Russland modernisiert - Schweizer KMU hoffen

Gibt es in Moskau für Schweizer Exporteure Rosinen zu pflücken? Keystone

Russland möchte seine Energie-Infrastruktur modernisieren. Schweizer Unternehmen könnten dazu einiges beitragen, insbesondere im Cleantech-Bereich, den erneuerbaren und energiesparenden Technologien.

Dieser Inhalt wurde am 12. Oktober 2010 - 08:27 publiziert
swissinfo.ch

Die russische Föderation plant, ihr Stromnetz und ihre erdöl- und gasabhängige Energieinfrastruktur zu erneuern. Auch das Olympiade-Projekt vom Winter 2014 in Sochi und das Aufziehen eines Silicon-Valley-Projekts bei Moskau könnten interessante Aufträge nach sich ziehen.

Die Handelsbeziehungen zwischen Russland und der Schweiz haben sich in den letzten fünf Jahren verdreifacht. Die Exporte nach Russland erreichten 2009 die Summe von 2,1 Mrd. Franken. Letzten August unterzeichneten die beiden Länder einen Dreijahres-Handelsvertrag, um sich wirtschaftlich näherzukommen. Die Schweizer Direktinvestitionen erreichten Ende 2008 fast 5,4 Mrd. Franken. Bei der Schweizer Botschaft in Moskau sind 150 Schweizer Unternehmer gemeldet.

Osec, das Kompetenzzentrum der Schweizer Aussenwirtschaftsförderung, hat kürzlich Schweizer und Russische Wirtschaftsführer in Zürich an einem Forum zusammen gebracht. Eine spezielle Exportplattform der Osec ist auf Cleantech spezialisiert.

Der Präsident dieser Plattform, Uwe Krüger, glaubt, dass die internationale Nachfrage nach dieser Art von erneuerbarer und energiesparender Clean-Technologie zunehmen wird, besonders im Bereich der Photovoltaik, bei der Licht in Energie umgewandelt wird.

"Zur Zeit wird stark in saubere Technologie investiert, besonders im High-Tech-Segment der Wirtschaft", so Krüger gegenüber swissinfo.ch. "Sowohl grosse als auch kleine Schweizer Unternehmen können ihren Beitrag dazu leisten, und zwar in einem breit abgesteckten Bereich."

Vielerlei energetische Bedürfnisse

Die Nachfrage nach Strom wird im nächsten Jahrzehnt in Russland um schätzungsweise 30% zunehmen, glaubt die russische Energieberatungsfirma Abercade. Um dieser Nachfrage gerecht zu werden und gleichzeitig die Emissionen tiefer zu halten, will das Land seinen alternativen Energie-Anteil von 1% bis 2030 auf 4,5% ausbauen.

Schweizer Grossunternehmen wie die ABB sind seit einiger Zeit in Russland präsent. Doch die Osec sähe in diesem Markt gerne auch kleine und mittlere Firmen (KMU).

Solche KMU könnten aus der Zusammenarbeit mit russischen KMU Nutzen ziehen, wenn es darum gehe, Wege aus der russischen Bürokratie zu finden, meint Krüger.

Oerlikon, Schweizer Spezialist für Photovoltaik, hat auf dem russischen Markt zugelegt, nachdem das Unternehmen von der Renova übernommen worden war. Diese gehört dem russischen Milliardär Viktor Vekselberg. Doch auch andere Unternehmen könnten von ähnlicher Zusammenarbeit profitieren.

"Jede Art von Joint Venture-Struktur, die für beide Parteien nützlich ist, hilft, die üblichen Hindernisse zu überwinden", so Krüger. "ob es nun, wie im Fall Russlands, Sprachbarrieren oder bürokratische Hindernisse sind."

Politische Hindernisse

Ein relativ grosses Hindernis für kleinere Schweizer Firmen, in den grossen russischen Markt einzusteigen, ist die russische Politik, der Westeuropa insgesamt nicht traut. Der jüngste Rausschmiss des moskovitischen Stadtpräsidenten Yuri Luzhkov durch Präsident Dmitri Medvedev dürfte diesen Verdacht kaum zerstreuen.

Doch Krüger bleibt bei seiner Meinung: Russland sei nach wie vor ein politisch stabiler Ort, um Geschäfte zu machen. "Ein Unternehmer kann sich an alle Vorbedingungen anpassen, solange sie vorhersehbar sind und stabil bleiben."

Vergleiche man Russlands Stabilität mit jener anderer Länder, gebe es einiges auszusetzen. Doch wenn es um die Verlässlichkeit der Rahmenbedingungen gehe, sei das Umfeld sehr gut.

In einem ambitiösen Projekt ist die Schweiz bereits stark involviert. In Skolkovo bei Moskau soll ein neues Silicon Valley, eine "Innovationsstadt", geschaffen werden. Das Projekt soll rund 5,3 Mrd. Franken kosten, über die kommenden fünf Jahre verteilt. Geplant ist der Bau eines Forschungsinstituts und einer Schule für 14'000 Studierende und Forschende.

Vekselberg im Vorstand der Skolkovo-Stiftung

Skolkovo zieht auch andere internationale Unternehmen und Schulen an. Forschungs-Programme, Postgraduate-Kurse und die Unterstützung von vielversprechenden Start-Ups im Bemühen um Anschluss an die Märkte sind angesagt.

Mit-Vorsitzender der Stiftung Skolkovo ist Vekselberg selber. Als Partner beigezogen hat er bereits bekannte Institutionen und Firmen wie das MIT, Boeing, Cisco und Siemens.

Auch die ETH ist angesprochen worden. Der Zürcher Technopark, der Start-Ups weiterhilft, hat eine Absichtserklärung mit Skolkovo unterzeichnet. "Der Technopark ist eine internationale Erfolgsstory", sagt Ulrich Kunz, der Vekselberg für das Moskauer Projekt berät.

"Wir möchten das Know-How des Technoparks, wie Start-Ups gross zu ziehen sind, nutzen und auf die Moskauer Umgebung anpassen."

Was ist Cleantech?

Cleantech ist ein branchenübergreifendes Wirtschaftssegment.

Es vereinigt alle Aktivitäten zum schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen.

Dazu gehören erneuerbare Energien, Energie- und Rohstoffeffizienz, erneuerbare Materialien, Abfallwirtschaft, saubere Produktionsprozesse oder Wasserwirtschaft.

Cleantech umfasst eine Vielzahl von Teilbereichen:

Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und -speicherung, erneuerbare Materialien, Ressourcen- und Materialeffizienz (inkl. Abfallwirtschaft und Recycling), nachhaltige Wasserwirtschaft, nachhaltige Mobilität, nachhaltige Land- und Forstwirtschaft, weisse Biotechnologie, Umwelttechnik im engeren Sinn (inkl. Messtechnik, Altlastensanierung, Filtertechnik).

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Schweiz - Russland

Regelmässige Beziehungen zwischen Russland und der Schweiz gibt es ab dem 18. Jahrhundert.

Im 19. Jahrhundert gehörte Russland zu jenen Grossmächten, welche die Schweizer Neutralität verteidigte.

Während der Jahrhundertwende zog die Schweiz als Exilland gleichermassen Emigranten, Künstler, Dissidenten und Revolutionäre wie Lenin an.

1917, nach der russischen Revolution, brachen die diplomatischen Beziehungen ab und wurden erst 1946 wieder aufgenommen.

Nach 1990 sind die Beziehungen rasch verbessert worden, nicht nur politisch und wirtschaftlich, sondern auch wissenschaftlich und kulturell.

Die Schweiz unterstützt Russland seither technisch und finanziell.

Humanitäre Hilfe wurde für die Kaukasus-Region bereitgestellt.

2002 kam es zu Spannungen wegen dem Flugzeugdrama bei Überlingen.

Die Yukos-Affäre, Verhaftung des ehemaligen russischen Ministers für Atomenergie, Yevgeny Adamov, sorgten für weitere Spannungen.

Im russisch-georgischen Krieg von 2008 nahm die Schweiz die diplomatischen Interessen beider Länder wahr.

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