbandes abgelehnt. Die Folgen sind für den Club fatal.

Die BERNER ZEITUNG meint: "Klar, die Freiburger Spieler und ihr Anhang müssen für den läppischen Fehler ihrer Vereinsführung büssen. Die in letzter Minute geschaffte Playoff-Qualifikation ist nichts mehr wert."

Das Fazit der BZ: "Mit den jüngsten Ereignissen haben die Verantwortlichen in den obersten Eishockeygremien einmal mehr den Beweis geliefert, dass sie noch weit von einer professionell geführten Liga entfernt sind."

Das Eishockey-Debakel wird von der NEUEN LUZERNER ZEITUNG als Aufhänger gebraucht, den Zustand anderer Sportarten unter die Lupe zu nehmen. Ihr Fazit: "Der aktuelle Fall und Beispiele aus junger Vergangenheit (Aufstieg des sportlich abgestiegenen FC Luzern am grünen Tisch und dann wieder Punkteabzug wegen Fehler einer nicht mehr amtierenden Klubleitung; Disqualifikation des Annen-Bobs wegen zu schwerer Ersatzfahrer) zeigen auf, dass der Sport sich auf einem schmalen Grat bewegt."

Der verunsicherte NLZ-Kommentator meint: "Auf der einen Seite ist der Sport, sind die Emotionen, auf der anderen Seite ist deren Verrechtlichung. Sobald die ersten Playoff-Siege bejubelt werden können, herrscht auch Unsicherheit vor, ob nicht am Tag darauf ein Rekurs oder Verfahren zu laufen beginnt."

Flagge zeigen

Die Bevölkerung der Stadt Dietikon weist einen hohen Ausländer-Anteil auf. Die Stadtverwaltung hat nun an vielen Orten Schweizer Fahnen aufhängen lassen. Damit soll allen klar werden, wo man sich befindet. Die von den Medien befragten Ausländerinnen und Ausländer scheinen dem gar nicht abweisend gegenüber zu stehen.

Für das ST GALLER TAGBLATT ist diese Idee noch gar nicht richtig ausgeschöpft: "Um stets das richtige Zeichen setzen zu können, bräuchte es Kopftücher mit Schweizer Kreuzen. Und mit sämtlichen Kantonen bedruckt, würde jeder Turban zum Beweis gelungener Zusammenführung von Intoleranz und staatlicher Integration. Generell gilt: Korrekt beflaggt, macht noch der fremdeste Ausländer weniger Angst."

swissinfo, Etienne Strebel

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